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Ukraine-Krieg, Woche 21

Moskau stellt Truppen im Donbass neu auf

Kiew rechnet mit heftigen russischen Angriffen

Die russischen Streitkräfte stellen sich im Osten der Ukraine neu auf, um ihre Offensive im Donbass fortzusetzen. "Im Gebiet Kramatorsk hat der Feind eine Umgruppierung durchgeführt, um seine Angriffe auf Siwersk zu erneuern", teilte der ukrainische Generalstab am Freitag mit.

Im Zuge der Angriffe sei auch Kramatorsk von der Artillerie beschossen worden. Die Großstadt ist Teil eines Ballungsraums mit etwa 500.000 Einwohnern, den Kiew zur wichtigsten Festung im Donbass ausgebaut hat. Auch der nördliche Teil des Ballungsraums, die Großstadt Slowjansk, rückt wieder in den Fokus russischer Angriffsbemühungen. Dort versuchten die Russen mithilfe von Artilleriefeuer auf eine Reihe von Ortschaften nördlich der Stadt ihre taktische Lage zu verbessern, um so wieder in den Angriff übergehen zu können, heißt es im Lagebericht des Generalstabs.

Hohe Verluste auf beiden Seiten

In Richtung Bachmut - einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt südöstlich von Kramatorsk - wird ebenfalls gekämpft. Unter anderem habe es Luftangriffe auf ein Wärmekraftwerk gegeben, berichtete das ukrainische Militär. Die Hauptanstrengungen der Russen richteten sich auf die Eroberung der Städte Bachmut und Soledar. Unabhängig sind die Angaben nicht zu überprüfen.

"Versuche eines feindlichen Sturms im Raum Kodemi und Bilohoriwka haben unsere Kämpfer erfolgreich gestoppt ebenso wie die Versuche, die Ortschaften Spirne und Werschyna zu erobern. Die Okkupanten sind auf harten Widerstand gestoßen, haben deutliche Verluste erlitten und mussten sich schmählich zurückziehen", heißt es dazu im Lagebericht. Am Vorabend hatten die prorussischen Separatisten noch die Eroberung von zwei Ortschaften nahe Soledar vermeldet.

Nächster Angriff auf Bachmut?

Auch das britische Verteidigungsministerium geht davon aus, dass Bachmut das nächstes russische Angriffsziel wird. Die russischen Streitkräfte seien nach Beschuss und Sondierungsangriffen auf die Donezker Stadt Siwersk langsam nach Westen vorgerückt. "Bachmut wird wahrscheinlich das nächste Ziel sein, sobald Siwersk gesichert ist", twitterte das Ministerium.

Internationale Bestürzung rief der russische Raketenangriff am Donnerstag auf die zentralukrainische Stadt Winnyzja hervor. Nach ukrainischen Angaben kamen durch den Einschlag mindestens 23 Menschen getötet worden, darunter 3 Kinder. Neben dem am Donnerstag schon identifizierten vierjährigen Mädchen handelt es sich um zwei Jungen im Alter von sieben und acht Jahren, wie am Freitag bekannt wurde. 71 Verletzte liegen im Krankenhaus, einige davon schweben nach wie vor in Lebensgefahr. 18 Personen gelten als vermisst. Bilder und Videos, die über die sozialen Netzwerke verbreitet wurden, dokumentieren eine Vielzahl ziviler Opfer des Angriffs.

Österreich verurteilt russischen Angriff

Kiew sprach von einem Kriegsverbrechen und einem Terroranschlag. Auch das österreichische Außenministerium verurteilte den Angriff. "Zivilisten anzugreifen ist ein #Kriegsverbrechen - es darf keine Straffreiheit geben, die Täter dieser Gräueltaten müssen zur Rechenschaft gezogen werden", hieß es in einem Tweet von Donnerstagabend. Zuvor hatte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell auf Twitter ein Ende der Angriffe auf Zivilisten gefordert.

Das russische Verteidigungsministerium bestätigte den Raketenbeschuss der ukrainischen Großstadt Winnyzja. Der Angriff auf das "Haus der Offiziere" im Stadtzentrum sei während einer Besprechung dort erfolgt, an der "die Militärführung der ukrainischen Streitkräfte und ausländische Waffenlieferanten" teilgenommen hätten, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Freitag. Seinen Angaben nach wurden alle Teilnehmer der Sitzung getötet.

Das "Haus der Offiziere" in Winnyzja dient als Konzertsaal. Am Tag des Angriffs sollte dort eigentlich die Sängerin Roxolana auftreten. Der Tonregisseur der Sängerin ist unter den Todesopfern.

(Quelle: APA)

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