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Rettungsschiff "Aquarius" in Marseille eingetroffen

Die "Aquarius" sucht weiter nach Flaggenstaat APA (AFP)
Die "Aquarius" sucht weiter nach Flaggenstaat

Das Migranten-Rettungsschiff "Aquarius" ist im südfranzösischen Marseille eingetroffen und sucht weiter nach einem neuen Flaggenstaat. "Wir rufen die europäischen Regierungen auf, es uns zu ermöglichen, unsere lebensrettende Arbeit fortzusetzen, indem sie der Aquarius eine Flagge geben", teilte die Hilfsorganisation SOS Mediterranee am Donnerstag auf Twitter mit.

Sie betreibt das Schiff zusammen mit Ärzte ohne Grenzen. "Wir sind entschlossen, so schnell wie möglich zurück in den internationalen Gewässern des zentralen Mittelmeers zu sein." Der bisherige Flaggenstaat Panama hatte angekündigt, das Schiff aus seinem Schifffahrtsregister zu streichen und ihm somit die Flagge zu entziehen. Die Betreiber hatten befürchtet, dass dies nach dem Anlegen in Marseille umgesetzt wird. Damit wäre das Schiff, das seit der Registrierung in Panama offiziell "Aquarius 2" heißt, vorübergehend stillgelegt.

Am Sonntag hatte die "Aquarius" 58 aus Seenot gerettete Migranten an ein Schiff der Küstenwache von Malta übergeben. Vier weitere EU-Länder hatten sich bereit erklärt, die Menschen aufzunehmen - darunter Deutschland. Diese Lösung war ausgehandelt worden, nachdem sich Malta und Italien geweigert hatten, das Schiff anlegen zu lassen.

Die deutsche Hilfsorganisation Seawatch ist hingegen mit einem neuen Schiff zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer ausgelaufen. Die "Mare Jonio" sei unter italienischer Flagge unterwegs zur libyschen Küste, schrieb die Organisation am Donnerstag auf Twitter. Zusammen mit anderen Flüchtlingsrettern werde dort "genau Ausschau" gehalten, hieß es in der Mitteilung.

Unterdessen hat sich eine Gruppe italienischer NGOs zusammengeschlossen und finanziert ein Schiff, das im Mittelmeer die Lage der Migranten auf der Flucht beobachten soll. Das Schiff "Mediterranea" sei bereits abgefahren, teilten die Hilfsorganisationen in einer am Donnerstag veröffentlichten Presseaussendung mit. Die Initiative wird von einer Gruppe oppositioneller Parlamentarier unterstützt.

Das Schiff soll offiziell keine Rettungseinsätze machen, sondern die Situation vor der libyschen Küste beobachten und Zeugenberichte sammeln. "Wir wollen über die dramatische Lage von Menschen berichten, die angesichts der fehlenden Rettungseinsätze enormen Gefahren ausgesetzt sind", so die NGOs. Die Organisationen bemängelten die "Gleichgültigkeit" der italienischen und europäischen Regierungen angesichts der Flüchtlingskrise. Das Schiff wird von mehreren italienischen Organisationen wie dem katholischen Arbeitnehmerverband ARCI sowie von der spanischen NGO Proactiva Open Arms und der deutschen NGO Sea-Watch unterstützt.

Die Initiative ist eine Reaktion auf die harte Linien der italienischen Regierung, die keine Rettungsschiffe von NGOs mehr in ihren Häfen anlegen lässt. Zahlreiche private Hilfsorganisationen mussten daher ihren Einsatz zur Rettung von in Seenot geratenen Flüchtlingen abbrechen. Italien hat im Gegenzug die libysche Küstenwache aufgerüstet, die Migranten zwar rettet, sie aber zurück nach Liyben führt, wo die Bedingungen für Migranten Hilfsorganisationen zufolge katastrophal sind.

(APA/dpa)

(Quelle: S24)

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