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Van der Bellen: Udo Landbauer muss von Nazi-Lied gewusst haben

Van der Bellen will sich nicht in NÖ-Wahl einmischen APA (Archiv)
Van der Bellen will sich nicht in NÖ-Wahl einmischen

Bundespräsident Alexander Van der Bellen glaubt nicht, dass der niederösterreichische FPÖ-Spitzenkandidat Udo Landbauer nichts von den Nazi-verherrlichenden Liedern der Burschenschaft "Germania" gewusst habe. "Das müssen ja alle Mitglieder dieser Burschenschaft gewusst haben, was in diesem Liederbuch gestanden ist, auch der Vize-Obmann muss das gewusst haben", so Van der Bellen in Straßburg.

Er habe seinen "Augen nicht getraut", als er diese Texte gelesen habe und dass es möglich sei "auf diese Weise in einem Lied den Massenmord zu verhöhnen", sagte der Bundespräsident gegenüber dem ORF am Rande eines Besuchs beim Europarat. Die Frage nach einem Rücktritt Landbauers bezeichnete er als "eine wichtige Frage", aber genauso wichtig seien die Fragen, "was ist das überhaupt für ein Verein, wie viel Wiederbetätigung liegt hier vor?".

Er wolle sich nicht in den niederösterreichischen Landtagswahlkampf einmischen, so Van der Bellen. "Mir geht es um übergeordnete Fragen, wie ist es möglich, dass heute in einem regulären Verein ein solches Gedankengut offensichtlich vertreten wird."

Landbauer gibt sich nach Vorwürfen trotzig

Landbauer gibt sich nach den Vorwürfen indes trotzig: Auf Facebook postete er ein Bild an der Seite von Parteichef Heinz-Christian Strache und den Slogan: "Jetzt erst recht!" Damit hatte auch der ehemalige Bundespräsident Kurt Waldheim gegen Vorwürfe, er habe seine SA-Vergangenheit verschwiegen, erfolgreich kampagnisiert.

Strache steht hinter Udo Landbauer

Rückendeckung bekam er von diesem auch. Zum Zeitpunkt, als das Liederbuch erstellt wurde, sei Landbauer elf Jahre alt gewesen und erst später in die Verbindung eingetreten. Strache sah daher keinen Grund für Konsequenzen. Landbauer habe die Sache "sehr deutlich klargestellt" und selbst Aufklärung gefordert. Für den Text trage er keine Verantwortung. "Burschenschaften haben nichts mit der FPÖ zu tun", meinte Strache.

Der Koalitionspartner ÖVP ging deutlich auf Distanz. Der Text sei "absolut indiskutabel", so Kanzleramtsminister Gernot Blümel. Die Verantwortlichen sollen zur Verantwortung gezogen werden. Bundeskanzler Sebastian Kurz begrüßte das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft. "Null Toleranz bei Antisemitismus, Rassismus und Verherrlichung der NS-Schreckensherrschaft", schrieb der ÖVP-Obmann auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

(APA)

(Quelle: S24)

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