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Udo Jürgens ist tot: Der Künstler im Zitat

Udo Jürgens ist tot. Nicht einmal drei Monate nach seinem 80. Geburtstag ist der Entertainer, Sänger und Komponist am Sonntag bei einem Spaziergang zusammengebrochen und an Herzversagen gestorben. Der Musiker, der bis zuletzt mit dem neuen Album "Mitten im Leben" auf Tour gewesen war, gehörte zu den erfolgreichsten Künstlern im deutschsprachigen Raum. Familie, Freunde und Fans reagierten bestürzt. Hier einige Zitate des Künstlers aus einem Gespräch anlässlich seines 80. Geburtstags.

Die deutschsprachigen Medien haben am Montag den überraschend verstorbenen Musiker und Entertainer Udo Jürgens noch einmal hochleben lassen. "Merci, Udo", "Vielen Dank für die Blumen", "Adieu, Adieu, Adieu", heißt es in Anspielung an Lieder und Liedtexte des Stars. Noch ist völlig unklar, wo und in welchem Rahmen der Entertainer beigesetzt wird. "Es ist noch zu früh. Wir wissen es noch nicht", sagte ein Sprecher seines Managements am Montag. Der Kärntner hatte in den letzten Jahrzehnten in der Schweiz gelebt. Dort war er am Sonntag bei einem Spaziergang in Gottlieben am Bodensee im Beisein seines Fahrers gestorben.

 

Blumen vor Jürgens Haus in Gottlieben./APA/EPA/FELIX KAESTLE Salzburg24
Blumen vor Jürgens Haus in Gottlieben./APA/EPA/FELIX KAESTLE

Jürgens lebte seit 1977 in Zürich

Am 30. September 1934 in Klagenfurt geboren, lebte Jürgens seit 1977 in Zürich. 2007 nahm er auch die Schweizer Staatsbürgerschaft an. Bis zuletzt hat Jürgens rund 1.000 Lieder komponiert, mehr als 50 Alben veröffentlicht und an die 100 Millionen Tonträger verkauft. Mit seiner Stimme, den Melodien zum Mitsingen und Mitdenken sowie seinem Charme hat Jürgens die Herzen von Millionen erobert. Entsprechend zeitigte die Nachricht von seinem Ableben in kürzester Zeit tausende schockierte bis dankbare Reaktionen im Internet.

Udo Jürgens hinterlässt vier Kinder

Udo Jürgens, mit bürgerlichem Namen Udo Bockelmann, verband in seinen Liedern populäre Schlagermelodien mit anspruchsvollen Texten. Oft saß er auch selbst am Klavier. In Österreich wurde ihm der Berufstitel "Professor" verliehen. Seine Live-Auftritte, die er stets im weißen Bademantel beendete, waren legendär. Aus erster Ehe hat Jürgens die zwei Kinder John und Jenny. Zwei weitere Töchter stammen von zwei anderen Frauen. Tochter Jenny Jürgens ließ der dpa über ihr Management ausrichten, dass Schmerz und Traurigkeit groß seien. "Ihr ganzes Ansinnen gilt im Moment ihrer Familie."

 

Jürgens 2009 bei einem Auftritt in Berlin./APA/EPA/BRITTA PEDERSEN Salzburg24
Jürgens 2009 bei einem Auftritt in Berlin./APA/EPA/BRITTA PEDERSEN

Der Künstler im Zitat

Anlässlich seines 80.Geburtstages sprach Udo Jürgens mit der APA. Im Folgenden acht seiner aussagekräftigsten Zitate:

  1. Über seine Musik: "Ich habe Experimente gemacht. Ich habe alles Mögliche versucht vom Klang her, von der Zusammensetzung der Musik her. Ich habe versucht, auf neuen Wellen zu schwimmen. Aber immer, wenn ich dabei sehr weit gegangen bin, bin ich gescheitert. Und immer, wenn ich tief in mich hineingehört habe und meine Art, mich einem Thema zu nähern, angewandt habe, war ich unglaublich erfolgreich. Das hat mir Mut gemacht, bei meinem Stil zu bleiben."
  2. Über seine Grenzen: "Ich bin mir meiner Grenzen bewusst. Wenn ich Lang Lang höre, der demnächst in meiner Fernsehsendung auftreten wird, dann weiß ich, was Klavierspielen bedeutet. Das sind Dinge, die mich unglaublich anspornen, aber ich weiß genau: Da werde ich nie hinkommen, wie er Klavier spielt, das muss ich auch nicht. Ich muss nur Udo Jürgens spielen, er aber muss Beethoven und Bach spielen. Aber in meiner Musik liegt auch sehr viel Seele, wie ich tausenden Briefen entnehmen kann."
  3. Über das Älterwerden: "Die Wehwehchen, die man hat, an die denkt man schon und die können einen auch echt nerven, ebenso die Kurzatmigkeit. Ich konnte früher 150 Treppenstufen fünf Mal hintereinander hochgehen und habe das auch gemacht zum Training. Das geht halt heute nicht mehr. Man ist langsamer geworden, und das muss man im Kopf begreifen. Das Älterwerden findet auch im Kopf statt. Es ist ganz wichtig, dass man sich dem stellt und das nicht leugnet."
  4. Über seinen weißen Bademantel: "Der ist eine Tradition geworden, die man natürlich auch als Marotte bezeichnen kann. Bei meinem ersten abendfüllenden Konzert - es war in Hamburg - habe ich eine Viertelstunde nach Konzertende noch immer Sprechchöre aus der Halle gehört. Ich war natürlich im siebenten Himmel und bin noch einmal raus. Mein damaliger Manager sagte dann zu mir: "Du, das behalten wir bei!" - "Was behalten wir bei?" - "Dass du mit dem Bademantel zum Schluss auf die Bühne gehst." Und ich dachte, so ein Quatsch, das machen wir natürlich nicht. Am nächsten Tag war wieder das gleiche Inferno im Saal. Ich habe wieder etliche Minuten gewartet, habe mir den Bademantel angezogen, bin auf die Bühne und hab am Klavier noch einmal eine Viertelstunde angehängt: unbeschreiblicher Jubel. Heute ist es so, dass vom Bademantel schon beinahe mehr gesprochen wird als von mir."
  5. Über die heutige Zeit: "Erstaunlicherweise hat sich der erhobene Zeigefinger, den man schon überwunden glaubte, wieder mit Macht erhoben. Die neue Augenhöhe des Ostens oder des Islam, wo man völlig andere Moralvorstellungen hat als wir - da entdecken wir plötzlich Dinge, die überhaupt nicht mit unseren Moralvorstellungen, unserer Ethik, unserem Freiheitsbegriff, unseren demokratischen Gesetzen übereinstimmen. Die Spannungen, die da entstehen, werden nicht schnell zu überwinden sein. Vor zehn Jahren waren wir noch naiv: Wir müssen denen Demokratie beibringen, und dann ist alles gut. Heute haben wir kapiert, dass das nicht funktioniert. Aber wir wissen nicht, was stattdessen funktionieren wird. Gleichzeitig sind die eigenen Werte nichts mehr wert. Langeweile erzeugt Radikalismus. In dieser Phase sind wird jetzt."
  6. Über Österreich, die Schweiz und Deutschland: "Wenn die deutsche Fußballnationalmannschaft Weltmeister wird, bewegt mich das sehr - wahrscheinlich, weil meine Eltern Deutsche waren. Ich habe ganz starke deutsche Wurzeln, durch meine Kärntner Heimat aber auch ganz starke österreichische Wurzeln. Heimat ist für mich Kärnten. Aber ich fühle mich auch in Deutschland sehr geborgen. In der Schweiz lebe ich jetzt seit über 30 Jahren. Das Land hat mir ein Zuhause geboten und ist optisch sehr ähnlich meiner österreichischen Heimat. Dass wir da und dort verschiedener Meinung sind, gehört zu einem gesunden politischen Empfinden. Ich bekomme immer wieder kritische Briefe, aber die schlimmsten Beschimpfungen habe ich in Kärnten erlebt."
  7. Über das größte Glück in seinem Leben: "Die normale Antwort ist natürlich: 'Die Geburt meines ersten Kindes, meines Sohnes John' - und das ist mit Sicherheit auch irgendwo die Wahrheit. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, hatte ich da nicht diesen Rausch des Glücks, wie ich ihn später empfunden habe, als ich zum Beispiel die Eurovision gewonnen habe. Das war wahrscheinlich der größte Glücksrausch meines Lebens. Der ging immer Hand in Hand mit meiner Musik.
  8. Über den Einfluss von Künstlern auf die Gesellschaft: "Der Künstler ist ein Gaukler und wird nie ernst genommen. Zum Zeitvertrieb der Menschen dienen wir wunderbar. Wir können sie zum Weinen oder Lachen bringen, beides ist unendlich wichtig. Aber wenn es um ernsthafte Fragen geht, werden wir letztlich nicht ernst genommen, obwohl alle großen Veränderungen der Welt aus Literatur und Philosophie kommen. Erst lange nach ihrem Tod mutieren dann die scheinbar Wahnsinnigen zu Halbgöttern, wenn man merkt, wie groß ihr Einfluss auf die Menschheit war. Komponisten der klassischen Musik zählen da mit Sicherheit dazu, Musiker der leichten Muse dann und wann. Vielleicht bin ich da ein winziges Mosaiksteinchen, aber die Beatles, die Rolling Stones und andere großen Pop- und Rockgruppen haben die Welt wirklich mit verändert. Die Jugendbewegung ist von ihnen ausgegangen. Sie haben ihre Ideale gesellschaftsfähig gemacht."

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(Quelle: S24)

Aufgerufen am 08.05.2021 um 01:23 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/udo-juergens-ist-tot-der-kuenstler-im-zitat-46221961

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