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"Planung äußerst schwierig"

Fan-Reduzierung "existenzbedrohend"

Clubs von Regierung überrumpelt

20200415_PD2066.HR.jpg APA/ HANS PUNZ/Archiv
Die Herabsetzung der Zuschauerobergrenze auf 3.000 in ganz Österreich unmittelbar vor Saisonstart "macht Planungen äußerst schwierig", sagte Liga-Vorstand Christian Ebenbauer. (SYMBOLBILD)

Die Fußball-Bundesliga ist von den neuen Corona-Maßnahmen der Regierung überrascht worden. Die Herabsetzung der Zuschauerobergrenze auf 3.000 in ganz Österreich unmittelbar vor Saisonstart "macht Planungen äußerst schwierig", sagte Liga-Vorstand Christian Ebenbauer am Freitag. Auf Sicht würden einige Vereine sogar in eine "wirklich existenzbedrohende Lage" schlittern.

Nach der Pressekonferenz der Regierung läuteten die Telefone in der Bundesliga-Zentrale in Wien-Hietzing im Minutentakt. Die Verschärfungen der Regierung für Großveranstaltungen, die das Fußball-Oberhaus mit voller Breitseite treffen, haben die Vereine regelrecht überrumpelt. "Wir haben aus der Presse von neuen Bestimmungen erfahren", verriet etwa der Sprecher des SK Sturm Graz. "Leider müssen wir aufgrund einer erneut überraschenden, kurzfristigen und fragwürdigen Kommunikation der Bundesregierung unser Konzept überdenken", twitterte Meister Salzburg verhältnismäßig patzig.

Fußball: Clubs von Regierung überrumpelt

"Diese Entscheidung der neuerlichen, kurzfristigen Veränderung der Vorgaben ist eine große Enttäuschung für uns", hielt auch Austria-AG-Vorstand Markus Kraetschmer nicht hinterm Berg. "Die Ampelfarbe ist damit ausgehebelt, somit musste der Abo-Verkauf bei uns gestoppt werden, denn diese Zahl (3.000/Anm.) hatten wir schon erreicht." In die Generali Arena dürften an diesem Wochenende noch 7.500 Zuschauer. Da die Violetten aber in der ersten Runde kein Heimspiel austragen, sondern am Freitag beim LASK zu Besuch waren, ist das hinfällig.

"Die Clubs haben in den letzten Monaten natürlich sehr viel Zeit und Geld investiert", führte Ebenbauer aus. Der Abo-Verkauf, der normalerweise schon am Ende einer Saison beginnt, konnte heuer erst viel später anlaufen, nachdem klar war, dass Zuschauer im Herbst grundsätzlich wieder erlaubt sein werden. "Wir haben gezeigt, dass wir sehr flexibel sind und uns auf neue Situationen einstellen können", sagte Ebenbauer. Wenn sich die Gegebenheiten dann aber derart schnell wieder drehen, werde es schwierig.

Hoffen auf Ausweitung des Fördertopfs

Für die Clubs entstehe zusätzlicher finanzieller Schaden, betonte Kraetschmer, "der hoffentlich durch eine Verlängerung der Entschädigungszahlung aus dem Sportligen Covid-19-Fonds der Bundessport GmbH abgegolten wird". Auch Ebenbauer hofft auf eine zeitliche Ausweitung des Fördertopfs, machte er im Gespräch mit der APA deutlich. Betroffen seien alle Vereine, kleinere wie größere, weil man die Verluste durch weniger Zuschauer-Einnahmen immer im Verhältnis zum Budget betrachten müsse.

"Wie bleiben die Fans dem Fußball treu?"

"Unabhängig vom wirtschaftlichen Schaden ist jetzt aber wesentlich, wie man auf die Fans zugeht. Wer darf ins Stadion, wer nicht? Wie bleiben die Fans dem Fußball treu?", skizzierte Ebenbauer ein weiteres Problem, das auf die Vereine zukommt. "Wir können den treuesten Austrianern garantieren, dass gekaufte und bereits bezahlte Saisonabos bei unserem ersten Heimspiel dabei sein können", erklärte Kraetschmer. Dazu habe die Austria bereits begonnen, mit Sponsoren über eine zeitweise Reduktion deren Freikarten-Kontingente zu sprechen.

Die "nächste Hiobsbotschaft" war für Ebenbauer die Ankündigung von Bundeskanzler Sebastian Kurz, dass die nun beschlossenen Maßnahmen wohl über den Winter hinaus gelten werden. Nachsatz: Neue Verschärfungen in den nächsten Wochen nicht ausgeschlossen.

Weitere Monate mit "Geisterspielen"

Was weitere Monate mit "Geisterspielen" für die obersten beiden Spielklassen bedeuten würden, wollte der Bundesliga-Vorstand nicht näher ausführen. "Jedes Spiel ohne Zuschauer ist ein weiterer Schritt, dass die eine oder andere Liga nicht mit allen Clubs beendet werden kann", sagte Ebenbauer. Es gebe aber zumindest die leise Hoffnung, "dass wir bald wieder das Vertrauen beziehungsweise die Möglichkeit bekommen, vor mehr Zuschauern zu spielen". Schließlich hätten auch die Partien der ersten Cup-Runde gezeigt, dass Fußballspiele kein erhöhtes Ansteckungsrisiko in sich bergen.

(Quelle: APA)

Veranstaltungen eingeschränkt, Masken ausgeweitet

Die Corona-Maßnahmen werden bundesweit wieder verschärft: So sollen alle Veranstaltungen österreichweit auf Gelb-Niveau gestellt werden. Zudem wird die Maskenpflicht ausgeweitet.

Das gilt ab Montag, 0 Uhr in ganz Österreich:

  • Verpflichtender Munds-Nasen-Schutz in Öffis, Supermärkten, im Handel, Dienstleistungsbereichen, Parteienverkehr und Schulen
  • Beschränkungen bei privaten Veranstaltungen: Ohne zugewiesene Sitzplätze maximal 50 Personen Indoor, im freien 100 Personen.
  • 1.500 Personen Indoor bei Großveranstaltungen mit professionellen Konzept, 3.000 Personen Outdoor
  • MNS-Pflicht auch wieder für Kellner. Speisen und Getränke dürfen nur an Sitzplätzen verabreicht werden.

Verschärfungen bei Events

Bei der Präsentation der zweiten Ampelschaltung hat Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Freitag verschärfte Maßnahmen mit "Gültigkeit Montag, 0.00 Uhr" angekündigt: Es wird Einschränkungen bei Veranstaltungen geben: Indoor 50 Personen im Freien 100 Personen - Großveranstaltungen mit professionellen Konzept und mit zugewiesenen Sitzplätzen sind es 1.500 Plätze bzw. 3.000 Plätze.

Maskenpflicht wird ausgeweitet

Zudem soll die Maskenpflicht auch außerhalb des Lebensmittelhandels und von Apotheken und Banken österreichweit in geschlossenen Räumen ausgeweitet werden und gilt in Handel und Gastronomie - und auch an allen Schulen außerhalb der Klasse.

Diese Maßnahme sei "ein zusätzlicher Schritt, um den Regelschulbetrieb aufrecht zu erhalten und die Gesundheit der Kinder nicht zu gefährden". Sport muss damit vorwiegend im Freien oder in der Halle nur in kleinen Gruppen bei guter Belüftung und ohne Kontaktsportarten stattfinden. Gesungen werden darf nur mehr im Freien oder mit Mund-Nasen-Schutz.

Kein Orange in Österreich

Mit der zweiten Schaltung der Corona-Ampel wurden am Freitag bereits sieben Regionen in Österreich auf gelb geschaltet. Betroffen von "gelb" - das bedeutet mittleres Risiko - sind Wien, Graz, Innsbruck, Korneuburg, Wiener Neustadt, Bezirk-Kufstein und Schwaz in Tirol.

Gesetzes-Novelle steht noch aus

Damit die Corona-Ampel zum Werkzeug werden kann, fehlt noch ihre vollständige gesetzliche Verankerung. Erst mit der Novellierung des Epidemiegesetzes und des Covid-19-Maßnahmengesetzes können alle Regeln aufgrund der vier Farbstufen von grün bis rot rechtlich durchgesetzt werden. Ein Beschluss ist für den 23. September geplant. Bis dahin soll die Lockerungsverordnung angepasst werden, etwa zur Ausweitung des Mund-Nasen-Schutzes auf alle Geschäfte in gelben Regionen. Sie soll nun endlich am Freitag vorliegen.

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