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Zeichen für Flüchtlinge in Wien: Über 100.000 bei Solidaritäts-Konzert

Zehntausende setzten sich am Wiener Heldenplatz für Flüchtlinge ein. APA/epa
epa04962102 A general aerial view showing thousands of people attending the solidarity concert 'Voices for Refugees', at Heldenplatz, Vienna, 03 October 2015. Many Austrian and international artists and bands are playing for free to show solidarity with the refugees, who are seeking shelter in Austria and other European countries. EPA/ÖAMTC / HANDOUT HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Zehntausende Menschen haben am Samstag in Wien ihre Solidarität mit den derzeit nach Europa kommenden Flüchtlingen bekundet. Am Nachmittag zogen mehr als 20.000 Demonstranten unter dem Motto "Flüchtlinge Willkommen!" vom Westbahnhof zum Parlament. Im Anschluss fanden sich über 100.000 Menschen am Heldenplatz zu einem Solidaritäts-Konzert mit prominenter Besetzung ein.

Zu Beginn der Kundgebung der "Plattform für eine menschliche Asylpolitik" um 13.15 Uhr performten Flüchtlinge aus Traiskirchen Auszüge aus Elfriede Jelineks Stück "Die Schutzbefohlenen". Vertreter der Veranstalter hießen alle Flüchtlinge willkommen - "egal ob sie durch Krieg, Verfolgung oder aus anderen Gründen zur Flucht gezwungen wurden". Gefordert wurde eine menschenwürdige Behandlung von Flüchtlingen, Qualitätsstandards in der Betreuung und die Öffnung der Grenzen. Zu Wort kamen außerdem Flüchtlinge, die über ihre Situation berichteten.

Über 100.000 demonstrieren für Flüchtlinge

Gegen 14.20 Uhr setzte sich der Demonstrationszug in Bewegung. Die Route führte über die Mariahilfer Straße, Babenbergerstraße und Ring bis zum Parlament, wo kurz vor 16.00 Uhr die Abschlusskundgebung startete. Unter den Teilnehmern der Demonstration waren neben zahlreichen Familien auch eine Blasmusikkapelle; Transparente mit Aufschriften wie "Flüchtlinge rein! FPÖ raus", "Menschenrechte für alle" oder auch "Solidarität" wurden hochgehalten. Auf der Mariahilfer Straße überschritten sie 2.000 Porträts von Flüchtlingen und Helfern, die bereits in der Nacht auf Samstag von der Initiative "Inside Out Austria" auf den Straßenboden geklebt worden waren. Die Fotos - als "Walk of Fame der Menschlichkeit" bezeichnet - zogen sich über eine Länge von rund 300 Metern.

Veranstaltung verläuft ohne Zwischenfälle

Die hohe Zahl der Teilnehmer zeigte sich auch daran, dass das Ende des Demonstrationszuges noch am Ausgangspunkt am oberen Ende der Mariahilfer Straße stand, als die Spitze bereits beim Parlament angelangt war. Insgesamt nahmen laut Polizei mehr als 20.000 Personen an der Veranstaltung teil. Die Organisatoren selbst sprachen von rund 60.000 Teilnehmern. Die Polizei war mit 400 Beamten im Einsatz, die gesamte Kundgebung verlief ohne Zwischenfälle. Im Anschluss an die Schlusskundgebung fand auf dem Heldenplatz ein Solidaritätskonzert unter dem Titel "Voices for Refugees" statt, das bis zum späten Abend dauern sollte. Die u.a. von der Volkshilfe initiierte Veranstaltung machte Stimmung für "ein menschliches Europa". Der Eintritt zum Open Air war frei, es wurden Spenden gesammelt.

Mega-Konzert für Solidarität

Das Konzert versammelt rund 15 heimische und internationale Künstler, neben den Toten Hosen etwa Conchita Wurst, Bilderbuch, Zucchero, Konstantin Wecker und Kreisky. Diverse Sportler - von David Alaba bis Marcel Hirscher - und Prominente sowie Künstler schickten Videobotschaften. Zudem hielt Bundespräsident Heinz Fischer hielt eine eindringliche Ansprache. "Menschen in Not brauchen Zuwendung, wir dürfen uns nicht abwenden", sagte das Staatsoberhaupt. "Ich sage es mit aller Deutlichkeit: Ich wende mich nicht von denen ab, die Sorgen und Ängste haben", betonte Fischer. "Aber ich wende mich von denen ab, die aus der Not der Flüchtlinge ein Geschäft machen, sei es ein wirtschaftliches oder politisches." Der Bundespräsident forderte, dass "alle Staaten der europäischen Gemeinschaft etwas beitragen" müssten.

Campino appelliert an Menschlichkeit

"Ihr habt als erste so etwas in dieser Dimension auf die Beine gestellt", sagte Hosen-Sänger Campino. Und fügte hinzu: "Lasst euch diese bunte Stadt von diesem Karl Heinz Christian nicht wegnehmen." Die Band aus Düsseldorf bracht zum Abschluss des Konzerts, dynamisch wie immer, ein hauptsächlich politisches ausgerichtetes Programm mit Liedern wie "Willkommen in Deutschland", "Europa" und "Schrei nach Liebe". Tausende von in die Höhe gehaltenen leuchtenden Handys gaben eine stimmungsvolle Kulisse ab. "Dieses Bild soll um die Welt gehen", meinte Campino. Volkshilfe-Direktor Fenninger warnte: "Wenn das Asylrecht fällt, fällt das Menschenrecht." Den Veranstaltungsort habe man nicht zufällig gewählt. Man werden es nicht zulassen", dass sich die Fehler der Vergangenheit wiederholen. Ergreifendste Wortspenden kamen von Flüchtlingen. Ein Mädchen auf der Bühne berichtete etwa mit Tränen in den Augen: "Wir haben in Syrien kein Wasser und keinen Strom. Aber das ist nicht das Problem. Sondern viele Menschen sind tot."

 

(APA)

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