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Stiller Schrecken im Wiener Gemeindebau

Blumen, Kerzen und Plüschtiere haben die Bewohner im Innenhof des "Dittes-Hofs" in der Heiligenstädter Straße aufgestellt, nachdem dort Samstagfrüh ein totes Kind in einem Müllcontainer gefunden worden ist. Es ist ein stiller Schrecken, der im Döblinger Gemeindebau herrscht. Wortlos kommt eine Frau zu der Stelle unweit des kleinen Spielplatzes und zündet eine weitere Kerze an.

Auf diesem Spielplatz, der auf ein paar wenigen Quadratmetern eine Wippe und eine Schaukel bietet, wurde die siebenjährige Volksschülerin am Freitag am Nachmittag zuletzt lebend gesehen. Einen Tag später wurde ihre Leiche nur ein paar Meter weiter, beim Eingang an der Heiligenstädter Straße, in einem der großen, schwarzen Container von der Polizei gefunden.

Familie fühlt sich nicht mehr sicher

Auch ein junger Mann steht am heutigen Muttertag nahe an der von den Gemeindebaubewohnern spontan hergerichteten Gedenkstelle. Er ist ein Cousin des Mädchens und ebenso wie sie tschetschenischer Herkunft. "Die Nachbarn haben oft geschimpft, wenn das Mädchen mit ihren Geschwistern und Freundinnen im Innenhof gespielt hat", sagt er. Auch gestört habe manche, dass es sich bei der Familie um Muslime handle. Diese fühle sich nicht mehr sicher im Gemeindebau und werde wohl ausziehen, erzählt der junge, bleiche, mit einem Trainingsanzug bekleidete Mann mit dem dünnen Bart.

Cousin: "Der wusste, was er macht"

Er habe vergangene Nacht kein Auge zugemacht, und eines weiß er sicher: "Der Täter ist von hier. Der wusste, was er macht", sagt er. Mit "von hier" meint er, dass er einen der Bewohner des Ende der 1920er-Jahre erbauten, dunkelgelben Gemeindebaus verdächtigt. Dass sei so, weil der Täter wusste, dass der Müll am Samstag entleert wird, meint er - und wegen der Anfeindungen.

Leichenfund schockt Österreich

Ein anderer Bewohner ist durch die Tat vorsichtig geworden. "Leute, die man nicht kennt, machen jetzt misstrauisch", sagt er - und da würde man jetzt eher gleich die Polizei rufen. Ein solcher Unbekannter hat sich am Sonntag in den Gemeindebau begeben. Der junge Mann sagt, er habe von dem Mordfall im Internet gelesen und wäre nun hier, weil er das schrecklich fände. Ansonsten weiß er von allerlei Gerüchten zu berichten, die er in diversen Social-Media-Plattformen aufgeschnappt hat.

Gedenken an ermordete Siebenjährige

Die meisten Leute wollen angesichts der schrecklichen Tat aber nicht reden, gedenken stattdessen des kleinen Mädchens, entzünden im Stillen eine weitere Kerze und platzieren sie bei den vielen anderen. Manche stellen sich kurz für ein paar Worte zusammen und gehen dann wieder. "Die Leute sind geschockt, natürlich besonders, wenn sie selber kleine Kinder haben" sagt ein Mann, der gerade mit seiner Familie zu einem Sonntagsspaziergang aufbricht. Und nach dem Schock ist die Welt in dem Gemeindebau vorerst nicht mehr die selbe.

(APA)

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 23.07.2019 um 01:11 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/stiller-schrecken-im-wiener-gemeindebau-58325395

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