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Tausende gedachten in Hongkong des Tian'anmen-Massakers

Kerzenandacht im Victoria Park von Hongkong Salzburg24
Kerzenandacht im Victoria Park von Hongkong

Tausende haben in Hongkong der Opfer der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung am 4. Juni 1989 in Peking gedacht. Während in China jedes öffentliche Gedenken verboten ist, versammelten sich die Demonstranten in der autonom regierten chinesischen Sonderverwaltungsregion am Donnerstagabend (Ortszeit) zu einer Kerzenandacht zum 26. Jahrestag.

Der Victoria Park im Herzen der Hafenmetropole war ein Meer von Kerzen. Es war die erste große Demonstration seit der schweren politischen Krise in der früheren britischen Kronkolonie im Herbst, als prodemokratischen Demonstranten Teile der Hafenmetropole wochenlang besetzt hielten. Ihre Forderung nach echten Wahlen und einer freien Auswahl der Kandidaten für das Amt des Regierungschefs stieß bei Chinas kommunistischer Führung aber auf taube Ohren.

Im Frühjahr 1989 hatten sich auf dem Platz des Himmlischen Friedens (Tian'anmen-Platz) in Peking über Wochen hinweg Demonstranten versammelt und politische Reformen gefordert. In der Nacht zum 4. Juni 1989 rollten Panzer an und Soldaten eröffneten das Feuer. Hunderte Menschen starben.

Zum Jahrestag des Massakers forderten die Familien der Opfer eine gerechte Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels in der jüngeren chinesischen Geschichte. In einem Brief, den die Menschenrechtsgruppe Human Rights in China (HRiC) aus den USA veröffentlichte, forderten die "Mütter von Tian'anmen" eine Liste der Getöteten, Entschädigung für die Familien und die Bestrafung der Verantwortlichen.

"Die Wahrheit über diese Tragödie ist der Welt bis heute vorenthalten worden", schrieben die Familien. "Die Opfer des Massakers, die bis heute keine Gerechtigkeit erfahren haben, können nicht in Frieden ruhen." Obwohl ihre Angehörigen getötet worden seien, bleibe der Ruf der Familien nach Gerechtigkeit ohne Antwort. Stattdessen werde ihre Verfolgung noch verschärft, beklagten sie in dem Brief.

Die "Mütter von Tian'anmen" erinnerten an die Forderung von Regierungschef Li Keqiang gegenüber Japan, sich 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg seiner Kriegsvergangenheit zu stellen. Der Premier hatte gesagt, die Führer eines Landes erbten nicht nur die Erfolge ihrer Vorgänger, sondern auch die Verantwortung für deren Verbrechen. "Müssten nicht nach der gleichen Logik die heutigen Führer Chinas Verantwortung für eine Reihe von Verbrechen ihrer Vorgänger tragen?"

Die Sprecherin des Außenministeriums, Hua Chunyin, wies die Forderung aber zurück und betonte, die Regierung sei längst zu "klaren Schlüssen über die politischen Unruhen in den 80ern gekommen". Die Erfolge der Reform- und Öffnungspolitik in den vergangenen 30 Jahren zeigten, dass Chinas Entwicklungspfad richtig sei.

(Quelle: S24)

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