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Trauriger Rekord an Bootsflüchtlingen

Auf der Flucht vor Kriegen, Verfolgung oder Armut haben nach UN-Schätzungen seit Anfang 2014 mindestens 348.000 Menschen gefährliche Meeresüberfahrten gewagt - ein neuer Höchststand. Mit 207.000 Personen versuchte der Großteil das Mittelmeer zu überqueren, 3.419 Menschen kamen dabei ums Leben. Das UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) warnt Staaten davor, den Fokus auf Lebensrettung zu verlieren.

Manche Regierungen würden zunehmend dem Abwehren von Fremden eine höhere Priorität geben als dem Recht auf Asyl, zeigte sich UN-Flüchtlingshochkommissar Antonio Guterres am Mittwoch bei einem Treffen mit Regierungsvertretern und Hilfsorganisationen in Genf besorgt. "Es ist ein Fehler und genau die falsche Reaktion in einer Zeit, in der eine Rekordzahl an Menschen vor Kriegen flieht."

Auch wenn Guterres die EU nicht namentlich erwähnt, zielt die Kritik auch auf europäische Staaten. Denn während das italienische Programm zur Rettung von Mittelmeerflüchtlingen "Mare Nostrum" binnen eines Jahres mehr als 100.000 Menschen vor dem Ertrinken bewahrte, setzt das europäische Nachfolgprogramm "Triton" den Fokus vermehrt auf eine Sicherung der EU-Außengrenze. Die Schiffe der EU-Mission sollen lediglich in einem Radius von 30 Seemeilen vor der italienischen Küste patrouillieren, federführend ist die EU-"Grenzschutzagentur" Frontex.

"Menschen, die fliehen, um ihr Leben zu retten, kann man nicht durch Abschreckung davon abhalten, ohne die Gefahr noch zu verstärken", so Guterres. Vielmehr müsse man die Fluchtursachen betrachten und "analysieren, was die Menschen davon abhält, auf sichere Weise um Asyl anzusuchen".

Grund dafür ist auch die europäische Asylpolitik. Für Flüchtlinge, die nicht genügend Geld und Sicherheiten vorweisen können, um mittels Visum legal in die EU einreisen zu können, ist ein illegaler Grenzübertritt nahezu der einzige Weg. Die Möglichkeit an österreichischen Botschaften um Asyl ansuchen zu können, gibt es schon seit langem nicht mehr. Dasselbe gilt für die übrigen EU-Staaten.

Eine Alternative wären sogenannte Resettlement-, also Umsiedelungsprogramme, bei denen das UNHCR Flüchtlinge gezielt in ihrer Herkunftsregion auswählt und für den Transport in meiste westliche Aufnahmestaaten sorgt. Innerhalb der EU gab es zuletzt Diskussionen, Mittelmeerflüchtlinge auf Basis eines Asylschlüssels mittels Resettlement aufzunehmen, wofür auch Österreichs Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) plädiert. Konkrete Pläne zur Umsetzung stehen aber noch aus.

Während Europa aufgrund der Konflikte in Syrien, dem Irak und Libyen gegenwärtig klar das Hauptziel von Bootsflüchtlingen ist, benutzen Migranten laut UNHCR noch drei weitere Seewege. 82.680 Menschen, vorwiegend aus Somalia und Äthiopien, überquerten demnach am Horn von Afrika den Golf von Aden und das Rote Meer, um in den Jemen und dann weiter nach Saudi-Arabien und die Länder des Persischen Golfs zu gelangen. Rund 54.000 wagten eine Überfahrt in Südostasien, um aus Bangladesch und Myanmar nach Thailand, Malaysia und Indonesien zu gelangen. In der Karibik waren es knapp 5.000 Menschen. Insgesamt überlebten 4.245 Menschen ihre Flucht über das Meer nicht.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 12.04.2021 um 05:50 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/trauriger-rekord-an-bootsfluechtlingen-46165438

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