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Schriftsteller Ralph Giordano 91-jährig gestorben

Giordano bei einem seiner wenigen Auftritte 2014 Salzburg24
Giordano bei einem seiner wenigen Auftritte 2014

Der Schriftsteller und streitbare Publizist Ralph Giordano ist tot. Er starb am Mittwoch im Alter von 91 Jahren in einem Kölner Krankenhaus, wie seine Familie und sein Verlag Kiepenheuer & Witsch bestätigten. Giordano, der als Sohn einer Jüdin nur knapp dem Holocaust entgangen war, galt als einer der profiliertesten Kämpfer gegen jede Form von Antisemitismus und Rechtsextremismus.

Giordano wurde am 20. März 1923 in Hamburg geboren. Den italienischen Namen hatte er von seinem Vater, der sizilianischer Abstammung war. Als Jugendlicher wurde er drei Mal von der Gestapo verhört, misshandelt und eingesperrt. Angesichts der drohenden Deportation der Mutter versteckten sich seine Eltern, er und seine beiden Brüder Anfang 1945 im einem Kellerloch voller Ratten. "Ich wache heute noch auf und denke: 'Giordano, lebst Du wirklich?'", erzählte er noch als alter Mann. Der Kampf gegen Rechts war sein Lebensthema. "Alle Bücher kommen aus der Tiefe meiner Biografie."

Insgesamt schrieb er 23 Bücher, von denen viele Bestseller wurden. Sein bekanntestes Werk war der später auch verfilmte Roman "Die Bertinis" (1982), in dem er die Geschichte einer jüdischen Familie in der NS-Zeit erzählt. Mit diesem Buch habe er "Millionen Menschen eindringlich und bewegend vor Augen geführt, was für ein täglicher Horror die nationalsozialistische Diktatur für Juden in Deutschland gewesen" sei, sagte nun der deutsche Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD). "Wir verneigen uns vor einer großen Persönlichkeit." Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) meinte: "Seine mahnende und streitbare Stimme wird Deutschland sehr fehlen."

Weitere erfolgreiche Titel waren "Die zweite Schuld oder von der Last ein Deutscher zu sein" und "Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte". Viel beachtet wurde auch seine Autobiografie "Erinnerungen eines Davongekommenen". Giordano drehte außerdem zahlreiche Fernseh-Dokumentationen für den WDR - seit 1972 wohnte er in Köln. Dort entwickelte er sich in den letzten Jahren seines Lebens zu einem scharfen Kritiker des Baus der Zentralmoschee. Die Heftigkeit seiner Angriffe brachte ihm viel Kritik ein. Er selbst sagte: "Ich habe da etwas angestochen, was lange von der Politik verdrängt worden ist." Er kritisierte eine "Inflation von Moscheen" und eine "muslimische Parallelgesellschaft".

Der Enthüllungsjournalist Gunter Wallraff - der in Köln in der Nähe der Moschee wohnt - sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Auch wenn er in seiner Kritik dem Islam gegenüber vielleicht manchmal zu überzogen und absolut erschien, braucht es so eine Stimme mit seiner Lebenserfahrung, wenn sich andere aus falsch verstandener Toleranz - die manchmal nichts anderes als Ignoranz oder Feigheit ist - wegducken."

Ähnlich sah es wohl auch Giordano selbst, der manche allzu scharfe Formulierung im Nachhinein bedauerte, bei anderen jedoch oft das leidenschaftliche Engagement für die freiheitliche Grundordnung vermisste. Bei einem Festakt zu seinem 90. Geburtstag sagte er letztes Jahr: "Ob Christ oder Moslem, links oder rechts, Gläubiger oder Atheist, wer die Demokratie beschädigt, der kriegt es mit mir zu tun. Das ist mein politisches Testament."

(Quelle: S24)

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