Jetzt Live
Startseite Welt
Welt

UNO-Hilfswerk mahnt EU-Staaten in Flüchtlingskrise

Der Strom von Flüchtlingen nach Europa hält unvermindert an. Nach Angaben des Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) kam am Montag eine Rekordzahl von 7.000 Menschen vor allem aus Syrien in Mazedonien an, die nach Deutschland und in andere EU-Staaten wollen. 30.000 Flüchtlinge befänden sich zudem inzwischen auf den griechischen Inseln, teilte eine Sprecherin in Genf mit.

Das UNHCR geht weiter davon aus, dass bis Jahresende 400.000 Flüchtlinge über das Mittelmeer Europa erreichen wollen. Erforderlich sei eine Verteilung der Flüchtlinge nach einer verbindlichen Quote, sagte eine Sprecherin des UNHCR und griff damit in die laufende Debatte in Europa ein. 200.000 Menschen müssten unter den Staaten verteilt werden. Es könne keine "deutsche Lösung" für dieses europäische Problem geben.

In Ungarn blieb die Situation angespannt. Aus Serbien kamen bis Mittag nach Polizeiangaben weitere 875 Flüchtlinge. Am Budapester Ostbahnhof drängten sich erneut viele Flüchtlinge in Züge nach Westeuropa. Mehrere Züge mit jeweils mehreren Hundert Asylsuchenden fuhren Richtung Westen ab. In der Sammelstelle der Polizei nahe Röszke an der ungarisch-serbischen Grenze widersetzten sich am Dienstagnachmittag erneut 100 bis 150 Migranten der Polizei und rannten über ein Feld in Richtung Autobahn M5. Unter ihnen seien viele Familien mit Kleinkindern, berichtete die ungarische Nachrichtenagentur MTI.

Später wurden sie von rund 100 Polizisten gestoppt und mit Bussen nach Kiskunhalas und Bekescsaba gebracht, nun sollen sie dort statt wie vorgesehen im Auffanglager Röszke registriert werden. Am Montagabend hatten sich bereits Hunderte Migranten ebenfalls den Anweisungen der Polizei, die Pfefferspray einsetzte, widersetzt, am Sammelpunkt zu bleiben. Die Menschen waren auf der M5 in Richtung Budapest marschiert. In der Nacht gaben sie jedoch auf und ließen sich von Bussen zurück bringen.

Am Haupt- und Westbahnhof in Wien kamen laut Polizeiangaben am Dienstag rund 3.000 Flüchtlinge aus Ungarn an. Ein Großteil davon sei mit Zügen nach Deutschland weitergefahren, sagte ein Sprecher. Im Raum Nickelsdorf (Bezirk Neusiedl am See) war die Lage in Sachen Flüchtlinge nach Angaben von Polizei und Rotem Kreuz weiter ruhig. Bei Kontrollen im grenznahen Bereich wurden zwei Schlepper festgenommen, so Polizeisprecher Gerald Pangl zur APA. "Die Nova Rock Halle ist leer", alle hier untergebrachten Flüchtlinge seien inzwischen weggebracht worden. Flüchtlinge würden nun wieder zwecks Erstversorgung zu einer Sammelstelle gebracht, um sie zu registrieren. Von der Sammelstelle erfolge der Transport in eine Erstaufarbeitungsstelle. Dort finde, wie dies bisher gehandhabt worden sei, eine Befragung und die Abnahme von Fingerabdrücken statt. Das weitere Verfahren hänge davon ab, ob die Betroffenen um Asyl ansuchen. Das Rote Kreuz hat seit Wochenbeginn täglich rund 200 Personen versorgt, in etwa so viele wie vor dem starken Anstieg zum Wochenende, so Sprecher Tobias Mindler.

Auch die Zahl der in München aus Ungarn via Österreich ankommenden Flüchtlinge geht deutlich zurück. Am Dienstag kamen laut offiziellen Angaben bis zum frühen Nachmittag rund 1.300 Flüchtlinge am Münchner Hauptbahnhof an. Am Wochenende waren rund 20.000 Flüchtlinge - zumeist aus dem Bürgerkriegsland Syrien - angekommen, am Montag waren es erneut rund 5.000 Flüchtlinge. Die meisten wurden zunächst in München untergebracht, zum Teil wurden die Sonderzüge aber auch in andere Bundesländer weitergeleitet. An eine behördliche Registrierung der Menschen sei angesichts der hohen Zahl derzeit nicht zu denken, hieß es bei Bezirksregierung Oberbayern. München muss die Verteilung der in Deutschland ankommenden Flüchtlinge zunächst weiter im Alleingang stemmen: Bis Dienstagnachmittag wurde kein weiteres Drehkreuz gefunden, wie ein Sprecher des bayerischen Sozialministeriums sagte.

Am Montag haben so viele Flüchtlinge die griechisch-mazedonische Grenze überquert wie nie zuvor: 7.000 seien es binnen 24 Stunden gewesen, erklärte das UNHCR. Der Ministerpräsident des Flüchtlings-Transitlandes Mazedonien, Nikola Gruevski, bezeichnete das Flüchtlingsproblem als Zeitbombe, bei der man "nicht weiß, wann sie explodieren" werde.

Von der griechischen Insel Lesbos wurden Tausende Flüchtlinge aufs Festland gebracht. Eine von der Regierung angemietete Fähre mit Platz für 2.500 Menschen machte voll besetzt im Hafen von Piräus in der Nähe von Athen fest. Laut UNHCR harren rund 20.000 Flüchtlinge auf Lesbos aus. Nach geltenden EU-Regeln ist eigentlich jenes Land für einen Flüchtling zuständig, in dem dieser zum ersten Mal den Boden der Gemeinschaft betreten hat.

Angesichts stetig von Griechenland über Mazedonien und weiter über Serbien kommender Flüchtlinge will die ungarische Regierung den Bau des Grenzzauns zu Serbien beschleunigen. Dieser soll die 175 Kilometer lange Grenze zu Serbien abriegeln. Ministerpräsident Viktor Orban sei "überhaupt nicht zufrieden" mit dem Bautempo des Grenzzauns, sagte Lajos Kosa, Vorsitzender des Sicherheitsausschusses im Parlament. Im Streit um den noch unfertigen Zaun, den die Armee baut, war Verteidigungsminister Casaba Hende am Vorabend zurückgetreten. Sein designierter Nachfolger Istvan Simicsko soll das Projekt nun vorantreiben. Offiziell hatte Ungarn den Zaunbau am 31. August für abgeschlossen erklärt. Doch auf weiten Strecken steht das Bauwerk nur provisorisch. Der vier Meter hohe Zaun soll aus Maschendraht bestehen, der oben mit einer Rolle Stacheldraht versehen ist. In dieser Form ist er aber nur in kurzen Teilen fertig.

Stattdessen wurden auf weiten Strecken nur mehrere Rollen Stacheldraht übereinander gezogen, weil Orban den ursprünglichen Fertigstellungstermin von Ende November kurzerhand vorgezogen hatte. Sie bilden eine Absperrung, die niedriger ist, als ursprünglich geplant war. Viele Flüchtlinge überwinden diesen Zaun, indem sie ihn mit Holzlatten niederwalzen oder durchschneiden. Nun soll das Projekt in seiner ursprünglich geplanten Form bis Ende Oktober fertig werden. Zudem soll der Zaun von 3000 bis 4000 Soldaten kontrolliert werden lassen, sagte Simicsko, bisher als Staatssekretär für Sportpolitik zuständig. Die Soldaten dürfen dabei keine tödlichen Waffen einsetzen und sollen nur die Grenzpolizei unterstützen. Noch fehlt dafür aber Grünes Licht vom Parlament.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 15.04.2021 um 01:10 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/uno-hilfswerk-mahnt-eu-staaten-in-fluechtlingskrise-48348946

Kommentare

Mehr zum Thema