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Lange Wartelisten

Wer zu Ostern ein neues Fahrrad will, muss suchen

E-Bikes, Mountain- und Kinderfahrräder in Salzburg heiß begehrt

Fahrrad_IKO_Rad_Verkauf Iko Europe GmbH
Zweiräder sind vor allem in der Corona-Pandemie zum Objekt der Begierde geworden. (SYMBOLBILD)

Der Fahrrad-Boom sorgt heuer erneut für Engpässe. Wartezeiten in Salzburg von einem halben Jahr für die klassischen Ostergeschenke sind keine Seltenheit. Das sorgt auch für steigende Preise bei den Zweirädern. Wir haben uns die Situation in Salzburg genauer angesehen.

Salzburg

Ein Kinderfahrrad für das Oster-Nest oder ein Damen-Modell mit einem Tiefeinsteiger? Ja gerne, aber nicht jetzt. So lautet die Botschaft bei Salzburgs Fahrrad-Händlern.

Die Nachfrage ist größer als das Angebot. Wer sich ein neues Rad kaufen und ein bestimmtes Modell haben will, braucht Geduld.

 

Viele Fahrräder in Salzburg vergriffen

"Man kann derzeit wirklich nicht sagen, wann ein neues Fahrrad kommt. Wenn man ein bestimmtes Rad sucht oder will, ist man zu spät dran", sagte Mario Schoibl, stellvertretender Geschäftsführer vom Intersport Bründl im Gespräch mit SALZBURG24. Ein halbes Jahr Wartezeit für ein gewünschtes Modell – damit müssen die Interessenten grundsätzlich rechnen. Täglich werden angeforderte Räder gestrichen bzw. die Bestellungen geändert.

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Fahrrad-Touren erlebten schon vor Corona eine Renaissance, die Pandemie hat den Boom weiter befeuert. (SYMBOLBILD)

Besonders gefragt sind E- oder Mountain- und Citybikes. Beliebt sind ebenso Damen- und Kinder-Zweiräder. Auch Standard-Ersatzteile (Bremsscheiben) sind ebenso vergriffen wie Zubehör-Artikel (Fahrradhelme, Schuhe und Pedale).

 

Daniel Niederreiter, Abteilungsleiter für Fahrräder im Iko Sport & Bike, bestätigt die Engpässe: "Die Verfügbarkeit von speziellen Rädern ist angespannt, auch wenn wir noch viele lagernd und sofort zur Verfügung haben."

Ungebrochener Fahrrad-Trend

Frühlingszeit ist Radfahrzeit. Fahrräder erfreuen sich seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie steigender Beliebtheit. Oft werden die Drahtesel als Alternative zu den öffentlichen Verkehrsmitteln verwendet. "Viele Leute wollen ihr Urlaubsgeld in ein neues Zweirad investieren. Wir haben spürbar mehr Anfragen als die letzten Jahre", erklärte Niederreiter.

 

Das Problem: Die weltweiten Lockdowns haben die globalen Lieferketten unterbrochen. Die Nachfrage nach Fahrrädern ist so groß, dass die Firmen mit der Produktion nicht nachkommen.

leisure-1379439_1920.jpg Pixabay

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"Freilich, die Wartezeiten sind länger als gewohnt. Aber dank unserer breiten Produktpalette sind wir ganz gut aufgestellt", sagt Yalcin Fidanogullari, Betriebsleiter von Bergspezl am Standort in der Stadt Salzburg. Er betont, dass die Nachfrage "wahnsinnig hoch ist. Viele Kauf-Interessierte sichern sich Räder im Vorfeld und warten freiwillig bis zu einem halben Jahr darauf."

Transportprobleme verschärfen Rad-Mangel

Das Nadelöhr seien die Lieferkette und wiederkehrend fehlende Komponenten. Für Stefan Limbrunner, Geschäftsführer von KTM-Fahrrad, sei die Corona-Pandemie der Hauptgrund für den "weltweit größten Fahrrad-Boom aller Zeiten", wie er auf S24-Anfrage betont. Der Chef der oberösterreichischen Fahrradschmiede rechnet mit einem Verkaufs-Zuwachs von 20 bis 30 Prozent.

 

KTM beschäftigt in Mattighofen rund 500 Mitarbeiter, 15 Prozent mehr als vor der Krise. Statt 800 montieren diese 1.000 Räder am Tag. "Wir haben noch nie so viel investiert, erweitern zudem unsere Infrastruktur mit drei neuen Hallen", sagte Limbrunner.

Hinzu kommt, dass auch freie Container Mangelware seien. Angesichts des Umstands, dass gut die Hälfte der Einzelteile aus Asien importiert werden, kein unbedeutender Faktor. KTM steigt daher teilweise auf Luftfracht um. Letztes Jahr verkaufte der heimische Marktführer 265.000 Fahrräder, 350.000 werden es heuer und 2022 wohl 450.000 werden, schätzt Limbrunner. Nach 290 Millionen Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2018/19 liege man derzeit bei einem Auftragsbestand von 500 Millionen Euro.

Leichter Preisanstieg bei allen Fahrrädern

Das Lieferbudget hätte sich vervielfacht, bestätigt Bründl-Experte Schoibl. Einzelne Hersteller hätten die höheren Logistikkosten geschluckt, andere wiederum geben sie an den Kunden weiter. Zwischen fünf bis zehn Prozent seien Räder zum Teil teurer geworden.

Wurde bislang 1.500 Euro verlangt, steht nun oft 1.650 auf dem Preisschild. Auch bei kleinen Verschleißteilen müssen die Interessenten tiefer ins Geldbörserl greifen. Den Sparstift sollen die Kunden bei neuen Fahrrädern aber ohnehin nicht ansetzen. "Viele sichern sich mit einer Anzahlung das Wunschstück und nehmen die lange Wartezeit in Kauf", betonte Fidanogullari von Bergspezl.

Salzburger Fahrrad-Händler erwarten Hoch im April

Rund ein Viertel der rund 400.000 in Österreich verkauften Räder, die im Vorjahr über die Theke gingen, waren strombetrieben. Hält dieser Boom an, könnte der Anteil in den kommenden Jahren auf 40 bis 50 Prozent steigen. Ob E-Bike, City- oder Mountainbike: Die Salzburger Händler raten, sich das Objekt der Begierde rechtzeitig zu sichern.

Nach dem ersten Verkaufshoch im Februar erwarten die Fahrradhändler im April den nächsten Ansturm. So mancher Händler habe bereits angedeutet im Sommer zwei bis drei Wochen zuzusperren, sagt Limbrunner. Ähnlich wie letztes Jahr – als viele Shops leer standen – dürfte auch heuer so manchem die Ware ausgehen.

Somit dürfte sich die Oster-Suche nach dem gewünschten Fahrrad wohl noch tief in den Sommer verlängern.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 24.10.2021 um 02:12 auf https://www.salzburg24.at/sport/fahrraeder-in-salzburg-auch-heuer-mangelware-101476378

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