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Steile Karriere

"Adi Hütter ist in Europas Elite angekommen"

Das sagen Wegbegleiter über den Erfolgs-Trainer

Ex-Bullen- und Grödig-Trainer Adi Hütter gab am Dienstag seinen Wechsel innerhalb der deutschen Bundesliga von Eintracht Frankfurt zu Borrussia Mönchengladbach bekannt. Wir blicken auf die steile Karriere des 51-Jährigen und lassen ehemalige Weggefährten zu Wort kommen.

"Die Entscheidung, zur neuen Saison ein neues Kapitel aufzuschlagen, habe ich mir nicht leicht gemacht. Ich habe hier drei unglaublich erfolgreiche und intensive Jahre erlebt, die ich gemeinsam mit der Mannschaft zum Ende dieser Saison mit einem herausragenden Ergebnis abschließen möchte.“

Mit diesem Zitat gab Adi Hütter am Dienstag seinen nicht ganz unumstrittenen Abschied zu Saisonende als Frankfurt-Coach bekannt.

Der 51-Jährige wird nach drei Jahren an der Main-Metropole um die kolportierte Rekord-Ablöse von 7,5 Millionen Euro bei Bundesliga-Konkurrent und Traditionsverein Borussia Mönchengladbach anheuern. Diesem Karrieresprung liegt ein erfolgreicher und steiler Aufstieg zugrunde.

Pfeifenberger erkennt Hütters Potenzial

Hütters letzte Station als erfolgreicher Spieler war bei den Red Bull Juniors, dem Vorgänger des heutigen FC Liefering. Sein ehemaliger Mitspieler bei Austria Salzburg, Heimo Pfeifenberger, lockte den damals 35-Jährigen in den Bullen-Stall. Der Leithammel erhielt ein vierjährig dotiertes Arbeitspapier mit einem Anschlussvertrag als Trainer.

„Es war damals unübersehbar, was für ein riesiges Potenzial Adi hatte. Er ist immer seinen eigenen Weg gegangen, war top strukturiert und hatte ein super Gespür, welche Leute er um sich braucht“, erklärte Pfeifenberger im Gespräch mit SALZBURG24 und streut seinem Weggefährten Rosen: “Mittlerweile ist er in der Trainer-Elite Europas angekommen. Wenn du so viele Erfolge feierst, gehörst du zu den ganz Großen.”

Vom Spieler zum Trainer

Auch die Bullen erkannten früh die Qualitäten Hütters und beförderten ihn direkt auf die Trainerbank. Nach seinem Job als „Co“ unter Michael Streiter übernahm er dann für ein Jahr den Posten des Cheftrainers. Für seine erste Station im Profifußball wechselte er in seine Heimat Vorarlberg, wo er Altach in der damaligen „Erste Liga“ (zweite Spielklasse) übernahm.

Entlassung spornt an

Völlig überraschend wurde er damals einen Monat vor Saisonende, auf dem zweiten Tabellenplatz stehend und mit Chancen auf den Aufstieg, entlassen. Dieser Stachel saß tief, was er immer wieder in Gesprächen anmerkte. Auf der anderen Seite war dieser Dämpfer der Ansporn und Startschuss seiner steilen Trainer-Karriere.

Anfang einer steilen Karriere

Seine nächste Station führte Hütter zurück vor die Tore Salzburgs. Schon kurz nach seiner Entlassung in Altach ließ er sich mit Grödig-Manager Christian Haas auf der VIP-Terrasse der damaligen Untersberg-Arena blicken. „Ich bin Grödig sehr dankbar, dass ich nach meinem Rauswurf in Altach wieder so schnell Trainer sein durfte", sagte Hütter nach zwei erfolgreichen Jahren beim „Dorfklub“. Das war damals der Anfang einer unglaublichen Reise für den Zweitligisten SV Grödig und Trainer Adi Hütter.

Ein völlig anderer Trainer

Was er hier erleben und erreichen sollte, war selbst für direkt Beteiligte nicht absehbar. Doch hat Haas ein gutes Händchen bewiesen: „Ich habe seinen Weg schon länger verfolgt und gewusst, dass er als harter Arbeiter bekannt war. Aber erst nachdem ich ihn geholt hatte, habe ich erkannt, dass er sich von allen anderen Trainern unterscheidet.“

Revanche gelungen

In einer packenden Aufholjagd fingen die Grödiger im Saisonfinish noch Altach ab. Damit gelang Hütter nicht nur die Revanche an seinem Ex-Verein, sondern auch der Aufstieg in die Bundesliga. Als „Dorfklub“ belächelt und „Village People“ verspottet, lehrte die Hütter-Truppe nicht nur den Wiener Traditionsvereinen das Fürchten.

Höhen und Tiefen mit dem SV Grödig

Am Fuße des Untersbergs ging es allerdings nicht nur bergauf. Hier erlebte Hütter auch einen seiner größten sportlichen Rückschläge. Der Wettskandal rund um Dominique Taboga brachte nicht nur Hütters Karriere dem Abgrund nahe. Es war wohl eine der größten Herausforderungen – doch er und Grödig durchwanderten auch dieses finstere Tal und krönten die Saison und Zusammenarbeit mit dem dritten Tabellenplatz und der Qualifikation für die Europa League.

„Es war sicher die allerschönste Zeit in Grödig. Adi hat so viel Willen und Ehrgeiz, bleibt dabei aber immer noch Mensch“, schwelgt Haas in Erinnerungen, der in Hütter auch einen Freund sieht. „Ich traue ihm noch viel mehr zu. Vielleicht sogar einen Job in England, bei den Bayern oder als Nationaltrainer Österreichs – wenn ihm das nicht zu langweilig ist“, so Haas im S24-Gespräch.

Gespräch mit Dietrich Mateschitz

Es war ein offenes Geheimnis, dass „Nachbar“ Red Bull Salzburg Hütters Arbeit in Grödig stets verfolgte. Da er ebenfalls ein Verfechter von attraktivem Offensiv-Fußball war, stand eine Verpflichtung lange im Raum. Den endgültigen Ausschlag für den Wechsel soll ein privates Gespräch mit Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz gegeben haben.

Laut SALZBURG24-Informationen habe just während des Gesprächs Hütters Handy geklingelt. Am anderen Ende: Austria Wien, das zu diesem Zeitpunkt – nach dem Rauswurf von Nenad Bjelica – ebenfalls auf Trainersuche war. Zu spät.

Hütter holt mit Salzburg das Double

Denn nur einen Tag nach dem letzten Meisterschaftsspiel mit Grödig gab Serienmeister Red Bull Salzburg die Verpflichtung Hütters als Nachfolger von Roger Schmidt bekannt. Der Erfolg war weiterhin ein stetiger Begleiter und resultierte im Double-Gewinn.

Darf ein Trainer auch Mensch sein?

Fußballtrainer sollen kompetent, sympathisch und emotional sein. Michi Baur (SV Grödig) und Adi Hütter (RB Salzburg) erzählen wie schwer es ist, dabei noch Mensch zu bleiben.

„Neben der täglichen akribischen Arbeit am Platz ist eine von Adis großen Stärken, wie er aus verschiedensten Spielerpersönlichkeiten ein starkes Teamgefüge formt und für jeden einzelnen Spieler und Mitarbeiter immer ein offenes Ohr hat“, erinnert sich Salzburgs Sportdirektor Christoph Freund gegenüber S24 an seinen Mitstreiter, zu dem er noch ein sehr gutes Verhältnis pflegt und sich regelmäßig austauscht.

„Ich bin kein Ausbildungstrainer“

Was Hütter – wie so vielen Trainern – in Salzburg verwehrt blieb, war die Qualifikation für die Champions League. In der Europa League scheiterte Salzburg im Sechzehntelfinale an Villarreal. "Nach dem Spiel habe ich mir erstmals Gedanken um meine Zukunft gemacht", verriet der Vorarlberger damals. Um nach Saisonende dann seinen Abgang beim Serienmeister bekannt zu geben.

Pikanterweise mit dem Zitat „Ich bin kein Ausbildungstrainer“, das für viel Aufregung sorgte. „Den konkreten Weg kann man nie vorhersagen oder genau planen. Was aber damals schon bei Adi auffiel: Er war sehr ehrgeizig und überließ nichts dem Zufall“, betont Freund.

Das Abenteuer Bern

Sehr überraschend kam Anfang September 2015 die Meldung, dass Hütter beim Schweizer Super-League-Klub Young Boys Bern einen Zweijahresvertrag unterschrieben hat.

Ex-Salzburg-Coach Adi Hütter lässt seine Zukunft offen. APA
ABD0015_20150627 - MONDSEE - ?STERREICH: Trainer Adi H?tter anl?sslich des ?FB Fussball-Talk in Mondsee am Samstag, 27. Juni 2015. - FOTO: APA/BARBARA GINDL

Zukunft von Ex-Salzburg-Trainer Adi Hütter weiter offen

Die Trainerzukunft von Adi Hütter ist nach wie vor offen. Der 45-jährige Vorarlberger hat nach der einvernehmlichen Trennung von Double-Sieger Red Bull Salzburg Mitte Juni noch keinen Arbeitgeber …

„Die Young Boys haben großes Potenzial, dass es auszuschöpfen gilt. Ich bin glücklich und sehr motiviert, für diesen ambitionierten Klub zu arbeiten. Ich bin überzeugt, dass wir die Mannschaft vorwärts bringen werden“, sagte Hütter bei seinem Amtsantritt über den damaligen Mittelständler. Und er sollte erneut Recht behalten. Denn bereits im dritten Jahr entthronte Bern den Schweizer Serienmeister Basel und krönte sich selbst zum Meister.

Hütter verlässt Bern am Höhepunkt

Anstatt sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen, zog Hütter weiter. Erneut verlässt er eine Wirkungsstätte am Höhepunkt. Er und sein Co-Trainer Christian Peintinger, den Hütter vom steirischen Regionalligisten Kalsdorf holte, zogen weiter in die deutsche Bundesliga.

Holpriger Start

Bei Eintracht Frankfurt hatte er einen denkbar schlechten Einstand. Als direkter Nachfolger von Niko Kovac blamierte sich Hütter mit Frankfurt als Titelverteidiger im DFB-Pokal mit dem Ausscheiden gegen einen Viertligisten und kassierte eine herbe Klatsche im Super Cup gegen die Bayern. In den deutschen Medien war der damals 48-Jährige damit schon vor dem ersten Bundesliga-Spiel angezählt.

Adler erobern Europa

Aber Frankfurt fing sich in der Liga (Platz sieben) und feierte mit seiner „Büffelherde“ eine furiose Reise durch die Europa League, die erst im Halbfinale enden sollte.

„Adi ist ein echter Fußballfachmann, der diesen Sport durch und durch lebt. Seine Vita ist beeindruckend, denn er hat nachhaltig bei mehreren Klubs bewiesen, dass er mit harter Arbeit auch aus geringen Möglichkeiten das Optimum herausholen kann. Er passt daher perfekt zu unserem Klub", erklärt der scheidende Frankfurt-Sportdirektor Fredi Bobic gegenüber S24, warum man ihn damals geholt hat und an ihm festhielt.

Die Champions League als Ziel

In der Folgesaison kickte Hütter Ex-Verein Salzburg aus der Europa League, scheiterte dann aber eine Runde später im Achtelfinale am FC Basel. In der aktuellen Bundesliga-Saison steht die Eintracht derzeit auf Rang vier, was die direkte Qualifikation für die Champions League und einen historischen Erfolg für den Verein bedeuten würde.

Trotz dieser rosigen Aussichten sorgte Hütter diese Woche für Aufsehen und kündigte seinen Abschied zu Saisonende an. Erneut am vermeintlichen Höhepunkt. Unbeliebt machte er sich mit dieser Entscheidung bei den Fans. Auch wegen eines Treuebekenntnisses einige Wochen zuvor: „Ich bleibe“.

Adi Hütter wird mit dem Beginn der Saison 2021/22 neuer Cheftrainer bei Borussia Mönchengladbach.

Gepostet von Borussia Mönchengladbach am Dienstag, 13. April 2021

Das Projekt Mönchengladbach

Beim Traditionsverein Borrussia Mönchengladbach folgt Adi Hütter dem Ex-Salzburg-Trainer Marco Rose, den es nach Dortmund zieht. Bei den „Fohlen“ hat er zwar einen guten Kader zur Verfügung, der sich aber in dieser Saison wohl nicht für die Europa League qualifizieren wird.

Der 51-Jährige hat somit erneut ein Projekt vor sich. Doch wie schon in Grödig, Bern und Frankfurt hat Adi Hütter bewiesen, dass er solche Herausforderungen nicht scheut und sie zu meistern im Stande ist.

Trainerstationen von Adi Hütter

  • 2007 bis 2009 Red Bull Juniors (Nachwuchs)
  • 2009 bis 2012 SCR Altach (2. Bundesliga)
  • 2012 bis 2014 SV Grödig (2. Bundesliga/Bundesliga)
  • 2014 bis 2015 FC Red Bull Salzburg (Bundesliga)
  • 2015 bis 2018 Young Boys Bern (Super League Schweiz)
  • 2018 bis 2021 Eintracht Frankfurt (Deutsche Bundesliga)
  • Ab 2021 Borussia Mönchengladbach (Deutsche Bundesliga)
(Quelle: SALZBURG24)

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