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Wechselstubenbetreiber zweigte 1,8 Mio. Euro ab

Der Mann muss 2,5 Jahre in Haft APA (dpa/Archiv)
Der Mann muss 2,5 Jahre in Haft

Der 51-jährige Betreiber einer Wechselstube ist am Donnerstag am Landesgericht Feldkirch wegen Veruntreuung zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Die Anklage sprach von über 1,8 Mio. Euro Schaden. Der geständige Angeklagte begründete die Malversationen unter anderem mit einer Persönlichkeitsstörung. Das Urteil des Schöffengerichts ist nicht rechtskräftig.

Sieben Jahre lang soll der Angeklagte Gelder abgezweigt haben, die er beim Umwechseln von Währungen einnahm, zumeist Schweizer Franken in Euro und umgekehrt. Laut der Anklageschrift lag der Schaden, der seiner Bank durch entgangene Gebühren dabei entstanden ist, bei 1,8 Mio. Euro. Zudem lieferte der Mann einem Autofahrerklub zustehende Gelder für über hundert Jahresvignetten nicht ab, hier belief sich der Schaden auf rund 10.600 Euro.

Wie genau es zu dem hohen Fehlbetrag kommen konnte und wieso das Vorgehen des Mannes seitens der Bank so lange nicht entdeckt wurde, blieb unklar. Ein geladener Bankvertreter entschuldigte sich am Donnerstag. Die Staatsanwaltschaft kritisierte das Geldinstitut, dessen Kontrollmechanismen offenbar völlig versagt hätten

Vor Gericht gab der Mann an, der Umbau seines Hauses und sein aufwendiger Lebensstil hätten ihn in den Konkurs getrieben. Mit seinen an sich guten Einnahmen schaffte er "sinnlosen Luxus" an, wie er eingestand. Er leistete sich teure Spielzeugbagger, Modelleisenbahnen, Autos und insgesamt zehn Grillstationen. "Ich war wie ein Getriebener", gab er im Prozess zu Protokoll.

Gerichtspsychiater Reinhard Haller attestierte dem Mann eine Persönlichkeitsstörung, die die Zurechnungsfähigkeit zwar mindere, aber nicht ausschließe. Der Angeklagte bereute sein Verhalten, und erklärte, er könne es heute selbst nicht nachvollziehen und verstehen.

Angesichts eines Strafrahmens von bis zu zehn Jahren beurteilte die Richterin die verhängten zweieinhalb Jahre Haft als angemessene Sanktion. Mildernd wirkten sich das reumütige Geständnis, die eingeschränkte Zurechnungsfähigkeit sowie die teilweise Schadenswiedergutmachung aus, ebenso die bisherige Unbescholtenheit und der Umstand, dass die Kontrollmechanismen der Bank offenbar versagten. Erschwerend wirkte sich der hohe Schadensbetrag und der lange Tatzeitraum aus, so das Gericht. Der Angeklagte muss der geschädigten Bank 1,5 Mio. Euro bezahlen, dem Autofahrerklub 10.600 Euro. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

(APA)

Aufgerufen am 15.12.2018 um 11:34 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/wechselstubenbetreiber-zweigte-1-8-mio-euro-ab-60335212

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