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UKRAINE-KRIEG, WOCHE 17

Russland rückt in Sjewjerodonezk weiter vor

Ukrainischen Einheiten droht Blockade

Im Kampf um Sjewjerodonezk im Osten der Ukraine droht den ukrainischen Truppen ein weiterer Rückschlag. "Der Feind versucht, die volle Kontrolle über Sjewjerodonezk herzustellen und die Verteidigungskräfte in den Ortschaften Boriwske und Woronowe zu blockieren, die Kampfhandlungen halten an", teilte der ukrainische Generalstab am Mittwoch mit.

Laut britischen Angaben haben die pro-russischen Separatisten in der Region Donezk seit Kriegsbeginn starke Verluste erlitten. Dem Lagebericht nach konzentrieren die russischen Truppen ihre Offensivbemühungen im Donezker und Luhansker Gebiet auf den Raum zwischen Sjewjerodonezk und Bachmut. Boriwske und Woronowe sind zwei Vororte Sjewjerodonezks am Ostufer des Siwerskyj Donez. Im gleichen Gebiet hatten die Russen erst am Wochenende die Ortschaft Metjolkine eingenommen.

Ukrainischen Einheiten droht Einschließung

In dem Ballungsraum droht ukrainischen Einheiten nach früheren Meldungen südlich der Großstadt Lyssytschansk ebenfalls eine Einschließung. "Die Gefahr eines taktischen russischen Sieges ist gegeben, aber sie haben es noch nicht geschafft", sagt der ukrainische Präsidentenberater Olexij Arestowytsch in einem online veröffentlichten Video.

Das zweite Hauptziel der russischen Attacke, der Ballungsraum Slowjansk - Kramatorsk mit rund einer halben Million Einwohnern (vor dem Krieg), bleibt hingegen vorerst außer Reichweite moskautreuer Bodentruppen. Derzeit würden die ukrainischen Stellungen nördlich von Slowjansk unter Artilleriefeuer genommen, um den Angriff vorzubereiten, teilte der Generalstab mit.

Doch kein Vormarsch im Süden?

Vom Vormarsch ukrainischer Kräfte im Süden des Landes, von dem Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner nächtlichen Videobotschaft gesprochen hatte, lässt sich im Lagebericht nichts finden. Dort heißt es lediglich, dass das russische Militär seine Anstrengungen darauf richtet, einen Angriff der Ukrainer zu verhindern und dabei Luftangriffe auf Stellungen nahe der Ortschaft Bila Krynyzja geflogen habe.

Bila Krynyzja liegt im Gebiet Cherson westlich des Flusses Inhulets. Das deckt sich mit Angaben des US-amerikanischen Institute for the Study of the War (ISW), das erklärte, den Russen sei es wohl gelungen, den ukrainischen Brückenkopf am Ostufer des Inhulets zu beseitigen und ihre Stellungen in der Region zu festigen.

Millionenstadt Charkiw wieder im Visier der Russen

Russland ändert offenbar seine Kriegstaktik und hat wieder die Millionenstadt Charkiw im Norden der Ukraine ins Visier genommen. Russische Truppen feuerten am Mittwoch zahlreiche Raketen auf die Stadt und deren Umgebung. Dabei wurden nach ukrainischen Angaben mindestens 15 Menschen getötet. Kiew äußerte den Verdacht, dass die Russen ukrainische Kräfte dort binden wollten, um sie von der tobenden Hauptschlacht im Donbass um die Stadt Sjewjerodonezk im Osten abzulenken.

"Russische Kräfte gehen gegen die Stadt Charkiw in der Art vor, wie sie gegen Mariupol vorgegangen sind - mit dem Ziel, die Bevölkerung zu terrorisieren", sagte der ukrainische Präsidentenberater Oleksij Arestowitsch. "Und wenn sie das weiter tun, werden wir reagieren müssen - etwa indem wir unsere Artillerie bewegen müssen", führte er aus. "Die Idee ist, ein großes Problem zu schaffen, um uns abzulenken und Truppen zu verlegen, Ich denke, es wird eine Eskalation geben."

Der Staatsanwalt von Charkiw, Michailo Martosch, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die russischen Streitkräfte hätten offensichtlich Mehrfachraketenwerfer eingesetzt. Seit Dienstag toben schwerste Angriffe auf die Millionenstadt. Erst vergangenen Monat hatten die ukrainischen Truppen die russischen Streitkräfte aus der Region zurückgedrängt.

Feuer in russischer Ölraffinerie

In der russischen Region Rostow an der Südwestgrenze zur Ukraine wurde unterdessen eine Ölraffinerie angegriffen. Niemand sei verletzt worden, hieß es. Die russische Nachrichtenagentur Tass meldete, eine ukrainische Drohne sei vor Ausbruch eines Brandes in den Wärmetauscher-Block der Raffinerie in der Stadt Nowoschachtinsk gestürzt. Insgesamt seien zwei ukrainische Drohnen über der Anlage gesichtet worden, die zweite sei weggeflogen. Laut der Nachrichtenagentur Interfax konnte das Feuer gelöscht werden.

Hohe Verluste für pro-russische Streitkräfte

Die Streitkräfte der pro-russischen Separatisten-Region Donezk haben unterdessen hohe Verluste erlitten. Sie hätten etwa 55 Prozent ihrer ursprünglichen Stärke eingebüßt, heißt es im täglichen Lagebericht des britischen Verteidigungsministeriums auf Twitter. Die von der selbsternannten Volksrepublik Donezk (DVR) veröffentlichten Zahlen zeigten, dass bis zum 16. Juni 2.128 Militärangehörige im Kampf getötet und 8.897 Kämpfer seit Anfang 2022 verwundet worden seien. Russland habe die Zahl der Verluste in der Ukraine seit dem 25. März nicht mehr veröffentlicht.

(Quelle: APA)

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