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Südkorea und Nordkorea legten jüngste Spannungen bei

Nach den erfolgreichen Verhandlungen zwischen Nord- und Südkorea zu einer Entschärfung der aktuellen Krise hat Seoul die Propagandabeschallung des Nachbarstaates eingestellt. Die Lautsprecher wurden am Dienstag gegen Mittag (Ortszeit) abgestellt, nachdem Pjöngjang "Bedauern" über die Explosion von Landminen im Grenzgebiet gezeigt hatte.

Allerdings bleiben die südkoreanischen Truppen vorerst in Alarmbereitschaft. "Unsere Seite hat die Lautsprecherdurchsagen eingestellt, aber wir bleiben in Alarmbereitschaft, während wir die Bewegungen der nordkoreanischen Truppen beobachten", sagte ein Sprecher des südkoreanischen Verteidigungsministeriums in Seoul. Es werde dauern, diese zurückzuziehen.

Bei der Explosion einer Landmine in der Grenzregion waren in der vergangenen Woche zwei Mitglieder einer südkoreanischen Patrouille schwer verletzt worden. Südkorea machte Nordkorea für den Vorfall verantwortlich und verlangte eine "klare Entschuldigung". Nordkorea wiederum hatte dem Süden eine Frist bis Samstag vergangener Woche gesetzt, um die Beschallung mit Propaganda einzustellen, die Seoul als Vergeltung nach mehr als zehnjähriger Pause wieder aufgenommen hatte.

In dreitägigen Marathonverhandlungen im Grenzort Panmumjom wendeten beide Seiten schließlich eine militärische Konfrontation ab. Allerdings ist in der Einigung keine vollständige Entschuldigung des Nordens für den Vorfall an der Grenze zu finden, wie der Süden sie gefordert hatte. Auch übernimmt Nordkorea in dem Dokument nicht eindeutig die Verantwortung für die Minenexplosion. Pjöngjang hatte zuvor jegliche Verwicklung zurückgewiesen.

Der südkoreanische Chefunterhändler, Kim Kwan-jin, erklärte jedoch, der Ausdruck des Bedauerns durch Nordkorea sei "sehr bedeutsam". Dieses Eingeständnis zu bekommen, sei der schwierigste Teil in den Verhandlungen gewesen. "Wir mussten ein Wort der Entschuldigung bekommen vom Norden als Hauptakteur", erklärte er.

Sein nordkoreanischer Kollege Hwang Pyong-so äußerte sich im Anschluss allerdings wenig bedauernd und erklärte, die Krise sei nur durch Südkoreas "unbegründete" Reaktion auf "fabrizierte" Vorfälle zurückzuführen. Im nordkoreanischen Staatsfernsehen sagte Hwang zu der Einigung mit Seoul, diese sei nur wegen des "prinzipientreuen Kampfes" des nordkoreanischen Volkes und seiner Armee zustande gekommen.

Beobachter reagierten uneinheitlich auf die Verständigung zwischen Nord und Süd. Einige gaben an, der Süden habe sich mit keiner deutlichen Entschuldigung zufriedengegeben. Seoul habe zudem auf ein Versprechen von Pjöngjang gehofft, wonach künftige Provokationen unterlassen werden, habe sich aber mit einer vagen Formulierung zur Vermeidung "unnatürlicher" Ereignisse abgegeben. Andere Beobachter sprachen hingegen von einer klaren Entschuldigung Pjöngjangs in der Sprache der Diplomatie.

Beide einigten sich auch darauf, bald wieder Regierungsgespräche über die Verbesserung ihrer Beziehungen zu führen und neue Treffen getrennter koreanischer Familien zuzulassen. Der Konflikt zwischen beiden Staaten schwelt seit Jahrzehnten. Seit dem Ende des Koreakriegs (1950-53) kam es immer wieder zu militärischen Zwischenfällen an der Landes- und Seegrenze. Formal befinden sich Südkorea und Nordkorea noch im Kriegszustand, weil nach dem Krieg nur ein Waffenstillstand, aber kein Friedensvertrag geschlossen wurde.

Die USA, Japan und UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon begrüßten die Einigung der beiden verfeindeten koreanischen Staaten. Er hoffe, dass der vereinbarte Dialog beider Länder "als Mechanismus dienen wird, um alle möglichen zukünftigen Probleme auf der Halbinsel im Griff zu behalten", sagte der Südkoreaner Ban. Washington hoffe, dass die Vereinbarung zur Entschärfung der Spannungen beitrage, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, John Kirby. Nordkorea müsse jetzt aber nach der Einigung Taten folgen lassen. Er hoffe, dass Nordkorea von Provokationen Abstand nehme, wurde der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe von der Nachrichtenagentur Kyodo zitiert

(Quelle: S24)

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