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Von Lärm bis Hörgenuss: Dem Schall auf der Spur

Wie funktioniert räumliches Hören und wie lässt es sich auf Kopfhörer übertragen? Warum hilft eine Lärmschutzwand gegen Autobahn-Geräusche nur bedingt? Wie kann man das Hörerlebnis von Cochlea-Implantatträgern verbessern? Diesen Fragen gehen die rund 40 Forscher vom Institut für Schallforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) nach.

Das Feld der Schallforschung ist ein weites: Es geht vom Sprechen und der Produktion von Schall über die (Signal-)Übertragung bis hin zum Hören. Schallforscher wird man über Umwege.

Schallforscher aus verschiedenen Disziplinen

"Wir vereinen viele Disziplinen und profitieren enorm von den unterschiedlichen Ansichten und Zugängen - auch wenn man anfangs vielleicht erst eine gemeinsame Sprache finden muss", streicht Direktor Peter Balazs, ehemaliger START-Preisträger, bei einem Besuch der APA eine Besonderheit seines Instituts hervor. So kooperieren Mathematiker, Numeriker, Musikwissenschafter und Toningenieure eng mit Psychologen, Sprachwissenschaftern, Elektrotechnikern, Informatikern oder Bauingenieuren.

Lärmbelästigung an Autobahnen verringern

Das Institut betreibt Grundlagenforschung, die Ausgangsfrage eines Projekts betrifft dennoch meist eine konkrete Anwendung. So wurde in Kooperation mit der Technischen Universität (TU) Wien im Rahmen eines Projekts der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) für die Asfinag untersucht, ob und wie sich die Lärmbelästigung für Anrainer durch Rumpelstreifen am Fahrbahnrand verringern lässt, ohne dadurch ihre sicherheitserhöhende Wirkung - sie erzeugen Vibrationen und ein störendes Geräusch, sobald sie befahren werden - zu mindern. Experimentiert wurde mit einer Variation der Abstände der gefrästen Rillen.

Lärmschutzwand hilft nicht bei geringen Frequenzen

Warum gegen den Lärm nicht einfach Lärmschutzwände aufstellen? Diese bringen nicht immer die gewünschte Wirkung, denn tiefe Frequenzen schwingen über die Wand hinweg. Dadurch ändere sich das Klangspektrum, was den positiven Effekt der Lärmschutzwand verringern könne. Und auch die Eigenschaft einer Lärmschutzwand, Geräusche zu absorbieren, hat einen wichtigen Effekt: Ohne Absorption wird Lärm auf die andere Seite reflektiert - somit nimmt bei stark reflektierenden Lärmschutzwänden, etwa aus Glas, die Lärmbelastung dort unter Umständen zu.

Europaweit einmaliges Studio

Ein Kernstück des Instituts ist das "europaweit einmalige" Loudspeaker-Array-Studio mit 91 individuell ansteuerbaren Lautsprechern, erläutert Piotr Majdak von der Arbeitsgruppe Psychoakustik und experimentelle Audiologie (EAP). Während der Mensch intuitiv feststellt, aus welcher Richtung und Entfernung ein Geräusch kommt, gibt das räumliche Hören der Forschung nach wie vor Rätsel auf.

Mit dem mobilen Labor kann virtuelle Akustik - das heißt Schallfelder oder Schallquellen in beliebiger Distanz und Richtung - erzeugt werden. "Hört man über das Handy Musik und es ruft jemand an, wäre es toll, wenn die Musik in den Hintergrund rückte und die Stimme des Anrufers von vorne käme. Noch ist das nicht möglich, weil wir räumliches Hören zu wenig verstehen", zeigt Majdak auf.

Cochlea-Implantat überträgt keine Ironie

Die Forschungsgruppe Akustische Phonetik wiederum beschäftigt sich mit der Wahrnehmung von Ironie unter Cochlea-Implantat-Trägern im Vergleich zu normal Hörenden. Ironie wird bei Hörenden über eine Grundfrequenz übertragen, die Tonhöhe. Träger eines Cochlea-Implantat nehmen diese Grundfrequenz nicht so gut wahr. Da sich bei Implantaten nur eine bestimmte Anzahl von Frequenzbändern darstellen lässt, fehlt aus allen Frequenzbereichen ein klein wenig - das Gehörte klingt gefiltert, ein wenig "blechern" und emotionslos. "Implantate werden auf die Sprachverständlichkeit optimiert und weniger darauf, beispielsweise Musik möglichst schön zu hören", so Bacher.

(APA)

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 19.07.2019 um 04:08 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/von-laerm-bis-hoergenuss-dem-schall-auf-der-spur-58301494

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