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Schwurprozess um Mordversuch in Eisenstadt vertagt

Mann wegen versuchten Mordes vor Gericht Salzburg24
Mann wegen versuchten Mordes vor Gericht

Dramatische Szenen haben Augenzeugen im Februar in Zagersdorf (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) erlebt. Eine Frau lief blutend auf die Straße, gefolgt von ihrem Ehemann. Der 69-Jährige soll sie mit einem Maurerfäustel viermal auf den Kopf geschlagen haben. Am Mittwoch stand er in Eisenstadt wegen Mordversuchs vor Gericht. Der Angeklagte bestritt den Vorwurf, der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

Das Geschehen schilderten beide Eheleute komplett gegensätzlich. Die Frau gab zu Protokoll, ihr Mann habe ihr im Garten von hinten mit dem Maurerfäustel auf den Kopf geschlagen und ihr auch noch die Hände weggezogen, mit denen sie sich schützen wollte.

Der Angeklagte schilderte den Hergang umgekehrt: Er habe aus dem Augenwinkel bemerkt, wie sich seine Frau ihm von hinten mit dem Fäustel genähert habe, als er mit der Scheibtruhe gefahren sei. Er habe versucht, ihr den - laut Anklage 1,16 Kilogramm schweren - Hammer zu entreißen. Dabei habe er sie vermutlich zum ersten Mal getroffen.

Als seine Frau gerufen habe, dass sie zwei seiner Katzen töten werde, sei bei ihm "diese Emotion durchgekommen", erzählte der Pensionist und Katzenliebhaber: "Ich schlug mit dem Hammer auf sie ein, aber nicht, um sie zu töten." Seine Frau habe sich gewehrt und ihn am Kopf und am Körper getreten. Er bekenne sich nicht des Mordversuchs, aber der vorsätzlichen Körperverletzung schuldig, sagte der Angeklagte.

Der gebürtige Deutsche, der die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, ist in dritter Ehe mit einer Ungarin verheiratet. Seit 15 Jahren seien er und seine Frau jedoch von Tisch und Bett getrennt gewesen. Vor neun Jahren sei er in das Haus in Zagersdorf eingezogen. Als Katzenliebhaber besaß er neun Stubentiger. Nachdem er im Sommer des Vorjahres zwei weitere Katzen bei sich aufgenommen habe, habe es deshalb immer wieder Streit gegeben, berichtete der 69-Jährige.

Zum Streit sei es auch gekommen, als seine Frau vergangenen Dezember von seiner Freundin, einer Internetbekanntschaft aus Deutschland, erfahren habe. Die beiden hatten sich auf einer Internetplattform kennengelernt und insgesamt viermal getroffen.

Der 69-Jährige habe bereits geplant gehabt, dass seine Freundin zu ihm ziehe, sagte Staatsanwältin Verena Strnad. Für ein März-Wochenende sei schon ein Lkw bestellt gewesen, um den Umzug durchzuführen. Bekannten und seiner Freundin habe der Angeklagte erzählt, seine Ehefrau habe ihn verlassen. Diese wusste davon jedoch nichts.

Als Indiz für eine vorbereitete Tat wertete die Staatsanwältin auch ein Meter tiefes Loch, das der Angeklagte in seinem Graben unweit vom Tatort graben wollte. Er habe nur eine Tonne eingraben wollen, um Wasser im Boden versickern zu lassen, erläuterte der 69-Jährige. Der Beschuldigte bestritt, dass er nach einem Plan vorgegangen sei. Er habe vielmehr seiner Freundin, die schwer depressiv sei und am Borderline Syndrom leide, helfen wollen und habe deshalb die Idee mit der Verlobung gehabt.

Eine medizinische Sachverständige erläuterte, dass alle vier Verletzungen, die die Ehefrau am Kopf aufwies, in einem "begrenzten Bereich" passiert seien. Der 69-Jährige meinte dazu, dass nur drei Wunden von dem Hammer herrührten. Bei der vierten habe sie sich an einem Pflock gestoßen.

Auch ein Paar, das zufällig mit dem Wagen am Tatort vorbeifuhr, wurde befragt. Plötzlich sei vor ihrem Auto eine Frau auf der Straße gestanden: "Sie war voll Blut. Ich habe so etwas in meinem Leben noch nie gesehen", erzählte die Frau. Auf einmal sei ein Mann dazugekommen "mit einem Schlegel in der Hand". Als "ziemlich ruhig" beschrieb hingegen eine Frau aus der Nachbarin den 69-Jährigen. Aggressiv sei er nach dem Vorfall "auf keinen Fall" gewesen.

Ein Ermittler des Landeskriminalamts berichtete, der Pensionist habe bei seiner Einvernahme immer wieder erwähnt, dass er im Affekt gehandelt hätte. Die Freundin aus Deutschland - ihre Aussage wurde verlesen - schilderte, dass der 69-Jährige versucht habe, sie zu einer Ehe zu drängen. Einmal habe der Angeklagte auch in einem Brief Überlegungen angestellt, wie er sich von seiner Frau trennen könne. Dabei habe er "Erschlagen und vergraben" als die "kostengünstigste" Version bezeichnet.

Mitte Jänner dieses Jahres hätten sie sich darauf geeinigt, dass sie im März zu ihm ins Burgenland ziehen sollte. Auch einen Kosmetiker-Termin in Österreich habe sie bereits für März vereinbart gehabt.

Die Forderung der Ehefrau, die 2.250 Euro Schmerzensgeld verlangte, akzeptierte der Angeklagte. Nach der Zeugenbefragung wurde der Prozess am Nachmittag vertagt. Er soll am Donnerstag mit der Vorführung eines Videos von der Tatortrekonstruktion fortgesetzt werden. Danach wird die Aussage der Ehefrau des Angeklagten verlesen, schließlich kommt noch ein Zeuge zu Wort. Ein Urteil könnte, falls keine weiteren Beweismittel beantragt werden, am Donnerstag fallen.

(Quelle: S24)

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