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Salzburger Museum der Moderne zeigt "Macht der Sprache"

US-Präsident Donald Trump, der die afrikanischen Staaten als "Drecklochstaaten" bezeichnete, oder AfD-Politiker Alexander Gauland, der Angela Merkel jagen und sich "unser Volk" zurückholen will: Solche Aussagen waren es, die Antonia Lotz, Kuratorin der Sammlung Generali Foundation im Salzburger Museum der Moderne, so bewegt haben, dass sie eine Ausstellung zur "Macht der Sprache" in Angriff nahm.

Ihr gehe es in Zeiten von "Fake News" um die Auseinandersetzung mit Sprache in der Kunst, erklärte die Kuratorin am Freitag beim Presserundgang durch die Schau. Werke der Sammlung der Generali Foundation treten dabei in Dialog mit Arbeiten aus dem Museumsbestand. Die Verknüpfung von Bild und Text in der Kunst reiche ins ausgehende 19. Jahrhundert zurück, erläuterte Lotz. Der Dichter Stephane Mallarmé habe in einem 1914 publizierten Buch sein Gedicht "Un coup de des jamais n'abolira le hasard" die Schrift so verteilt und angeordnet, dass daraus eine neue Sicht auf den Text entstand. Marcel Broodthaers, der selbst Dichter war, entwickelte Mallarmés Ansatz weiter und ließ durch Streichungen mit schwarzen Balken Bilder entstehen.

Ein Umgang mit Sprache und Schrift, der in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder aufgegriffen wurde. In der Ausstellung sind beispielsweise Arbeiten von Gerhard Rühm zu sehen, für die er verschiedene Titelseiten der "Neuen Tageszeitung" geschwärzt und immer nur das Wort "und" sichtbar gelassen hat. Wie Sterne am Nachthimmel wirken diese zufälligen Hervorhebungen vor dem dunklen Hintergrund.

Großen Raum nimmt die Installation "Active Poetry" der polnischen Künstlerin Ewa Partum ein. Sie hat in den 1970er-Jahren in Polen weiße Papierbuchstaben an ungewöhnlichen Orten verstreut. Diese Buchstaben habe es damals überall zu kaufen gegeben, weil man sie für Propagandazwecke nutzte, erzählte Partum beim Rundgang. Sie habe aus den Buchstaben Texte von James Joyce oder Marcel Proust zusammengefügt und in den Warschauer Straßen verstreut. Mittlerweile gebe es großes internationales Interesse an dieser Arbeit aus den 1970er-Jahren, freut sich die Künstlerin.

Wie unterschiedlich der Einsatz von Buchstaben, Worten und Texten in der Kunst sein kann, zeigen auch Arbeiten von VALIE EXPORT, Andrea von Straeten, Heinrich Dunst oder Else Lasker-Schüler.

(APA)

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 20.04.2021 um 01:28 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/salzburger-museum-der-moderne-zeigt-macht-der-sprache-60439870

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