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Stromlieferanten verdienten bei Haushalten viel

Anbieter verdienen an Privatkunden am besten Salzburg24
Anbieter verdienen an Privatkunden am besten

Die Stromlieferanten verdienten von 2008 bis 2012 bei den Haushalten sehr viel. Die durchschnittliche Marge betrug jährlich etwa sieben Prozent. Demgegenüber ist der Gewinn bei der Industrie sehr gering, so das Ergebnis einer Untersuchung der Regulierungsbehörde E-Control. Aktuell gebe es die höchsten Ersparnisse beim Stromanbieterwechsel seit der Liberalisierung 2001/2002.

Stromlieferanten, die einen wesentlichen Teil ihres Stroms am Markt zukaufen müssen, erwirtschafteten von 2008 bis 2012 bei den Haushaltskunden Margen von insgesamt etwa 330 Mio. Euro. 2011 und 2012 waren die Margen überdurchschnittlich hoch - sie betrugen durchschnittlich 12 Prozent. Angesichts des niedrigen Risikos in diesem Markt wird zum Beispiel in Großbritannien eine Marge von fünf Prozent als angemessen betrachtet", sagt E-Control-Vorstand Martin Graf am Montag in einer Aussendung.

Im Gegensatz zu den Haushaltskunden seien die gesunkenen Einkaufspreise an der Strombörse an die Industrie zum Großteil voll weitergegeben worden, die Marge sei von 2008 bis 2012 kaum wahrnehmbar gewesen. "Die Gruppe der größeren Industrie mit einem Jahresverbrauch von mehr als 100.000 Kilowattstunden ist stark umkämpft. Da gehen viele preislich an die Schmerzgrenze. Und was man bei der Industrie nicht verdient, holen sich einzelne dann bei den Haushalten", erläuterte Graf.

Ein Grund für die hohen Preise bei den Haushalten sei die niedrige Wechselrate der Haushalte, die von 2008 bis 2012 bei jährlich 1,4 Prozent lag. Ein Anbieterwechsel spare einem Durchschnittshaushalt je nach Bundesland mindestens 85 Euro pro Jahr, die höchste Ersparnis liege bei knapp 200 Euro (ohne Neukundenrabatt 70 bzw. 180 Euro). Zukünftig stellt sich die Frage, ob die Entwicklung der aktuell niedrigen Großhandelspreise auch bei den Kunden ankommt oder ob die E-Wirtschaft weiter die Margen im Segment der Haushalte noch in die Höhe treibt, so Graf am Montag zur APA. Kunden sollten daher einmal pro Jahr den Tarifkalkulator benutzen und könnten so mit nur zehn Minuten Arbeit viel Geld sparen.

Die E-Control werde die Margenentwicklung weiterhin genau auf kartellrechtliche Konformität beobachten und den Strommarkt voraussichtlich 2016 erneut für den Zeitraum von 2013 bis 2015 untersuchen. Denn 2013 und im heurigen Jahr sollten laut der Regulierungsbehörde durch weiter gefallene Börsenstrompreise die Kosten der Lieferanten weiter gesunken sein. Es sollen in den zwei Jahren weitere rund 270 Mio. Euro an Margen angefallen sein und dies würde Margen von bis zu 30 Prozent bei einzelnen Unternehmen ergeben. Dazu Graf: "Die Stromversorger sollen natürlich etwas verdienen, schließlich sind sie keine karitativen Organisationen. Aber diese Margen sollten angemessen sein. Immerhin sind die meisten Stromlieferanten in ihrem jeweiligen Netzgebiet Marktbeherrscher mit Marktanteilen von um die 90 Prozent."

Die heimische E-Wirtschaft interpretierte die Untersuchung am Montag in einer Aussendung anders als die E-Control und sah damit die schwierige Lager der Unternehmen bestätigt. Der Strommarkt in Österreich sei wettbewerbsintensiv und funktioniere, so Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie. Die E-Wirtschaft erwarte keine wettbewerbsrechtlich Verfahren wegen der Marktuntersuchung und sehe auch der für 2016 angekündigten Untersuchung mit Zuversicht entgegen.

(Quelle: S24)

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