Jetzt Live
Startseite Welt
Welt

Sie essen Hunde, Katzen und Blätter: Hungerdrama in syrischer Stadt Madaya

Das ganze Ausmaß der Hungerkatastrophe lässt sich nur erahnen. Bilder von Aktivsten aus der seit Monaten belagerten syrischen Stadt Madaya zeigen Tote mit Körpern, die bis auf die Knochen ausgemergelt sind. Die lokale Gesundheitsbehörde hat auf Facebook ein Video verbreitet, in dem ein kleines Mädchen strampelt, bis auf die Haut abgemagert.

20.000 Menschen seien vom Hungertod bedroht, erzählt der Aktivist Masen Burhan vom humanitären Komitee Madayas. Ein halbes Kilo Reis oder Weizen könne 200 Dollar kosten. Das Komitee versuche, die wenigen Lebensmittel, die es erhalte, gerecht zu verteilen.

Madaya liegt nordwestlich von Damaskus und wird seit rund einem halben Jahr von Truppen des Regimes und der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah belagert. Rund 40.000 Menschen sind dort nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrecht eingeschlossen.

Hungernde Kinder in Madaya/ASSOCIATED PRESS Salzburg24
Hungernde Kinder in Madaya/ASSOCIATED PRESS

Seit Dezember 23 Menschen verhungert

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (Médecins Sans Frontières/MSF) erklärte, sie sei "extrem alarmiert". Seit Anfang Dezember seien 23 Menschen verhungert, unter ihnen sechs Säuglinge. Madaya sei ein "Gefängnis unter freiem Himmel" für schätzungsweise 20.000 Menschen, die seit Monaten wenig Nahrung bekommen hätten. "Es gibt keinen Weg hinein oder hinaus, so dass die Menschen dem Tod überlassen sind", heißt es in einer Stellungnahme.

Wie andere Aktivisten berichtet auch Burhan, dass Einwohner nun Hunde und Katzen schlachteten, um das Fleisch der Tiere zu essen. Um ihren Hunger irgendwie zu stillen, sollen sie schon Gras gegessen haben. "Den Geschmack von Brot haben die Menschen vergessen", sagt Masen Burhan. Auch Milch für Kinder wie die kleine Amal fehle, heißt es.

Hilfe soll am Sonntag kommen/APA/AFP/ICRC Salzburg24
Hilfe soll am Sonntag kommen/APA/AFP/ICRC

Regime und Hisbollah beherrschen die Region

Madaya wird zum Verhängnis, dass die Stadt an einem strategisch wichtigen Ort liegt. Das Regime und die Hisbollah beherrschen den größten Teil des Gebiets an der Grenze zum Nachbarland Libanon. Die vom Iran unterstützte Miliz will die gesamte Region unter Kontrolle bringen, um eine Pufferzone gegen die Rebellen zu haben. Schon im vergangenen Jahr bombardierten Armee und Verbündete die nahe gelegene Stadt Sabadani über Wochen ohne jede Rücksicht auf Zivilisten. Seit langem sind in dem Bürgerkrieg alle Hemmschwellen gefallen.

Hilfe für Madaya

Zumindest zeichnete sich am Freitag Hilfe für die Menschen in Madaya ab: Ein Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) sagte, die Hilfsorganisationen hätten die Erlaubnis für Lieferungen nach Madaya bekommen. Diese könnten wegen der Größe der Konvois erst am Sonntag erfolgen. Zudem sei Hilfe für die von Rebellen belagerten Orte Fua und Kefraya im Nordwesten Syriens gestattet worden.

(APA)

Aufgerufen am 11.12.2018 um 08:44 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/sie-essen-hunde-katzen-und-blaetter-hungerdrama-in-syrischer-stadt-madaya-50094616

Kommentare

Mehr zum Thema