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Sri Lanka

Tote und Verletzte bei Explosionen in Kirchen

Bei einer verheerenden Anschlagsserie auf christliche Kirchen und Hotels sind am Ostersonntag in Sri Lanka mindestens 191 Menschen ums Leben gekommen - darunter laut Polizei auch 35 Ausländer. Nach offiziellen Angaben gab es bei den koordinierten Explosionen außerdem mehr als 500 Verletzte.

Insgesamt wurden mindestens acht Detonationen gemeldet - darunter drei in Kirchen und drei weitere in Luxushotels. Regierungschef Ranil Wickremesinghe sprach von "feigen Angriffen". Die Regierung unternehme alles, um die Lage in den Griff zu bekommen. Präsident Maithripala Sirisena rief ebenfalls zur Ruhe auf. Die Regierung berief eine Krisensitzung ein.

Vize-Verteidigungsminister spricht von "terroristischem Vorfall"

Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene sprach von einem "terroristischen Vorfall" und machte "extremistische Gruppen" für die Bluttaten verantwortlich. Die Verantwortlichen seien identifiziert. Er verhängte eine zwölfstündige, landesweite Ausgangssperre bis zum frühen Morgen (Ortszeit). Die Regierung sperrte am Sonntag zudem vorübergehend den Zugang zu sozialen Medien. Am Montag und Dienstag bleiben alle Schulen im Land geschlossen.

Sri Lanka  Explosionen in Kirchen und Hotels =.jpg APA
Die Explosionen ereigneten sich in Krichen und Hotels.

Keine Hinweise auf betroffene Österreicher

Unter den Todesopfern waren nach Krankenhausangaben US-Bürger, Briten und Niederländer. Die portugiesische Nachrichtenagentur Lusa meldete ein portugiesisches Opfer. Bisher gibt es keine Hinweise auf betroffene Österreicher. Die Lage sei aber weiter unübersichtlich, hieß es am Sonntag aus dem Außenministerium auf Anfrage der APA. Die zuständige Botschaft in Indiens Hauptstadt Neu Delhi sei mit den Behörden in Sri Lanka in Kontakt.

Polizei warnte vor radikalislamischer Gruppe

Die Hintergründe der Explosionen waren zunächst unklar. In einem Schreiben vom 11. April an führende Sicherheitsvertreter hatte die Polizei vor Plänen der radikalislamischen Gruppe NTJ gewarnt, Selbstmordanschläge auf Kirchen sowie auf die indische Botschaft in Colombo zu verüben. Sie berief sich dabei auf Informationen eines "ausländischen Geheimdiensts". Die NTJ soll hinter der Beschädigung buddhistischer Statuen in Sri Lanka im vergangenen Jahr stehen. Von Angriffen ausländischer Islamisten blieb das Land bisher verschont.

Ostermessen während Anschlägen in Kirchen

Bei den Kirchen handelte es sich um die St.-Antonius-Kirche in der Hauptstadt Colombo, die St.-Sebastians-Kirche im rund 30 Kilometer von der Hauptstadt entfernten Negombo sowie die Zionskirche in Batticaloa, rund 250 Kilometer östlich von Colombo. In den Gotteshäusern fanden gerade Ostermessen statt. Dort gab es die meisten Opfer. Allein in der Kirche in Negombo starben nach offiziellen Angaben mehr als 100 Menschen.

Sri Lanka: Explosionen in Luxushotels

Außerdem gab es Explosionen in den Luxushotels Shangri-La, Cinnamon Grand und Kingsbury in der Hauptstadt Colombo. Dort sollen auch Ausländer verletzt worden sein. Später wurde eine siebente Explosion in einem kleinen Hotel in einem Vorort von Colombo mit zwei Toten gemeldet. Eine achte Explosion ereignete sich am Nachmittag (Ortszeit) in einer Wohngegend in Dematagoda, einem anderen Vorort Colombos. Dort riss ein Selbstmordattentäter nach Polizeiangaben drei Polizisten mit in den Tod. Die Explosionen in den Kirchen und Luxushotels fanden fast zeitgleich statt. Die erste wurde aus der Kirche in Colombo gemeldet, die übrigen alle innerhalb von nur 30 Minuten.

Zunächst bekannte sich niemand zu den Angriffen. Staatspräsident Maithripala Sirisena sagte, die Streitkräfte und die Polizei würden der "Verschwörung" auf den Grund gehen. Die Oberbefehlshaber der Streitkräfte hielten mit mehreren Ministern eine Krisensitzung ab.

Minister Harsha de Silva schrieb auf Twitter, in einer Kirche in Colombo habe es "schreckliche Szenen" gegeben. Diese sei mit Körperteilen übersät gewesen. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Retter Verletzte aus einer verwüsteten Kirche trugen.

Weltweites Entsetzen nach Anschlagsserie

Die Angriffsserie stieß weltweit auf Entsetzen. US-Präsident Donald Trump sprach den Menschen des Inselstaats sein Mitgefühl aus. Er bot in einer Nachricht auf Twitter zugleich die Unterstützung der USA an. "Wir stehen bereit, um zu helfen", schrieb der US-Präsident am Sonntag. Er sprach von "schrecklichen Terrorattacken".

Juncker drückt Angehörigen Mitgefühl aus

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sprach den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus und bot Hilfe an. Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kondolierte dem Präsidenten Sri Lankas. Der russische Präsident Wladimir Putin sprach von einem "grausamen und zynischen Verbrechen". Israels Staatspräsident Reuven Rivlin äußerte sich ähnlich.

(APA)

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 17.11.2019 um 02:42 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/sri-lanka-tote-und-verletzte-bei-explosionen-in-kirchen-69110131

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