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Strache wird fünfter blauer und 21. Vizekanzler seit 1945

Strache wird der fünfte blaue Vizekanzler. APA/Georg Hochmuth
Strache wird der fünfte blaue Vizekanzler.

Die FPÖ geht zwar erst ihre vierte Koalition ein, aber Heinz-Christian Strache wird der fünfte Vizekanzler aus den Reihen der FPÖ - und insgesamt der 21. der Zweiten Republik. Der scheidende Wolfgang Brandstetter, der im Mai beim Wechsel für den neuen ÖVP-Chef Sebastian Kurz eingesprungen war, bleibt (bis 18. Dezember) nur 212 Tage, das ist die kürzeste Amtszeit seit 1945.

Straches Vorgänger in den eigenen Reihen waren zunächst Norbert Steger in der rot-blauen Koalition von 1983 bis 1986. Während der zwei Perioden Schwarz-Blau von 2000 bis 2006 brauchten die Freiheitlichen mit ihren schweren internen Konflikten drei Vizekanzler: Susanne Riess-Passer hielt sich von 2000 bis Anfang 2003, Herbert Haupt nur von Ende Februar bis Ende Oktober 2003 und Hubert Gorbach dann bis zum Ende. Er wurde orange, musste also bei der Spaltung nicht ausgewechselt werden.

Haupt war nur 235 Tage im Amt

Haupt war übrigens bisher der kürzestdienende Vizekanzler mit 235 Tagen im Amt. Brandstetter unterbietet ihn allerdings knapp. Und war auch der Ausnahmefall, dass er nicht gleichzeitig auch Parteichef war. Er sprang als Justizminister für den neue ÖVP-Chef Kurz ein, weil der Außenminister diesen Job in der von ihm wenig geschätzten Koalition mit der SPÖ nicht übernehmen wollte.

Der Verschleiß der ÖVP an Parteichefs und damit Vizekanzlern war in den vergangenen Jahrzehnten ziemlich hoch - und so gab es auch deutlich mehr Vizekanzler (21) als Kanzler (14 inkl. provisorischer Regierung). Allein seit 2007 waren es fünf: Wilhelm Molterer, Josef Pröll, Michael Spindelegger und Reinhold Mitterlehner waren auch Vizekanzler, Brandstetter übte die Fuktion anstelle von Kurz aus.

SPÖ-Vizekanzler hielten sich am längsten

Sehr lang hielten sich hingegen die SPÖ-Vizekanzler in den ersten Jahrzehnten der Zweiten Republik: Adolf Schärf übte die Funktion mit fast elfeinhalb Jahre am längsten aus - und diente neben zwei ÖVP-Kanzlern, Leopold Figl und Julius Raab, ehe er im Mai 1957 Bundespräsident wurde. Sein Nachfolger Bruno Pittermann (SPÖ) blieb fast neun Jahre Vizekanzler. Auf Platz 3 steht bisher Rudolf Häuser (SPÖ) mit 6,5 Jahren. Seit seiner Ablöse 1976 blieb kein einziger Vizekanzler mehr als fünf Jahre auf seinem Posten.

Der zuletzt längst dienende war Wolfgang Schüssel (ÖVP), an dessen knapp fünf Jahre als Vizekanzler sich noch fast sieben Jahre als Kanzler anschlossen.

Der Vizekanzler ist laut Verfassung zur Vertretung des Bundeskanzlers in dessen gesamtem Wirkungsbereich berufen. Er kann, muss aber nicht ein eigenes Ressort haben. In der ersten großen Periode der Großen Koalitionen - von 1945 bis 1966 - war es nicht üblich, dass der Vizekanzler auch ein Ministerium führte. Dies änderte sich mit der ÖVP-Alleinregierung und blieb dann sowohl in den SPÖ-Alleinregierungen als auch in den danach folgenden Großen und Kleinen Koalitionen der Fall.

(APA)

(Quelle: S24)

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