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Rückkehr-Stopp von Kindern nach Afghanistan gefordert

Die Kinderrechtsorganisation "Save the Children" hat die Regierungen in Deutschland und anderen europäischen Staaten dringend aufgefordert, keine Kinder und Jugendlichen mehr nach Afghanistan abzuschieben oder auf freiwilliger Basis zurückzuführen. Die Buben und Mädchen seien in dem Bürgerkriegsland "großer Unsicherheit und extremen Gefahren ausgesetzt".

Afghanistan sei "eines der gefährlichsten Länder der Welt"erklärte die Rechtsexpertin der Organisation, Meike Riebau, am Dienstag anlässlich der Veröffentlichung des Save the Children-Berichts "Rückkehr ins Ungewisse". Afghanische Kinder, deren Asylgesuche in Europa abgelehnt werden, treten demnach die Rückreise in eine unsichere Zukunft an. Denn die Sicherheitslage, die ihre Flucht ursprünglich auslöste, habe sich weiter verschlechtert. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden nie zuvor so viele Zivilisten in Afghanistan getötet wie in der ersten Jahreshälfte 2018, heißt es in dem Bericht.

Die Kinder seien von Gewalt und Zwangsrekrutierung in bewaffnete Gruppen bedroht. Sie fühlten sich fremd in einem Land, in dem viele von ihnen niemals zuvor lebten. Das Recht auf Bildung werde ihnen in Afghanistan vorenthalten. Drei Viertel der Minderjährigen erklärten, aus Angst und aus Mangel an Perspektiven erneut flüchten zu wollen.

"Save the Children" hatte für seinen Bericht 57 Kinder befragt, die aus Europa nach Afghanistan zurückkehrten. Mehr als die Hälfte berichtete über Nötigungs- und Gewalterfahrungen im Rahmen des Rückkehrprozesses. Ein Fünftel berichtete, dass nach ihrer Ankunft jemand versuchte, sie für den bewaffneten Kampf zu rekrutieren oder Gewaltakte zu verüben.

Die Kinder fühlten sich zudem von den Gemeinden ausgeschlossen und diskriminiert. "Manche Leute sagen, dass die Kinder, die in Europa waren, zu Ungläubigen geworden und keine echten Moslems mehr sind", zitiert der Bericht einen 19-Jährigen, der mit 16 aus Österreich zurückgeführt wurde.

Fast alle Kinder und Familien hätten die mangelnde Sicherheit als größte Herausforderung in ihrem Leben seit ihrer Rückkehr angegeben. Laut einem UN-Bericht wurden seit Jänner mindestens 653 Kinder im Konflikt in Afghanistan getötet und 1.483 weitere verletzt.

Programme zur "freiwilligen" Rückkehr von Kindern nach Afghanistan bezeichnet der Bericht als "bedenklich". Abgesehen von der schlechten Sicherheitslage sei fraglich, ob Kinder überhaupt eine informierte Entscheidung frei von Zwängen treffen könnten. Die deutsche Bundesregierung sollte deshalb Afghanistan von der Liste der Länder streichen, für die freiwillige Rückkehrprogramme angeboten werden.

(APA/dpa/ag.)

(Quelle: S24)

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