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Stilles Töten: Der US-Drohnenkrieg und seine namenlosen Opfer

Weitgehend unbeachtet von der internationalen Öffentlichkeit führen die USA seit Jahren einen Drohnenkrieg in zahlreichen Ländern. Terrorverdächtige würden dabei ohne Anklage und Gerichtsverfahren getötet, regelmäßig kämen auch Zivilisten zu Tode. Der österreichische Journalist und Blogger Emran Feroz hat nun ein Buch veröffentlicht, um auf das Thema aufmerksam zu machen.

Für viele Menschen in Afghanistan, Pakistan, Somalia und im Jemen gehören die "Todesengel" genannten unbemannten Kleinflugzeuge zum Alltag. Feroz hat lange und akribisch recherchiert und in seinem Buch das zusammengetragen, was zu dem Drohnenkrieg bekannt ist. Das ist nicht sehr viel.

US-Drohnenkrieg in sieben Ländern

Die einzelnen Drohnenangriffe, bei denen jeweils kleine Gruppen von Menschen getötet werden, schaffen es selten in die internationalen Schlagzeilen. Die US-Regierung veröffentlicht keine Zahlen über ihren seit 2001 laufenden Drohnenkrieg. Durchgeführt werden die Operationen derzeit laut dem Buch in mindestens sieben Staaten: Afghanistan, Pakistan, Irak, Syrien, Somalia, Jemen und Libyen. Während die USA im Irak, in Syrien und in Afghanistan auch offiziell Krieg führen, finden die Tötungsmissionen in den anderen Ländern als "Schattenkrieg" statt.

Das Bureau of Investigative Journalism (BIJ) in London hat insgesamt zwischen 6.800 und 9.900 Tote durch Drohnenangriffe gezählt, darunter rund 1.500 Zivilisten. Feroz geht davon aus, dass die tatsächliche Opferzahl viel höher ist. Denn Drohnenangriffe passieren oft in abgelegenen Gegenden, wo kaum Journalisten und Menschenrechtsaktivisten zugegen sind. Oft könnten die Opfer auch schlicht nicht identifiziert werden.

Feroz sprach mit Zeugen und Angehörigen

Der in Innsbruck geborene Sohn afghanischer Einwanderer, die vor den sowjetischen Truppen nach Österreich flohen, ist immer wieder nach Afghanistan gereist und hat dort auch in abgelegenen, gefährlichen Regionen mit Zeugen und Angehörigen der Opfer gesprochen. In vielen Fällen hat zuvor noch niemand - weder eine offizielle Stelle noch Journalisten - mit ihnen Kontakt aufgenommen.

Feroz legt in seinem Buch dar, wie Drohnen funktionieren und wie die gezielten, aber oft wenig treffsicheren Tötungen ablaufen. Angehörige des US-Militärs steuern die mit Raketen bestückten Drohnen per Joystick von einem Hinterzimmer in Las Vegas oder einem anderen US-Stützpunkt tausende Kilometer von den Kriegsschauplätzen entfernt aus. Viele der Drohnenpiloten sind laut Feroz Zivilisten. Veröffentlichte Aufzeichnungen der Gespräche von Piloten bei einer Operation zeigen, dass sie über die Kameras, die an den Drohnen angebracht sind, kaum erkennen können, wen sie da genau ins Visier nehmen.

Da die Drohnenopfer im Gegensatz zu Kriegs- und Terroropfern meist namenlos und gesichtslos bleiben, wie Feroz beklagt, hat der Journalist bereits 2013 mit dem "Drone Memorial" eine virtuelle Gedenkstätte für zivile Drohnenopfer gegründet. Mit seinem Buch hat der Journalist einen weiteren wichtigen Beitrag geleistet, um die öffentliche Wahrnehmung und Auseinandersetzung über den Drohnenkrieg zu fördern.

Kritik wirkt undifferenziert

Besondere Aufmerksamkeit widmet Feroz dabei der Heimat seiner Eltern, Afghanistan, und es wird deutlich, dass er dabei nicht frei von Emotionen ist. Mitunter scheint daher leider die nötige sachliche Nüchternheit zu fehlen. Die berechtigte Kritik an den USA wirkt dann mitunter undifferenziert und wird zu einer polemischen Anklage gegen den "Westen" als Wurzel allen Übels.

(APA)

(Quelle: S24)

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