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Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum zeigt "Nur Gesichter?"

Wolfgang Meighörner, Direktor der Landesmuseen Salzburg24
Wolfgang Meighörner, Direktor der Landesmuseen

Ob Kaiser oder Reformator, Akteure des Schwazer Bergbaus oder wohlhabende Bürger des 16. Jahrhunderts - sie alle sind in der Ausstellung "Nur Gesichter?" von 13. Mai bis 28. August im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum zu sehen. Die Schau zeige, wie Bildnisse in der beginnenden Neuzeit als Instrument der Selbstinszenierung genutzt wurden, erklärte Wolfgang Meighörner, Direktor der Landesmuseen.

"Die Ausstellung thematisiert kultur- und sozialgeschichtliche Aspekte des frühneuzeitlichen Porträts und zeigt, dass die Renaissance zentrale Weichen für die folgenden Jahrhunderte gestellt hat", meinte Meighörner bei einer Presseführung am Donnerstag in Innsbruck. Im Rampenlicht der Schau würden Werke bekannter Künstler wie Bernhard Strigel, Porträtist Kaiser Maximilians I., Jakob Seisenegger, Hofmaler Ferdinands I., Hans Maler oder Marx Reichlich stehen.

"Die Renaissance-Porträts zeigen keine authentischen Gesichter, vielmehr spiegeln sie soziale Normen und Erwartungshaltungen wieder", sagte Claudia Mark, Kuratorin der Ausstellung. Regenten, Adelige und Patrizier hätten ihr Bildnis als wirksames Mittel der Selbstinszenierung gebraucht. "Die Bilder zeigen, was ihre Auftraggeber wollten: Geltung, Erinnerung und Präsenz. Durch Gesichtsausdruck, Haltung, Pose und Requisiten unterstrichen sie ihre Macht und Position in der Gesellschaft", betonte Mark.

Im 15. und 16. Jahrhundert seien Porträts größtenteils nicht an der Wand aufgehängt worden. Es habe spezifische Bildformen wie das Porträt-Diptychon, zweigeteilte Gemälde, die in der Regel mit Scharnieren zum Aufklappen verbunden sind, das Einzelporträt mit Schiebedeckel oder die auf der Rückseite bemalte Bildnistafel gegeben, so die Kuratorin. Sie würden davon zeugen, dass Bildnisse oft zusammengeklappt in Truhen oder Kästen aufbewahrt und nur zeitweise zur Schau gestellt wurden.

Die Ausstellung, die rund 130 Werke umfasst, darunter 52 Gemälde, 24 Druckgrafiken, Zeichnungen, Schmuckstücke, Münzen sowie Porträtmedaillen, konzentriere sich vorwiegend auf in Tirol tätige und süddeutsche Künstler, erklärte Mark. Die Bestände der Tiroler Landesmuseen seien durch Leihgaben bedeutender Museen und Privatsammlungen ergänzt worden. "Ausstellungen dieser Größenordnung bringen uns schon an die Grenzen unserer Leistbarkeit", kommentierte Meighörner das Großprojekt, an dem seit drei Jahren gearbeitet wurde. Trotzdem würden die Landesmuseen auch in Zukunft derartige Projekte in Angriff nehmen, fügte er hinzu.

(Quelle: S24)

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