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Ukraine-Krieg, Tag 46

Mehr als 1.200 Tote nahe Kiew entdeckt

Flughafen von Dnipro "völlig zerstört"

Ukraine-Krieg, Tag 46: Zerstörung in Tschernihiw APA/AFP
Die ukrainische Stadt Tschernihiw liegt großteils in Trümmern. Aufgenommen am 9. April 2022. 

In der Region um die ukrainische Hauptstadt Kiew sind nach ukrainischen Angaben bisher mehr als 1.200 Tote gefunden worden. Staatsanwältin Iryna Wenediktowa nannte im Interview mit dem britischen Sender Sky News am Sonntag die Zahl von 1.222 geborgenen Toten "allein in der Region Kiew". Außerdem haben russische Truppen nach ukrainischen Angaben erneut den Flughafen von Dnipro angegriffen und diesen "vollständig zerstört".

Sowohl der Flughafen als auch die umliegende Infrastruktur seien zerstört worden, erklärte am Sonntag der für die ostukrainische Stadt zuständige Gouverneur. Die Ukraine warf dem russischen Militär indes weitere Gräueltaten vor und russische Raketenangriffe setzten sich am Wochenende fort. Es werde derzeit geprüft, ob es Todesopfer gebe.

Selenskyj fordert Öl-Embargo gegen Moskau

"Wenn die Tyrannei eine Aggression gegen alles gestartet hat, worauf der Frieden in Europa ruht, müssen wir sofort handeln", sagte Selenskyj in einer am Samstagabend veröffentlichten Videobotschaft. Ein Öl-Embargo müsse der erste Schritt der "gesamten zivilisierten Welt" sein. "Dann wird Russland das spüren. Dann wird es für sie ein Argument sein, den Frieden zu suchen, die sinnlose Gewalt zu beenden", so der ukrainische Staatschef. Die demokratische Welt könne definitiv auf russisches Öl verzichten.

Mehrere Massengräber nahe Kiew gefunden

Nach dem Rückzug der russischen Truppen aus der Nordukraine werden in immer mehr Orten Massengräber mit Zivilisten gefunden. Westlich der ukrainischen Hauptstadt Kiew meldeten die Behörden den Fund Dutzender Leichen. "Nahe der Tankstelle von Busowa haben wir heute noch tote Zivilisten in einer Grube gefunden", sagte der Gemeindevorsteher Taras Didytsch in der Nacht im ukrainischen Fernsehen. Auf der Trasse von Kiew nach Schytomyr seien zudem nahe der Hauptstadt Leichen bei beschossenen Autos gefunden worden.

Scholz verurteilt Kriegsverbrechen

Selenkyj telefonierte am Sonntag mit dem deutschen Kanzler Olaf Scholz (SPD) und forderte eine Verfolgung von Kriegsverbrechen sowie weitere Hilfe und weiteren Sanktionsdruck gegen Russland. Dieser sicherte "den Menschen in der Ukraine die Solidarität und volle Unterstützung Deutschlands" zu, wie die Vizeregierungssprecherin Christiane Hoffmann mitteilte. "Der Bundeskanzler verurteilte die abscheulichen Kriegsverbrechen des russischen Militärs in Butscha und in anderen Orten in der Ukraine", hieß es dazu weiter.

Die ukrainische Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa warf Russland am Sonntag indes vor, in allen Regionen der Ukraine Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben. Kreml-Chef Wladimir Putin bezeichnete sie als den "Hauptkriegsverbrecher des 21. Jahrhunderts". Die Ukraine habe 5.600 Fälle mutmaßlicher Kriegsverbrechen mit 500 Verdächtigen identifiziert. Dazu gehöre auch der Raketenangriff vom Freitag auf den Bahnhof der ostukrainischen Stadt Kramatorsk mit über 50 Toten.

Voraussichtlich kein Gespräch zwischen Putin und Selenskyj

Die Ukraine rechnet nicht mit einem baldigen Treffen Selenskyjs mit Putin zu Verhandlungen über ein Ende des Krieges, wie Präsidentenberater Mychajlo Podoljak im ukrainischen Fernsehen sagte. Die Ukraine bestehe weiter auf starken Sicherheitsgarantien und zahle dafür einen sehr hohen Preis, meinte Podoljak. "Ja, es ist hart, wir verlieren jeden Tag Menschen und Infrastruktur. Aber Russland muss sich von seinen imperialen Illusionen befreien", sagte er.

Moskau feuert weiter Raketen

Russland setzte seine Raketenangriffe auch am Wochenende fort. Insgesamt seien 86 Objekte innerhalb eines Tages getroffen worden, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Sonntag. Im Gebiet Dnipropetrowsk seien der Stab und Basis des Bataillons Dnipro vernichtet worden. Zerstört worden seien auch auf dem Militärflugplatz der Garnisonsstadt Tschuhujiw im Gebiet Charkiw Startkomplexe des Luftabwehrsystems S-300 sowie in der Ostukraine mehrere Drohnen, zwei Munitions- und drei Treibstofflager.

Durch Beschuss in der Region Donezk und im nordöstlichen Gebiet Charkiw wurden nach ukrainischen Angaben auch mehrere Zivilisten getötet und verletzt. Die ukrainische Militärverwaltung machte Russland dafür verantwortlich. Ukrainische Kräfte hätten bei Angriffen auf russische Truppen am Samstag unter anderem 80 Soldaten getötet sowie drei Panzer und je ein Flugzeug und einen Hubschrauber zerstört, hieß es. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig prüfen. Auch in der Hafenstadt Mariupol dauerten die Gefechte an.

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 27.06.2022 um 02:34 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/ukraine-krieg-mehr-als-1-200-tote-nahe-kiew-entdeckt-119708827

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