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"Zwangsarbeit im Nationalsozialismus" - Ausstellung in Steyr

Zwangsarbeiterinnen der Herrmann-Göring-Werke in Linz Salzburg24
Zwangsarbeiterinnen der Herrmann-Göring-Werke in Linz

Eine internationale Ausstellung zeigt das vielfach unterschätzte Ausmaß von "Zwangsarbeit im Nationalsozialismus" ab Donnerstag exklusiv in Österreich im Museum Arbeitswelt in Steyr in Oberösterreich auf. Demnach handelte es sich um ein "weitgehend öffentliches Verbrechen" an rund 20 Millionen Menschen aus fast allen Ländern Europas.

Die Zwangsarbeiter - Frauen, Männer und Kinder - waren in Rüstungsbetrieben wie der Steyr-Daimler-Puch AG ebenso wie auf Baustellen, in der Landwirtschaft, im Handwerk oder in Privathaushalten eingesetzt. "Alle sind ihnen begegnet - ob als Wehrmachtssoldat in den besetzten Gebieten oder als Bäuerin in Oberösterreich. Zwangsarbeit war kein Geheimnis, sie war ein weitgehend öffentlich stattfindendes Verbrechen", heißt es im Begleittext zur Ausstellung. Und es sei als "Gesellschaftsverbrechen" erkennbar: "Denn immerhin gehörten zu den Profiteuren und Akteuren nicht nur genuin nationalsozialistische Institutionen oder große (Rüstungs-)Unternehmen, sondern auch Millionen von Handwerkern, Landwirten, Privathaushalten und sogar karitative Einrichtungen der Kirchen", erläutert der Direktor der Stiftung "Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora" Volkhard Knigge.

Über 60 repräsentative Fallgeschichten bilden den Kern der Ausstellung. Sie berichten von der entwürdigenden Arbeit politisch Verfolgter in Chemnitz bis hin zur mörderischen Sklavenarbeit von Juden in der besetzten Sowjetunion und dem Zwangsarbeiteralltag auf einem Bauernhof in Niederösterreich oder in der Rüstungsindustrie in Steyr. Sie sind ebenso wie rund 450 gezeigte Dokumente und Fotos das Ergebnis von akribischen internationalen Recherchen in öffentlichen und privaten Archiven. Dazu kommen Medienstationen mit Berichten von 38 Zeitzeugen.

Der Ausstellungsort Museum Arbeitswelt hat einen Bezug zum Thema. Es ist in einem ehemaligen Betriebsgebäude der Steyr-Daimler-Puch AG untergebracht. Der Rüstungskonzern - bis 1934 Steyr-Werke - gehörte zu den größten im "Dritten Reich" und erfuhr in dieser Zeit die umfangreichste Expansion seiner Geschichte. 1944 hatte er etwa 50.000 Beschäftigte an verschiedenen Standorten im Reich und in den besetzten Ländern. Unter massivem Einsatz von zivilen Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen wurden Panzer, Gewehre und andere Kriegsgüter produziert. In Steyr entstand auf Initiative des Generaldirektors und SS-Standartenführers Georg Meindl in Münichholz eines der ersten Außenlager des KZ Mauthausen.

Die von der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" (EVZ) initiierte und von ihr geförderte Schau war zuvor in Berlin, Hamburg, Dortmund, Prag, Warschau und Moskau zu sehen. Sie steht unter dem Ehrenschutz des österreichischen Bundespräsidenten Heinz Fischer und der Schirmherrschaft des deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck.

(Quelle: S24)

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