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Flexibilität gefragt

Langer Weg zu alter Reiseroutine

Corona-Krise bringt Test- und Dokumentationspflichten

20140505_PD0963.HR.jpg APA/Barbara Gindl/Archiv
Test- und Dokumentationspflichten, SARS-CoV-2-Impfung und unterschiedlichste Quarantäneregeln werden wohl noch einige Zeit den internationalen Reiseverkehr prägen. (SYMBOLBILD)

Sowohl für privat als auch für beruflich Reisende wird noch viel Zeit bis zur gewohnten Routine aus Vor-Covid-19-Zeiten vergehen.

Test- und Dokumentationspflichten, SARS-CoV-2-Impfung und unterschiedlichste Quarantäneregeln werden wohl noch einige Zeit den internationalen Reiseverkehr prägen, hieß es am Freitag bei einer Online-Pressekonferenz des Centrum für Reisemedizin (CRM/Düsseldorf).

"Müssen lernen, mit dem Virus zu leben"

"Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben", sagte Robert Steffen von Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention der Universität Zürich bei der Pressekonferenz aus Anlass des an diesem Wochenende stattfindenden 22. Forums des CRM zum Thema "Reisen in Zeiten von Corona". Auch die Durchimpfung der Bevölkerung in einzelnen Staaten oder Weltregionen werde die Situation nicht so schnell ändern, solange die Pandemie nicht weltweit zurückgedrängt sei.

 

Flexibilität bei Reiseplanung

In jeder Reiseplanung sei derzeit wegen der sich laufend verändernden Covid-19-Situation in jedem Land, in jeder Weltregion maximale Flexibilität verlangt. "Man benötigt als Reisender eine ausgedehnte Dokumentation zu Tests und Impfungen. Hier gibt es zunehmend eine Kakophonie", erklärte Steffen. Viele Staaten würden jeweils unterschiedliche Voraussetzungen erlassen. Nicht einmal die Weltgesundheitsorganisation (WHO) würde zu Impfnachweis etc. eine konsistente Meinung vertreten.

Während auf verschiedensten Ebenen über elektronische Impfnachweise nachgedacht werde, vergesse man oft das Einfachste, sagte Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM: "Wir alle haben einen gelben Impfausweis. Das kleine gelbe Heft kennt jeder Grenzbeamte." Leider werde derzeit auch eine Covid-19-Impfung oft gar nicht vermerkt.

Corona-Krise: Mehr Beratungen bei weniger Reisen

Früher hätte man bezüglich Dienstreisen ins Ausland typische Anfragen bei Touren nach Kongo oder Nigeria verzeichnet, jetzt sei das anders, sagte Stefan Eßer, Ärztlicher Direktor des reisemedizinischen Beratungsunternehmens International SOS (Neu-Isenburg/Deutschland): "Heute geht es sogar schon um Reisen von Salzburg nach Passau. (...) Die berufliche Reisetätigkeit ist fast genauso eingebrochen wie die private. Wir haben aber um 30 Prozent mehr Beratungstätigkeit bei nur noch 20 Prozent der (ehemaligen; Anm.) Reisetätigkeit."

Dienstgeber, welche Beschäftigte in andere Staaten entsenden, müssten schon aus arbeitsrechtlichen Gründen vorsorglich abklären, wie eine medizinische Versorgung der Betroffenen am Ort des Einsatzes geschehen könne. In Sachen Covid-19 sei da auch abzuklären, wie man Betroffene im Zweifelsfall wieder möglichst schnell heimholen könne. "Eventuell auch bei schwerer Intensivmedizin-Pflichtigkeit", betonte Eßer.

Mitunter strenge Quarantäne-Fristen

Auch strenge Quarantäne-Fristen nach der Ankunft in anderen Staaten - in einzelnen Ländern wie in Neuseeland oder China oder Indien bis zu 14 Tage sogar in staatlichen Hotels oder sonstigen kontrollierten Unterkünften - seien für die Betroffenen schwer belastend. "Wir hatten da Leute, die sind psychisch entgleist, wurden traurig oder depressiv", erzählte der Experte. Man habe versucht, sie über tägliche Kontakte psychisch zu stabilisieren.

Gleichzeitig sind andere Gesundheitsgefahren weltweit nicht zurückgegangen, einzelne sogar größer geworden. Jelinek: "Es gibt noch etwas anderes als Corona. In Afrika wurden beispielsweise die Masern-Impfprogramme zeitweise eingestellt. Es kam zum Teil zu großen Ausbrüchen." Auch die Maßnahmen gegen die Malaria hätten in den betroffenen Weltregionen unter der Pandemie eher gelitten. "Dass wir in Deutschland im vergangenen Jahr mit 748 Fällen (2019 in Deutschland 465 Erkrankungen) sehr viele FSME-Erkrankungen hatten, liegt an dem veränderten Verhalten der Menschen", betonte der Experte.

Das Wandern wurde in Deutschland im vergangenen Jahr wieder deutlich mehr zur Covid-19-Freizeitbeschäftigung, ähnlich auch in Österreich. Gleichzeitig sei es in Teilen Deutschlands zu mehr Borreliose-Erkrankungen und zu mehr Fällen an Hantavirus-Infektionen gekommen. Letzteres hatte laut Jelinek offenbar damit zu tun, dass die Menschen in dieser Pandemie-Zeit ihre Häuser und Garagen entrümpelt hätten und so häufiger mit dem Virus-kontaminierten Urin der Nager via Staub gekommen seien.

(Quelle: APA)

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