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Russland wirft Jazenjuk Verbrechen in Tschetschenien vor

Soll an Erschießungen von russischen Kriegsgefangenen beteiligt gewesen Salzburg24
Soll an Erschießungen von russischen Kriegsgefangenen beteiligt gewesen

Der Vorsitzende von Russlands staatlichem Ermittlungskomitee, Aleksandr Bastrykin, wirft dem ukrainischen Premier Arsenij Jazenjuk vor, 1994/95 in Tschetschenien an Kampfhandlungen gegen russische Truppen sowie Folterungen und Erschießungen von russischen Kriegsgefangenen beteiligt gewesen zu sein. Das erklärte Bastrykin am Dienstag gegenüber der staatlichen Zeitung "Rossijskaja Gaseta".

Arsenij Jazenjuk habe am 31. Dezember 1994 sowie im Februar 1995 in der tschetschenischen Hauptstadt gegen russische Truppen gekämpft, sagte Bastrykin. Zudem sei Jazenjuk, so der russische Chefermittler, am 7. Jänner 1995 an der Folterung und Erschießung von russischen Kriegsgefangenen im Oktjabrski-Bezirk von Grosny beteiligt gewesen. Deshalb sei der spätere Premier im Dezember 1995 auch gemeinsam mit anderen Vertretern der ukrainisch-nationalistischen Gruppierung UNA-UNSO von Dschochar Dudajew (1991-1996 Präsident der nicht anerkannten "Tschetschenischen Republik Itschkerien", Anm.) für die "Vernichtung von russischen Soldaten" mit dem Orden "Ehre der Nation" ausgezeichnet worden.

Bastrykins Aussagen beziehen sich auf den Ersten Tschetschenienkrieg: Im Dezember 1994 waren russische Truppen in Tschetschenien einmarschiert, das sich 1991 von der Russischen Föderation losgesagt hatte und de facto als unabhängiger Staat funktionierte. Der Krieg, in dem einige ukrainische Nationalisten auf tschetschenischer Seite involviert waren, führte zu geschätzten 50.000 Todesopfern, insbesondere unter der Zivilbevölkerung, und endete im Sommer 1996 mit einem Waffenstillstand zwischen Russland und Tschetschenien.

In der Ukraine wurden Bastrykins Vorwürfe mit Humor erwidert - ukrainische Blogger verbreiten am Dienstag zahlreiche Fotomontagen, die Premierminister Jazenjuk als tschetschenischen Krieger darstellten. "Natürlich kann man über den Tschetschenen Jazenjuk lachen, allerdings kündet diese Aussage auch vom Niveau des Sicherheitsapparates eines Nuklearstaates. Das sind wirklich Affen mit Granaten", kommentierte der Lemberger Journalist Oleh Onysko besorgt.

Die Sprecherin des ukrainischen Regierungschefs, Olha Lappo, empfahl ihrerseits dem "russischen Regime", den Chef des staatlichen Ermittlungskomitees psychiatrisch untersuchen zu lassen. Jazenjuk war zu Beginn des Ersten Tschetschenienkriegs 20 Jahre alt und Student der Rechtswissenschaften in Czernowitz. Von damaligen militärischen Missionen des künftigen Politikers ist nichts bekannt.

Widerspruch an der russischen Darstellung kommt aber auch von einem hochrangigen Zeitzeugen in Österreich. Der in Wien lebende Chusejn Ischanow war 1994/1995 Sonderbeauftragter des tschetschenischen Generalstabchefs und selbst in die Kriegshandlungen involviert. "Ich kann ausschließen, dass Jazenjuk damals unter den ukrainischen Kämpfern war", erklärt Ischanow gegenüber der APA. Auch habe es, so betont der tschetschenische Ex-Militär, die von Bastrykin genannten Kampfhandlungen Ende Dezember 1994 und im Februar 1994 nicht gegeben. Und auch der Vorwurf in Bezug auf russische Gefangene sei falsch: "Ich persönlich war damals für die Kriegsgefangenen verantwortlich: Im (von Bastrykin genannten, Anm.) Oktjabrski-Bezirk hat es damals gar keine Gefangenen gegeben."

(Quelle: S24)

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