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Schwere Ausbeutung in Europa keine Seltenheit

Schwarze Schafe gibt es vor allem in der Landwirtschaft Salzburg24
Schwarze Schafe gibt es vor allem in der Landwirtschaft

Für die Aussicht auf mehr Gehalt als zu Hause gehen viele ins Ausland - als Erntehelfer, Küchenhilfe oder Bauarbeiter. Das geschieht auch in Europa. Doch auf faire Arbeitsbedingungen hoffen viele laut einer Untersuchung vergeblich. Denn schwere Ausbeutung von Arbeitskräften, z.B. durch Hungerlöhne oder Wegnahme der Pässe, ist nach einem EU-Bericht in einigen Wirtschaftszweigen weitverbreitet.

Die in Wien ansässige EU-Grundrechteagentur (FRA) stützt sich bei dieser Einschätzung unter anderem auf rund 600 Gespräche mit Gewerkschaftern, Polizisten oder Mitarbeitern von Aufsichtsbehörden. "Ausländische Arbeitnehmer haben in der EU ein ernsthaftes Risiko, ein Opfer von Arbeitsausbeutung zu werden", sagte Blanca Tapia von der FRA. Jeder fünfte Gesprächspartner traf demnach mindestens zweimal pro Woche auf einen solchen Fall, heißt es in der am Dienstag in Brüssel veröffentlichten Untersuchung. Zum Teil verdienten die Betroffenen nur einen Euro pro Stunde oder weniger, arbeiteten an sechs bis sieben Wochentagen und hätten keinen Vertrag.

Eine klare Definition ist indes schwierig. "Das Projekt hat sich nur mit jenen Formen der Arbeitsausbeutung befasst, die strafrechtlich verfolgt werden können", sagte Albin Dearing von der FRA. Dabei sei die rechtliche Situation unter den EU-Ländern aber unterschiedlich. In Polen beispielsweise gelten landwirtschaftliche Betriebe laut seiner Kollegin Tapia als Privatgrundstücke, relevante Kontrollen seien schwierig. "Sie können die Bedingungen für die Hühner kontrollieren, aber nicht für die Arbeiter", beklagte Tapia.

In Österreich sind besonders Arbeiter am Bau und in der Landwirtschaft von Ausbeutung betroffen, geht aus dem aktuellen FRA-Bericht hervor. In diesen beiden Branchen ist auch europaweit die Herde der schwarzen Schafe unter den Arbeitgebern besonders groß. Insgesamt sahen die Teilnehmer der Untersuchung im Bereich Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei das höchste Risiko für Ausbeutung, gefolgt von der Baubranche, dem Hotel- und Gaststättengewerbe, der Beschäftigung im Haushalt und in der verarbeitenden Industrie. Die Agentur pocht auf bessere Kontrollen und schärfere Gesetze. Vorbildlich seien die Instrumente im Kampf gegen den Menschenhandel.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 10.04.2021 um 10:04 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/schwere-ausbeutung-in-europa-keine-seltenheit-47359624

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