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Rechtspopulist Bolsonaro in Brasilien in Umfrage voran

Bolsonaro liegt bei der Bevölkerung hoch im Kurs APA (AFP)
Bolsonaro liegt bei der Bevölkerung hoch im Kurs

In Brasilien liegt der extrem rechte Kandidat Jair Bolsonaro einer Umfrage zufolge vor der Stichwahl Ende Oktober deutlich vor seinem Rivalen. Bolsonaro kommt auf 58 Prozent der Stimmen, wie eine am Mittwoch veröffentlichte Umfrage unter mehr als 3.000 Menschen ergab. Für seinen sozialistischen Konkurrenten Fernando Haddad von der linken Arbeiterpartei wollen demnach 42 Prozent der Wähler stimmen.

In der ersten Runde vom Sonntag hatte Bolsonaro 46 Prozent der Stimmen erhalten und damit die absolute Mehrheit nur knapp verfehlt. Die Stichwahl am 28. Oktober gilt als Bewährungsprobe für die Demokratie in der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas, die von Politskandalen und wirtschaftlicher Misere gezeichnet ist.

Unterdessen gab es mehrere Angriffe auf Anhänger des Linkskandidaten. In der Stadt Salvador da Bahia fand am Mittwoch eine Trauerfeier für einen 63-jährigen Mann statt, der dort am Montag erstochen worden war. Er soll in einer Bar inmitten von Bolsonaro-Anhängern gerufen haben: "Hier unterstützen wir die Arbeiterpartei".

Auch in anderen Städten griffen Bolsonaro-Anhänger Unterstützer von Haddad an, wie brasilianische Medien berichteten. Bolsonaro sprach von Einzelfällen, die von den Medien aufgebauscht würden. Er habe dazu aufgerufen, diese Übergriffe zu beenden, könne das aber nicht kontrollieren, sagte der langjährige Abgeordnete. "Gewalt und Intoleranz kommen von der anderen Seite", fügte er hinzu.

Haddad forderte Bolsonaro am Mittwoch erneut zu einer Fernsehdebatte heraus. Diese war ursprünglich für Donnerstag vorgesehen. Bolsonaros Ärzte teilten jedoch mit, ihr Patient habe sich noch nicht ausreichend von der Messerattacke vor einem Monat erholt. Haddad sagte, er würde überall mit Bolsonaro diskutieren, notfalls auch im Krankenhaus.

Vor dem bevorstehenden Regierungswechsel in Brasilien sorgt sich die deutsche "Gesellschaft für bedrohte Völker" (GfbV) unterdessen um die Zukunft der rund 300 indigenen Völker des Landes. Der aussichtsreichste Anwärter auf die Präsidentschaft, der Rechtspopulist Jair Bolsonaro, schüre mit rassistischen Angriffen auf Minderheiten eine Ausgrenzung der armen und indigenen Bevölkerung, kritisierte GfbV-Referentin Yvonne Bangert in Göttingen.

Bangert bemängelte, dass Landrechte der indigenen Gemeinschaften zunehmend in Gefahr geraten. Der Staat gehe kaum gegen illegale Rohstoffförderung und Rodungen in diesen Gebieten vor. Bisher sei zudem kein einziges indigenes Schutzgebiet anerkannt worden. Die GfbV befürchtet, der Einfluss der Agrarlobby unter Bolsonaro könne weiter ansteigen - zum Schaden der indigenen Gemeinschaften in Brasilien.

Alarmiert zeigte sich die GfbV-Referentin zudem über den Jahresbericht 2017 des Indigenen-Missionsrats der katholischen Kirche (CIMI). Demnach hätten 128 Indigene Selbstmord begangen, 110 Angehörige indigener Gemeinschaften seien ermordet worden und 702 Kleinkinder seien aufgrund mangelnder medizinischer Versorgung gestorben.

(APA/ag.)

Aufgerufen am 16.12.2018 um 09:19 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/rechtspopulist-bolsonaro-in-brasilien-in-umfrage-voran-60375694

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