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"The Favourite" eröffnet 56. New York Filmfestival

"The Favourite" als Eröffnungsfilm in New York APA (AFP)
"The Favourite" als Eröffnungsfilm in New York

Das New York Film Festival pickt sich wie immer die besten Filme aus dem internationalen Festivalbuffet. Es wurde Freitagabend mit Yorgos Lanthimos "The Favourite" eröffnet, der in Venedig den großen Preis der Jury gewonnen hat, und schließt mit dem Van Gogh-Biopic "At Eternity's Gate" von Julian Schnabel. Alfonso Cuaróns "Roma" bildet das Centerpiece. Das Festival läuft bis 14. Oktober.   

Zum 56. Mal versammelt sich die Filmszene Manhattans auf der Upper West Side zum New York Film Festival, kurz NYFF genannt, das in diesem Jahr unter anderem 30 Spielfilme aus 22 verschiedenen Ländern zeigt. Hier im Herzen von New York City gibt es keine bahnbrechenden Entdeckungen wie in Venedig oder Sundance, aber das NYFF will ganz sicher nicht mit einem anderen, "minderen" New Yorker Filmfestival, Tribeca, in einem Atemzug genannt werden. Es wird von und für die kulturelle Elite New Yorks programmiert.  

Festivaldirektor Kent Jones setzt nicht auf Weltpremieren und Auszeichnungen, sondern auf jene Talente, die sich bereits in der Welt bewährt haben - in wichtigen Festivals wie Cannes, Venedig, Berlin und Toronto. In diesem Jahr gehören dazu der diesjährige Gewinner der Goldenen Palme "Shoplifters" von Hirokazu Koreeda, Jean-Luc Godards "Le livre d'image" sowie "Zimna Wonja" ("Cold War - Der Breitengrad der Liebe") von Regielegende Pawel Pawlikowski.   

Es ist eine honorige Veranstaltung, "dessen Geburt im Jahr 1963 den Höhepunkt des Filmsnobismus in Amerika darstellte", so drückte es die "New York Times" aus. Eröffnet wurde damals mit Luis Bunuels "Der Würgeengel". Das Festival avancierte zu einem Hafen für Filme aus Europa und Asien, aber in der Vergangenheit hat man einen guten Teil den Premieren von renommierten Hollywoodproduktionen gewidmet. Außerdem sind seit 1992 fast alle Eröffnungsfilme des New York Film Festivals nordamerikanische bzw. seit 2012 Weltpremieren.  

Nicht so in diesem Jahr. "The Favourite" ist ein spielerisch subversives Kostümdrama des griechischen Provokateurs Yorgos Lanthimos ("The Killing of a Sacred Deer"), das seine Nordamerika-Premiere in Telluride feierte, bevor es Freitagabend das NYFF eröffnete. "The Favourite" erzählt auf tragikomische Weise die Geschichte von Queen Anne (Olivia Colman) und den beiden Frauen, die sich um ihre Gunst bemühen: Sarah Churchill (Rachel Weisz) und Abigail Masham (Emma Stone).

"Humor ist etwas, von dem ich nicht wegkommen kann, egal, mit welchem Material ich arbeite", sagte Lanthimos in einer Pressekonferenz. Vor Drehbeginn griff der Regisseur offenbar auf eher unkonventionelle Techniken in seinen Vorsprechen zurück. "Er wollte von mir, dass ich zwischen den Zeilen keuche, so als ob ich ein Kind gebären würde", lachte Emma Stone. "Wahrscheinlich macht er das mit jedem."

Das intime Festival wächst weiter, indem es langsam seine Randbereiche ausbaut, darunter eine Kategorie namens "Projections", die dem experimentellen Film gewidmet ist. Zu den relevantesten Dokumentationen zählen Beiträge von Errol Morris ("American Dharma", ein Konflikt zwischen dem Filmemacher und Steve Bannon) und Roberto Minervinis "What You Gonna Do When the World's on Fire?" über Afroamerikaner in New Orleans, die darum kämpfen, soziale Gerechtigkeit zu finden. Die österreichische Dokumentarfilmerin Ruth Beckermann wird zu Gast sein mit ihrem Film "Waldheims Walzer".

Einer der Filme im Programm ist wirklich lang. "La Flor" von Mariano Llinás hat eine Dauer von 807 Minuten. Das sind fast 13,5 Stunden. Das NYFF beschreibt den Film als "eine unwiederholbare Arbeit der Liebe und des Wahnsinns, die das Konzept des binge watchings neu definiert". "La Flor" wurde zuvor in Locarno und Toronto gezeigt, aber in Festivalsektionen, die sich anspruchsvollen Filmen widmeten. Hier ist es Teil des Hauptprogramms, wo es auf Filme der Coen Brüder ("The Ballad of Buster Scruggs"), Claire Denis ("High Life"), Paul Dano ("Wildlife") und Barry Jenkins treffen wird.

Barry Jenkins, der 2017 insgesamt drei Oscars mit seinem Drama "Moonlight" gewann, feiert die lang ersehnte US-Premiere seines neuen Films "If Beale Street Could Talk", die Adaption eines Romans des legendären afroamerikanischen Intellektuellen James Baldwin.   

Wenn es eine Sache zu beanstanden gibt, dann jene, dass von 30 Filmen im Hauptprogramm lediglich vier von Frauen stammen. Kein Wunder, wenn man sich die Festivals ansieht, von denen die Filme ausgewählt werden. Zuletzt stand Festivalleiter Alberto Barbera in der Kritik, weil von 21 Filmen, die bei den diesjährigen Filmfestspielen von Venedig um den Goldenen Löwen antraten, gerade mal einer mit weiblicher Regieführung war. 

In diesem Jahr würdigt das NYFF Dan Talbot, einen New Yorker Kunsthausaussteller. Und es gibt auch einen Tribut an einen Österreicher - wenn auch in kleinerem Ausmaß. "Introduzione all'oscuro" des argentinischen Autors und Regisseurs Gastón Solnicki ist eine filmische Hommage an seinen guten Freund, den 2017 verstorbenen Viennale-Direktor Hans Hurch.

Das 56. New York Film Festival läuft von 28. September bis 14. Oktober. 

(APA)

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