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"steirischer herbst" will mit Überzeugungen erschüttern

"Der neue steirische herbst nennt sich Volksfronten und handelt von politischen Widersprüchen und Gegensätzen unserer Zeit", erklärte Intendantin Ekaterina Degot bei der Eröffnung des Festivals am Donnerstag am Europaplatz in Graz. Das "Bread & Puppet Theater" gestaltete einen Zug vom Bahnhof in die Stadt, und am Fuße des Schlossbergs folgte die Installation "Putsch" von Roman Osminkin.

Kunst sollte "unsere Überzeugungen erschüttern und eine andere Sicht auf die Dinge unterbreiten. Sie sollte zerstörend Neues schaffen. Manchmal, wenn wir Glück haben, geht sie dabei so weit, dass unser Leben hinterher nicht mehr dasselbe ist", betonte Degot in ihrer Eröffnungsrede. Denn genau hier würde der "neue steirische herbst" ansetzen, der sich "Volksfronten" nennt. Die Widersprüche und Gegensätze unserer Zeit seien gesellschaftlicher Art und hätten mit Ungleichheit und vorenthaltenen Lebenschancen zu tun. "Sie brüten und nähren die Würmer des Faschismus. Unterdessen geraten wir auf eine falsche Fährte. Man erzählt uns, dass es in diesen Gegensätzen und Kämpfen um Kulturen, Religionen oder Rassen gehe, dass sie den geschniegelten und gebügelten, überkommenen Identitäten unserer Vorfahren und ihrer angeblichen Unvereinbarkeit mit den geringfügig anders geschneiderten Identitäten gewisser anderer entspringen. Das ist nicht wahr, und es hindert uns, gemeinsame Sache zu machen", sagte die Intendantin

Dieser Verhinderung wollen wir mit dem Begriff Volksfronten unter Einbeziehung des darin mitschwingenden Unbehagens entgegentreten. Eigentlich ist die Sache ganz einfach. Nicht einfach sind die reichhaltigen, komplexen, vielschichtigen künstlerischen Gesten, die daran anknüpfen - die Projekte, Performances, Installationen und philosophischen Debatten", meinte Degot abschließend.

Die Gruppe "Bread & Puppet Theater" gestaltete dann einen Zug durch die Stadt, der vom Europaplatz durch die Keplerstraße bis zum Mariahilferplatz führte. Musik und die großen Stabpuppen sorgten für Aufsehen und lockten an dem warmen Spätsommertag zahlreiche Besucher an. Vor Antritt des Marsches gab es eine Performance, von der man nur leider sehr wenig verstand und noch weniger sah, wenn man nicht in vorderster Reihe stand. Ein riesiges Ohr trug die Aufschrift "geschlossen", und in weiterer Folge ging es um das Thema Flüchtlinge. Genau vor einem Caritas-Gebäude wurde Halt gemacht. Es wurden Lesungen über Einzelschicksale gehalten, dann verschwanden die Texte im "Schlund der Hölle". Ausgespuckt wurde nach Verdauung die "verrottete Idee des Tages", die am Ende zu Grabe getragen wurde.

Weiter ging es am Fuße des Schlossbergs, wo der Dichter und Performer Roman Osminkin "Putsch" zeigte. Er bezog den Aufführungsort - die Schlossbergstiege - mit ein, die während des Ersten Weltkriegs unter anderem von russischen Kriegsgefangenen gebaut wurde. Zu sehen waren auf der Stiege nur große Buchstaben, der Text kam über Lautsprecher. Es begann mit dem Wort "Revolution" und endete mit "Es ist Zeit". Die Wortspielereien wurden ergänzt von Liedern, die Darsteller mitten unten den Zuschauen flüsterten, sangen oder über Megafon ertönen ließen.

Den Abschluss der Eröffnung bildete "Laibach's Sound of Music". Für diese Aufführung ging es nun auf den Schlossberg hinauf, wo in den Kasematten gespielt wurde.

(APA)

Aufgerufen am 15.12.2018 um 10:54 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/steirischer-herbst-will-mit-ueberzeugungen-erschuettern-60237805

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