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Wieder Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland

Polizei geht von fremdenfeindlichen Hintergrund aus Salzburg24
Polizei geht von fremdenfeindlichen Hintergrund aus

In Deutschland ist es in der Nacht auf Freitag erneut zu Angriffen auf Flüchtlingsheime gekommen. Im Norden des Landes warfen unbekannte Täter einen Molotowcocktail durch das Fenster einer Asylwerberunterkunft, die Bewohner blieben unverletzt. Auch im ostdeutschen Aue brennt eine Unterkunft. In Heidenau, wo es zuletzt zu schweren Ausschreitungen gekommen ist, gilt nun ein Versammlungsverbot.

Im norddeutschen Salzhemmendorf bei Hameln (Niedersachsen) durchbrach der Brandsatz das geschlossene Fenster eines ehemaligen Schulgebäudes, das nun als Flüchtlingsunterkunft genutzt wird. Eine Mutter und deren drei kleinen Kinder aus Simbabwe, die im Nebenraum schliefen, blieben nach Angaben der Polizei unverletzt. Ein Teppich und eine Matratze gerieten in Flammen. In dem Gebäude leben mehr als 30 Flüchtlinge.

Auch im Osten Deutschlands hat es in einem Asylbewerberheim gebrannt. Die Ursache für das Feuer am Freitag in der bewohnten Unterkunft in Aue war zunächst unklar. Laut einem Bericht der Zeitung "Freien Presse" in Chemnitz wurde in dem Zusammenhang am Vormittag ein älterer Mann festgenommen. Nach Polizei-Angaben hatten Unbekannte bereits in der Nacht auf dem Gelände einen Müllcontainer angezündet.

Aue befindet sich im deutschen Bundesland Sachsen - ebenso wie die Kleinstadt Heidenau, die wegen rassistischer Ausschreitungen am vergangenen Wochenende in die Schlagzeilen geraten war. Bei den Krawallen hatten rechte Gewalttäter zwei Nächte lang Polizisten angegriffen und Flüchtlinge bedroht. Dabei wurden mehr als 30 Beamte verletzt. Am Mittwoch hatte Kanzlerin Angela Merkel die Unterkunft besucht. Dabei war sie von Demonstranten ausgebuht und beschimpft worden.

Aus Furcht vor neuen Ausschreitungen ist in Heidenau für dieses Wochenende ein öffentliches Versammlungsverbot verhängt worden, das zwischen Freitag 14.00 Uhr und Montag 6.00 Uhr gilt. Als Grund wurde Personalmangel bei der Polizei genannt. Für Freitagnachmittag war in Heidenau ein Willkommensfest für Flüchtlinge geplant. Parallel dazu wollten auch rechte Gegner der Flüchtlingsunterkunft erneut auf die Straße gehen. Sie hatten im Internet zu einer Demonstration aufgerufen.

Kein Verständnis für das Versammlungsverbot zeigte der deutsche Vizekanzler und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Er verstehe, dass Neonazis angesichts der jüngsten Ausschreitungen keine Versammlung erlaubt werde. Er könne jedoch nicht verstehen, wieso auch Demokraten betroffen seien, die für einen vernünftigen Umgang mit Flüchtlingen plädierten. "Es gibt keinen Grund, die beiden gleich zu behandeln", sagte der SPD-Vorsitzende. "Das eine sind zum Teil Gewalttäter und Kriminelle, und das andere sind Menschen mit Zivilcourage."

Der Staat dürfe nicht zurückweichen, sagte Gabriel. "Man kann nicht nach dem Aufstand der Anständigen rufen, wenn es keinen Anstand der Zuständigen gibt." Wenn die sächsische Polizei sich nicht in der Lage fühle, ein geplantes Willkommensfest für Flüchtlinge zu schützen, müsse sie in anderen Bundesländern um Unterstützung fragen.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 14.04.2021 um 02:19 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/wieder-angriffe-auf-fluechtlingsunterkuenfte-in-deutschland-48192157

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