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Wahl in afghanischer Provinz Kandahar verschoben

General Razeq wurde bei einem Anschlag getötet APA (Archiv/AFP)
General Razeq wurde bei einem Anschlag getötet

Die Parlamentswahl in der südafghanischen Provinz Kandahar wird nach dem tödlichen Anschlag auf den dortigen Polizeichef um eine Woche verschoben. Man folge der Empfehlung der Wahlkommission, teilte ein Sprecher des Präsidialamtes am Freitag in Kabul mit. Die Wahl sollte ursprünglich wie im übrigen Land an diesem Samstag stattfinden.

Ihre Verschiebung in der strategisch wichtigen Provinz ist ein Rückschlag für die Demokratisierung des Landes, das seit 17 Jahren unter dem Krieg leidet. Die Parlamentswahl ist auch ein Probelauf für die im April geplante Präsidentenwahl und ein Test, ob die vom Westen gestützte Regierung in Kabul die Sicherheit gewährleisten kann. Die radikal-islamischen Taliban bekannten sich zu dem Anschlag vom Donnerstag, riefen erneut zum Wahlboykott auf und drohten mit der Abriegelung von Straßen.

Die unabhängige Wahlkommission hatte empfohlen, die Abstimmung auszusetzen, und dies mit dem tödlichen Attentat auf den Polizeichef von Kandahar, General Abdul Razeq, begründet. Ein Sprecher des Gremiums sagte, die Menschen seien nach dem Anschlag "moralisch nicht in der Lage zu wählen". Die Entscheidung des Nationalen Sicherheitsrates für die Verschiebung fiel trotz Warnungen, dadurch könne der gesamte Wahlprozess infrage gestellt und den Taliban ein immenser Propagandasieg zuteil werden.

Razeq war eine der einflussreichsten politischen Figuren im ganzen Land und ein erbitterter Gegner der Taliban. Kritiker warfen ihm jedoch vor, er habe Händlern und Geschäftsleuten Millionen Dollar abgepresst. Menschenrechtler kritisierten, er habe Gefangene foltern lassen, was Razeq bestritt. Das UNO-Komitee gegen Folter zitierte "zahlreiche und glaubwürdige Anschuldigungen", Razeq sei in schwere Verstöße gegen die Menschenrechte verwickelt gewesen. Im US-Militär galt er gleichwohl als einer der effektivsten Polizeichefs im ganzen Land. US-Offiziere werteten seine rücksichtslosen Methoden als wirksamste Waffe gegen die Taliban.

Razeq geriet wiederholt mit Präsident Ashraf Ghani aneinander und überstand mehrere Versuche, ihn abzusetzen. In Kandahar und den angrenzenden Provinzen genoss er jedoch weithin die Unterstützung der Bevölkerung. Vor allem wurde Razeq zugutegehalten, dass unter seiner Ägide die Provinz Kandahar weitgehend unter Kontrolle war.

Razeq und der Geheimdienstchef der Provinz wurden vor der Residenz des Gouverneurs getötet. Dort hatten sich Vertreter der afghanischen Behörden mit dem obersten Kommandanten der ausländischen Truppen, US-General Scott Miller, getroffen. Als eine Gruppe die Beratungen verließ, schoss ein Leibwächter auf sie. Miller entging dem Anschlag. Er nannte Razeq einen großen Freund. "Afghanistan hat eine Patrioten verloren", twitterte er. "Das Gute, das er für Afghanistan und das afghanische Volk getan hat, kann nicht ungeschehen gemacht werden."

Die UNO-Unterstützungsmission in Afghanistan (Unama) zeigte sich besorgt über Drohungen der Taliban, sie würden Schulen und andere als Wahllokale genutzte Gebäude angreifen. Die Parlamentswahl ist schon jetzt gezeichnet von chaotischer Organisation und Betrugsvorwürfen. Tausende Polizisten und Soldaten sind im ganzen Land im Einsatz, um die Abstimmung abzusichern. Bisher wurden neun Kandidaten und Hunderte weitere Menschen bei Anschlägen getötet, die im Zusammenhang mit der Wahl standen. Vertreter der Sicherheitsbehörden befürchten, dass die Gewalt viele Menschen von der Abstimmung fernhalten könnte.

(APA/ag.)

Aufgerufen am 15.12.2018 um 10:27 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/wahl-in-afghanischer-provinz-kandahar-verschoben-60437581

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