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Viel Applaus für einen kompakten Salzburger "Hamlet"

"Hast du es dir so vorgestellt? War es das, was du wolltest?", fragt Hamlet am Ende, um ihn nur Tote. Dann richtet er sich selbst, ein Schuss und die Bühne ist schwarz. Nur knapp zwei Stunden braucht Regisseurin Alexandra Liedtke, um Shakespeares "Hamlet" am Salzburger Landestheater zu erzählen - und erntet damit wie das gesamte Team am Samstagabend einhelligen Applaus.

Die Geschichte ist kompakt inszeniert, konzentriert das übliche "Hamlet"-Personal auf sechs zentrale Rollen. Im Mittelpunkt steht der vom Tod des Vaters erschütterte Hamlet, der vom jungen Gregor Schulz mit großer Intensität gespielt wird. Sein Ringen mit sich selbst, sein Schwanken zwischen Rache für den gemeuchelten Vater, den König von Dänemark, und der Abscheu, dadurch selbst Schuld auf sich zu laden, ist ein schwerer, ein seelischer und ein körperlicher Kampf. Den Wahnsinn, den er vorgibt, nimmt man ihm in jeder Sekunde ab. Er ist ein Hamlet, der sich selbst Mut zusprechen muss.

Eine der stärksten Szenen ist jene, in der ein von Oberkämmerer Polonius (Walter Sachers) engagierter Puppenspieler (Simon Buchegger) auftritt, um Hamlet zu zerstreuen und seinen Wahn zu bannen. Der Puppenspieler betört mit seinen weißen Handmasken Hamlet. Es ist ein Moment, in dem die Zeit kurz still zu stehen scheint. Bis Hamlet die Idee kommt, mit der Kraft des Schauspiels den König, seinen Onkel und Stiefvater Claudius - von Christoph Luser als aalglatter, ehrgeiziger Karrierist in Slim-Fit-Anzügen verkörpert - zum Geständnis des Brudermordes zu bewegen. Doch der Plan misslingt, Claudius sinnt nach Möglichkeiten, den ihm gefährlich werdenden Neffen und Stiefsohn Hamlet zu beseitigen.

Britta Bayer spielt Gertrude, Königin und Hamlet Mutter, als selbstbezogene, in sich gefangene Frau, die nur allzu schnell und allzu willig von der Witwe zur Ehefrau des einstigen Schwagers wurde. Die Geschwister Ophelia (Genia Maria Karasek) und Laertes (Hanno Waldner) sind ebenfalls stark besetzt. Ophelia hat stets wie eine Hochleistungssportlerin mehrere Wasserflaschen dabei, um sich innen wie außen rein zu waschen. Glücklich wirkt sie nur einmal, als sie mit dem weißen Schleier der Braut im Regen tanzt, als würde sie sich ihrem Geliebten Hamlet hingeben. Doch aus dem sanften Regen wird ein starker Wasserstrahl, Ophelia ertrinkt. Als Laertes nach Hause kommt, sind Vater und Schwester tot. Er ist offen für Claudius intriganten Plan gegen Hamlet - den schließlich alle mit dem Tode bezahlen.

Raimund Orfeo Voigt hat für die kompakte Inszenierung ein schnörkelloses Bühnenbild geschaffen: eine schwarze, in Rechtecke gegliederte Wand, vor die sich immer wieder einfache Holzwände mit Türauslassungen absenken und damit den Raum, in dem sich die Schauspieler bewegen, verengen. Dazwischen entstehen immer neue Gänge, die Wände verschieben sich. Mal ist es hell, mal dunkel. So entsteht ein Labyrinth, in dem sich die Protagonisten finden und verlieren. Einsame Menschen, gefangen in ihren Plänen, Hoffnungen und Ängsten. Eine eindrucksvolle Inszenierung, die vom Publikum mit lang anhaltendem Applaus belohnt wurde.

(APA)

Aufgerufen am 12.12.2018 um 03:50 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/viel-applaus-fuer-einen-kompakten-salzburger-hamlet-60353935

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