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Suizid eines Flüchtlingsbuben: Erste Gefährdungsmeldung im April 2016

Nach dem Suizid eines elfjährigen afghanischen Flüchtlingskindes werden die Hintergründe immer klarer: Demnach hat es in Baden bei Wien nach Informationen der APA bereits im April 2016 die erste Gefährdungsmeldung bezüglich der Familie gegeben, bei der ein 23-jähriger Mann die Obsorge für seine sechs minderjährigen Geschwister hatte. Die wichtigsten Eckpunkte:

27. April 2016: Es gibt die erste Gefährdungsmeldung, weil ein Neunjähriger mit Down-Syndrom mehrfach von der Polizei aufgegriffen und zur Unterkunft der Geschwister gebracht wird. Er ist unbeaufsichtigt herumgestreift. Auch andere Auffälligkeiten werden gemeldet. Bei dem Kind handelt es sich um den jüngeren Bruder des Buben, der eineinhalb Jahre später Selbstmord begeht.

August 2016: Die Bezirkshauptmannschaft organisiert eine Erziehungsberaterin, welche die Geschwister bis Mai 2017 betreut. Für das Kind mit Down-Syndrom wird außerdem ein Hortplatz zur Verfügung gestellt.

Konrad regt Übernahme der Obsorge an

23. September 2016: Der behinderte Bub wird nicht von der Schule abgeholt. Seine Lehrerin bringt ihn nach Hause.

29. September 2016: Der damalige Flüchtlingskoordinator im Auftrag der Bundesregierung, Christian Konrad, richtet ein Schreiben an die Bezirkshauptmannschaft Baden, in dem er anregt, die Obsorge für den Neunjährigen zu übernehmen, weil dessen 23-jähriger Bruder mit dieser Aufgabe überfordert sei.

22. Dezember 2016: Die Diakonie, welche die Geschwister betreut, regt ebenfalls an, dass wegen Gefährdung des Kindeswohls die Obsorge übertragen wird.

27. April 2017: Der Neunjährige wird erneut nicht von der Schule abholt. Derartiges kommt offenbar immer wieder vor.

19. Juni 2017: Der Bub mit Down-Syndrom wird an dem Wochenende zweimal von der Polizei nach Hause gebracht. Er war mit seinem Roller allein in Baden unterwegs.

Keine Gefährdungslage vorhanden

16. August 2017: Die Bezirkshauptmannschaft als Kinder- und Jugendhilfeträger äußert sich zu den Anregungen. Sie sieht bei dem Neunjährigen mit dem Down-Syndrom zwar eine latente Gefährdungslage, die aber durch ein ambulantes Angebot nicht vermieden oder verhindert werden könne. Deshalb gebe es keine Gefährdungslage, die eine Obsorgeübertragung rechtfertigen würde. Bezüglich der anderen Geschwister geht die Behörde davon aus, dass sich die Situation nach den Sommerferien stabilisiert.

3. Oktober 2017: Die Lehrerin des Neunjährigen ruft in der Unterkunft an, dass der behinderte Bub nur selten rechtzeitig vom Hort abgeholt werde.

18. Oktober 2017. Die Polizei bringt den Neunjährigen in die Unterkunft zurück. Er war allein in Baden unterwegs und hat bei einer Frau geläutet, welche die Polizei anruft.

Elfjähriger begeht Suizid

12. November 2017: Bei der Polizei geht eine Meldung ein, dass der elfjährige Bruder des Neunjährigen und des 23 Jahre alten Obsorgeberechtigten Suizid verübt hat. Tags darauf erliegt er seinen Verletzungen im Krankenhaus. Er soll unter anderem Botengänge für seine Geschwister übernommen haben und am Tag vor seinem Tod bei einem Ladendiebstahl erwischt worden sein.

Die Obsorge für seine Geschwister hat laut Informationen der APA nach wie vor der 23-Jährige inne. Die Familie wurde aus der Unterkunft in Baden vorläufig verlegt.

(APA)

(Quelle: S24)

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