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Ukraine-Krieg, Tag 14

Angriffe auf mehrere ukrainische Städte

Kiew weiter umkämpft

Bei der Evakuierung von Zivilisten aus belagerten Städten in der Ukraine hat es am Mittwoch erneut Zwischenfälle gegeben. Nach ukrainischen Angaben gab es wieder Angriffe auf mehrere Städte und dabei Tote und viele Verletzte.

Seitens der Ukraine war Mittwochfrüh vielfach von einer vergleichsweise ruhigen Nacht die Rede, etwa rund um die Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer sowie in den Gebieten Poltawa und Sumy - dort wurden Fluchtkorridore eingerichtet. Im Gebiet Saporischschja im Südosten der Ukraine hätten russische Truppen ihre Offensive wieder aufgenommen, das Tempo des Vormarsches habe sich aber verlangsamt. In Tschernihiw habe es Luftalarme gegeben. Zehn Wohnhäuser am Stadtrand seien beschossen worden.

Kein Durchbruch im Kampf um Kiew

Das britische Verteidigungsministerium erklärte auf Twitter, nordwestlich der ukrainischen Hauptstadt Kiew werde weiter gekämpft, doch hätten die russischen Truppen dort keinen entscheidenden Durchbruch erreicht. Die ukrainische Luftabwehr habe offenbar Erfolge. Die Städte Charkiw, Tschernihiw, Sumy und Mariupol seien weiter eingeschlossen.

Angriff auf Geburtsklinik in Mariupol

Ukraine Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Russland einen Angriff auf eine Geburtsklinik in der umkämpften Hafenstadt Mariupol vor. Er veröffentlichte am Mittwoch im Kurznachrichtendienst Twitter ein Video, das völlig verwüstete Räume der Klinik zeigen soll. Von russischer Seite lag zunächst keine Stellungnahme vor. Moskau betont stets, keine zivilen Ziele zu attackieren.

Offiziell 516 getötete Zivilisten

Von ukrainischer Seite hieß es zudem, allein in Mariupol seien bereits 1.170 Zivilisten getötet worden. Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte (OHCHR) hat in der Ukraine seit dem Einmarsch Russlands am 24. Februar und bis Mittwoch, 00.00 Uhr, den Tod von 516 Zivilisten dokumentiert. Darunter waren 37 Minderjährige, wie das Büro in Genf berichtete. Dem Büro lagen zudem verifizierte Informationen über 908 Verletzte vor, darunter 50 Minderjährige. Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, betont aber stets, dass die tatsächlichen Zahlen mit Sicherheit deutlich höher lägen.

Das US-Verteidigungsministerium berichtete zudem von einer neuen russischen Militärkolonne, die von Nordosten her auf Kiew vorrückte. Die Hauptkolonne aus dem Norden war vor mehreren Tagen zum Stillstand gekommen.

Russland nimmt Demonstranten fest

Mitglieder der russischen Nationalgarde haben nach Angaben des ukrainischen Militärs unterdessen mehr als 400 Demonstranten in der ukrainischen Region Cherson festgenommen. Die Menschen hätten gegen die Besetzung ihrer Heimatorte protestiert. "Aufgrund des wütenden Widerstands der Bewohner von Cherson versuchen die Besatzer, eine von der Polizei geführte Verwaltung einzurichten", heißt es in einer Erklärung des ukrainischen Militäroberkommandos.

Am Donnerstag wollen der russische Außenminister Sergej Lawrow und sein ukrainischer Kollege Dmytro Kuleba zu Gesprächen im türkischen Antalya zusammenkommen. Angekündigt sind Verhandlungen gemeinsam mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu.

 

Fluchtrouten für sechs Städte eingerichtet

In der Stadt Sumy im Nordosten des Landes trafen am Mittag Busse ein. Nach Angaben des Vizechefs des Präsidentenbüros, Kyrylo Tymoschenko, fuhren im südukrainischen Enerhodar sowie in Isjum nahe Charkiw im Nordosten die ersten Fahrzeuge mit Zivilisten ab. Die Ukraine hatte in der Früh in Abstimmung mit der russischen Seite von Fluchtrouten aus insgesamt sechs Städten gesprochen.

Menschen aus Enerhodar und Mariupol sollten am Mittwoch nach Saporischschja im Südosten gebracht werden, sagte Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk. Für die Bewohner von Wolnowacha ist Pokrowsk vorgesehen, Poltawa für Einwohner aus Sumy. Auch für Isjum im Osten sowie für mehrere Kleinstädte nördlich von Kiew sind Korridore geplant.

Tote bei Angriffen auf Sumy

Nach Angaben des stellvertretenden Leiters des Präsidentenbüros, Kyrylo Tymoschenko, wurden am Dienstag aus Sumy im Laufe des Tages zwei Kolonnen mit insgesamt 61 Bussen in Richtung Poltawa gefahren. Unter den Passagieren waren etwa 1.100 ausländische Studenten, darunter aus Indien und China. Für eine weitere Evakuierung ins westukrainische Lwiw nahe der polnischen Grenze stünden Züge bereit.

Zuvor starben in Sumy bei russischen Angriffen in der Nacht nach Behördenangaben mindestens 21 Menschen, darunter zwei Kinder. Sumy liegt nur etwa 30 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Seit Tagen wird die Stadt von russischen Truppen angegriffen.

 

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Bald mehr als zwei Millionen Flüchtlinge

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) forderte angesichts des russischen Angriffskriegs in der Ukraine einen besseren Schutz für Krankenhäuser. "Es versteht sich von selbst, dass Gesundheitspersonal, Krankenhäuser und andere medizinische Einrichtungen niemals zu einem Ziel werden dürfen, auch nicht während Krisen und Konflikten", sagte Europa-Regionaldirektor Hans Kluge am Dienstag in Kopenhagen. Bisher seien 16 Berichte über Attacken auf das Gesundheitswesen bestätigt worden. Weitere würden überprüft, so Kluge: "Die WHO verurteilt diese Angriffe auf das Schärfste."

Die Zahl der Flüchtlinge aus der Ukraine könnte UNO-Angaben zufolge demnächst die Schwelle von zwei Millionen überschreiten. "Ich denke, dass wir heute oder spätestens morgen die Zwei-Millionen-Marke überschreiten werden. Es hört also nicht auf", sagte der Chef des Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR), Filippo Grandi, am Dienstag in Oslo.

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 30.06.2022 um 11:15 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/ukraine-krieg-russland-feuert-auf-fluchtkorridore-118167574

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