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Zu wenig privates Risikokapital für Start-ups in Österreich

In Österreich mangelt es nach wie vor massiv an Beteiligungskapital für junge Unternehmen, beklagt der Private-Equity-Branchenverband AVCO. Voriges Jahr wurden 108,6 Mio. Euro an privatem Wachstumskapital in 129 kleine und mittlere Unternehmen investiert - damit ist Österreich im EU-Vergleich eines der Schlusslichter.

Lediglich 0,032 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) haben heimische Fonds in wachsende Unternehmen gesteckt. Der EU-Schnitt liegt bei 0,302 Prozent. Spitzenreiter war mit Abstand Großbritannien (0,799 Prozent) - dort hat die Venture-Capital-Industrie aber auch schon eine längere Geschichte. Vergleichsweise viel haben Fonds auch in Frankreich und Dänemark (jeweils 0,433 Prozent der Wirtschaftsleistung) sowie in Schweden und Norwegen lockergemacht.

Wie die Start-up-Branche ist auch AVCO-Geschäftsführer Jürgen Marchart der Meinung, dass die sogenannte Anschlussfinanzierung in Österreich das größere Problem sei. Momentan gehe der Trend hin zur Frühphase, da gebe es viel Angebot und viel Nachfrage, so Marchart zur APA. Wenn Start-ups dann aber ein paar Millionen brauchen, um zu expandieren, ist kein Financier mehr da. Die Jungunternehmen müssen sich im Ausland nach Geldgebern umsehen.

Ein Geldproblem haben auch die Fonds selbst. 2014 hatte es mit rund 13 Mio. Euro praktisch keinen Nachschub gegeben, 2015 stiegen die Finanzierungszusagen immerhin auf 111 Mio. Euro. Bereits seit Jahren stecken institutionelle Investoren - Banken, Versicherungen, Pensionsfonds - keine Mittel mehr in Fonds, so Marchart.

"Das ist einerseits eine Folge der Finanzkrise, andererseits liegt es an den schwierigen europäischen Rahmenbedingungen, die in Österreich besonders restriktiv implementiert wurden." Aufgrund der europäischen Hedgefondsrichtlinie "sind die kleinen österreichischen Fonds mit den gleichen Auflagen versehen wie milliardenschwere Hedgefonds", sagte der Vertreter der Private-Equity- und Venture-Capital-Industrie.

Mit der Folge, dass mittlerweile private Investoren den Großteil der Fondsvolumina, nämlich drei Viertel, stellen. Hauptverantwortlich dafür war Speedinvest: der Wiener Start-up-Finanzierer hat zahlreiche namhafte Wirtschaftstreibende und Unternehmen ins Boot geholt.

Auch die Gründerszene in Wien hat im internationalen Vergleich noch keine "kritische Masse" erreicht und hinkt den europäischen Start-up-Metropolen London, Berlin oder Paris hinterher. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht der Unternehmensberatung Roland Berger und des Wiener Start-up-Festivals Pioneers. Das Wiener Start-up-"Ökosystem" wachse zu langsam.

Für den Bericht wurden 53 Interviews mit erfolgreichen Gründern, Investoren, Konzernvorständen, Bildungseinrichtungen und Agenturen geführt. Insgesamt identifizierten die Studienautoren für Wien 318 Start-ups mit 2.392 Mitarbeitern aus sieben Sektoren, 116 Start-ups aus dem Bereich "Lifestyle & Entertainment", 99 aus "Business & Productivity" und 46 aus "Life Science & Agriculture".

Als Stärke des "Ökosystems" bezeichneten die Interviewten die Förderlandschaft in Österreich in der Frühphase und erfolgreiche heimische Vorbilder wie die Fitness-App Runtastic und die Flohmarkt-App Shpock. Österreich habe beim Humankapital auch noch Vorteile gegenüber den führenden Start-up-Hubs, aufgrund der Verfügbarkeit und den Kosten der Mitarbeiter, und die Wiener Universitäten seien besser als ihr Ruf.

Als Schwächen sehen die Experten, dass Unternehmertum ("Entrepreneurship") in anderen europäischen Metropolen eine viel höhere politische Priorität habe als in Österreich, die heimische Förderlandschaft nach der Frühphase einbreche und das Sicherheitsdenken hierzulande noch weitverbreitet sei. Außerdem sollten die Wiener Hochschulen ihren Output auch an Unternehmensgründen messen.

Als alarmierend werten die Studienautoren auch, dass Wien nicht im renommierten "Compass Report", einem jährlichen Ranking zu globalen Start-up-Metropolen, vertreten ist.

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(Quelle: S24)

Aufgerufen am 19.09.2021 um 12:44 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/zu-wenig-privates-risikokapital-fuer-start-ups-in-oesterreich-52135495

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