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Tausende Verletzte

Suche nach Ursache der Explosion in Beirut

Verbindung zu Ammoniumnitrat-Lager im Hafen?

Nach der verheerenden Explosion in Beirut mit mehr als 130 Toten und Tausenden Verletzten geht die Suche nach der Ursache der Detonation weiter. Eine Untersuchungskommission der Regierung soll dem Kabinett innerhalb von fünf Tagen einen ersten Bericht vorlegen.

Die Ursache der Detonation ist noch unklar. Sie steht möglicherweise in Verbindung mit großen Mengen Ammoniumnitrat, die jahrelang im Hafen ohne Sicherheitsvorkehrungen gelagert worden sein sollen. Kritiker prangern Fahrlässigkeit an und sehen auch ein Versagen der politischen Führung des Landes. Die Chemikalie wird vor allem als Düngemittel verwendet. Sie führte schon mehrmals zu tödlichen Explosionen und wurde auch bei Anschlägen eingesetzt.

Menschen nach Detonation weiter vermisst

Die Katastrophe löste eine Welle der Hilfsbereitschaft aus - so schickten mehrere Länder Rettungsmannschaften mit Spürhunden und Experten für die Bergung von Verschütteten. Am Mittwochabend traf eine Maschine mit Hilfsgütern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) ein. Dem Land fehlen unter anderem medizinische Güter. Noch immer werden nach Angaben des libanesischen Roten Kreuzes rund 100 Menschen vermisst.

Rettungshelfer suchen weiter nach Überlebenden. Soldaten der Armee, Mitarbeiter des Roten Kreuzes und Freiwillige waren am Ort des Katastrophe im Einsatz. Mitarbeiter des Zivilschutzes kontrollierten zudem Gebäude, die einsturzgefährdet sein könnten. Angehörige von Überlebenden hofften auf Lebenszeichen von Vermissten. "Ich warte hier, ich bewege mich nicht weg", rief eine Frau in der Nähe des abgesperrten Hafens. "Mein Bruder arbeitete im Hafen und ich habe von ihm nichts gehört, seitdem es die Explosion gab."

Verschärfung der Wirtschaftskrise befürchtet

Die heftige Detonation am Dienstag zerstörte große Teile des Hafens, der für die Versorgung des Landes zentral ist, und Teile der umliegenden Gebiete. Beobachter warnen, die Versorgungskrise in dem Land am Mittelmeer könnte sich weiter verschärfen, da es stark von Importen abhängig ist. Die Detonation zerstörte auch Getreidesilos im Hafen. Auch die umliegenden Wohngebiete wurden stark beschädigt.

Der Libanon leidet seit Monaten ohnehin schon an einer schweren Wirtschaftskrise, die große Teile der Bevölkerung in die Armut getrieben hat. Präsident Michel Aoun bat deshalb die internationale Gemeinschaft um schnelle Hilfe für sein Land.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron wird zu einem Treffen mit führenden Politikern des Landes in Beirut erwartet. Macron, der bisher in Südfrankreich Ferien macht, hatte bereits unmittelbar nach der Katastrophe im Hafen von Beirut Unterstützung zugesagt. In Frankreich, das als frühere Mandatsmacht immer noch eng mit dem Libanon verbunden ist, löste die Katastrophe Trauer und Entsetzen aus. Macron will nun nach eigenen Angaben eine "Botschaft der Brüderlichkeit und der Solidarität der Franzosen" überbringen.

US-Präsident Donald Trump relativierte seine ersten Äußerungen, es habe sich mutmaßlich um einen Anschlag gehandelt, und schloss am Mittwoch einen Unfall nicht aus. Er meinte im Weißen Haus, es könne sich um einen "Unfall" oder um einen "Angriff" gehandelt haben. Zum jetzigen Zeitpunkt wisse dies "niemand". Am Vortag hatte der US-Präsident mit der Aussage für Wirbel gesorgt, bei den Explosionen habe es sich mutmaßlich um einen Anschlag mit einer "Art von Bombe" gehandelt. Dies hätten ihm seine Generäle nahegelegt.

(Quelle: Apa/Ag.)

Keine Österreicher in Beirut verletzt

Beirut, Libanon APA/AFP
Die Bilder am Tag nach der Explosion zeigen das verheerenden Ausmaß.

Bei der verheerenden Explosion am Dienstagabend in Beirut im Libanon sind laut aktuellen Informationen keine Österreicher betroffen. Auch die im Rahmen einer UNO-Mission rund 180 österreichischen Soldaten seien „wohlauf und unverletzt“, wie das Bundesheer bestätigte.

Die österreichische Botschaft in Beirut wurde "durch die Druckwelle, die der Explosion gefolgt ist, etwas beschädigt", erläuterte der Sprecher des Außenministeriums in Wien, Peter Guschelbauer, auf APA-Nachfrage. Dort würden nun Aufräumarbeiten laufen. Eine lokale Angestellte sei leicht verletzt.

300 Auslandsösterreicher im Libanon

Er betonte, ebenso wie die diplomatische Einrichtung auf ihrer Facebook-Seite, dass die Botschaft weiterhin erreichbar ist. Die Botschaft sei rund um die Uhr über eine Notfall-Telefonnummer erreichbar, hieß es auf Facebook: "Bitte kontaktieren Sie, falls Sie Angehörige suchen oder Ihnen bekannt geworden ist, dass österreichische Staatsbürger durch diese Katastrophe in Beirut verletzt sind oder Hilfe benötigen, die Botschaft telefonisch unter folgenden Nummern: +961 1 213 052 oder +961 1 213 017."

Laut Außenministerium leben etwa 300 Auslandsösterreicher im Libanon.

Bundesheer-Camp rund zwei Stunden entfernt

Rund 180 österreichische Soldaten sind im Rahmen einer UNO-Mission dort stationiert. Sie seien alle "wohlauf und unverletzt" und waren in keiner Form in die verheerenden Explosionen in Beirut involviert, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Michael Bauer, am Mittwoch auf APA-Anfrage. Das Camp des Bundesheeres liege rund zwei Fahrtstunden entfernt von Beirut in Naqoura.

Hilfe bei den Notfallmaßnahmen nach den Explosionen könne das Bundesheer im Libanon von seiner Seite nicht anbieten, erläuterte Bauer. Dieses Angebot müsste von der UNO kommen. "Die Gedanken der UNIFIL-Truppe sind bei den Betroffenen", schrieb Bauer auf Twitter.

Österreichischer Heer seit 2011 Teil der UNO-Mission

Das Bundesheer beteiligt sich seit dem November 2011 an der UNIFIL-Mission der Vereinten Nationen im Libanon. An diesem "United Nations Interim Forces in Lebanon"-Einsatz nehmen rund 11.800 Soldaten und 1.000 Zivilangestellte der UNO aus 40 Nationen teil. Ihr Hauptquartier haben die Friedenstruppen im Camp Naqoura im Südwesten des Landes.

Die rund 180 österreichischen Soldaten helfen laut Internetseite des Bundesheeres mit mehr als hundert Fahrzeugen (darunter Geländewagen, Sattelschlepper, Busse, Berge- Lösch- und Tankfahrzeuge), "die Lage im Libanon zu beruhigen und die Sicherheit für die Bevölkerung zu gewährleisten". Die Kraftfahrer, Mechaniker, Sanitäter, Logistiker und Feuerwehrpersonal transportieren etwa Personal und Ausrüstung, bergen und reparieren beschädigte UNIFIL-Fahrzeuge, versorgen die UNO-Truppe mit Treibstoff und betreiben die Camp-Feuerwehr im Hauptquartier.

Aufgerufen am 17.04.2021 um 08:54 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/suche-nach-ursache-der-detonation-in-beirut-geht-weiter-91144963

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