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Gishamer im Interview

Harter Schiedsrichter-Job in Zeiten von Corona

Salzburger erzählt von ersten Erfahrungen

Sebastian Gishamer, Schiedsrichter APA/ERWIN SCHERIAU
Der Bürmooser Schiedsrichter Sebastian Gishamer erhielt 2019 das FIFA-Wappen und darf internationale Spiele pfeifen.

Schiedsrichter sein ist nicht leicht: Speziell in Zeiten des Coronavirus. Geisterspiele sorgen für eine gespenstische Stimmung und verändern auch den Fußballalltag eines Unparteiischen. Der Salzburger Sebastian Gishamer (31) leitete am Freitag das Testspiel zwischen Red Bull Salzburg und WSG Wattens und erzählt im Gespräch mit SALZBURG24 von den "besonderen Erfahrungen".

Bürmoos, Salzburg

Wenn am Freitag mit dem Cup-Finale (im S24-LIVETICKER) das runde Leder im österreichischen Fußball wieder ins Rollen gerät, stehen auch für Schiedsrichter Veränderungen bevor. Grölende Fußball-Fans, die ihr Team mit Gesängen anpeitschen und über Entscheidungen der Unparteischen schimpfen bzw. jubeln.

Schiedsrichter Sebastian Gishamer im Interview

Anhänger, die über gewonnene Zweikämpfe die Faust gen Himmel strecken und sich die Seele nach einem Tor aus dem Leib schreien: All das, das dem Fußball die nötige Würze gegeben hat, fällt auf unbestimmte Zeit aus.

Viele Abläufe vor, während und auch nach dem Spiel werden sich grundlegend ändern: In dem 24-seitigen Präventionskonzept wurden – wie berichtet – Maßnahmen herausgearbeitet, die eine Corona-Ansteckung von Spielern, Betreuern etc. verhindern sollen. Auch der Job eines Schiedsrichters wird sich in einigen Punkten verändern.

Der gebürtige Bürmooser (Flachgau) Sebastian Gishamer leitete den Probegalopp zwischen den Bullen und Wattens (1:1). Uns erzählt er, wie sich seine Rolle als Unparteiischer zwischen zwei Strafräumen und 22 Spielern verändern hat.

Sebastian Gishamer, Schiedsrichter GEPA/Red Bull
Der Bürmooser Schiedsrichter Sebastian Gishamer (re.) erhielt 2019 das FIFA-Wappen und darf internationale Spiele pfeifen.

SALZBURG24: Sebastian, wie fällt dein Fazit nach dem ersten Testspiel unter den neuen Rahmenbedingungen aus?

SEBASTIAN GISHAMER: Im Großen und Ganzen war das Spiel schwer in Ordnung. Der Fußball hat sich in punkto Regeln zwar nicht geändert, dennoch war es ein wenig gewöhnungsbedürftig das Spiel unter den speziellen Bedingungen zu leiten.

Welche Umstellungen ergeben sich nun für euch Schiedsrichter?

Es ist eine besondere Erfahrung, ein Spiel unter diesen Voraussetzungen zu leiten. Für mich war es gewöhnungsbedürftig zu sehen, wie an der Seitenlinie Bälle desinfiziert werden. Für uns ändert sich in Sachen Kommunikation einiges: Beim Austausch, Ermahnen und der Begrüßung mit den Spielern müssen wir uns daran gewöhnen, Abstand zu halten. Der Ellenbogen-Gruß und ein 'Servus mit dem Fuß' wird sich in Zukunft wohl etablieren.

Sebastian Gishamer, Schiedsrichter GEPA/Red Bull
Der Salzburger Schiedsrichter Sebastian Gishamer (re) leitete das Testspiel zwischen Red Bull Salzburg und Wattens.

Bei den sogenannten Geisterspielen wird die Stimmung von den Rängen fehlen, man hört nun fast jedes Wort der Spieler und Trainer. Hört man als Schiedsrichter nun genauer hin oder manchmal gar weg?

Natürlich nimmt man die Ausdrücke der Spieler mehr und deutlicher wahr. Am Freitag hat zum Beispiel ein Spieler nach einem vermeintlichen Foulspiel einen sehr lauten Schrei losgelassen. Ob Kritik oder einfach nur Ärger war, sei vorerst einmal dahingestellt. Für die Schiedsrichter wird es wichtig sein, sich an die geänderten Situationen zu gewöhnen und angemessen zu reagieren.

Kritik und Beleidigungen werden weiterhin gemäß den Vorgaben geahndet. Wichtig wird aber auch sein, dass die Akteure am Feld Emotionen zeigen dürfen. Auch wenn das nicht gleich ein Freibrief für Schimpftiraden bedeutet.

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Gepostet von Salzburger Fußball Schiedsrichter am Montag, 25. Mai 2020

Spieler, Betreuer etc. müssen wöchentlich Corona-Tests machen. Wie läuft das bei euch ab?

Die genaue Vorgehensweise bzw. die Organisation der Tests wird derzeit noch von der Bundesliga konzipiert. Die Tendenz geht in die Richtung, dass auch wir ein mal pro Woche auf das Coronavirus getestet werden. Zwei Tage vor dem Testspiel wurde mein Team bei Red Bull Salzburg in Taxham getestet.

Es wird sicher nicht einfach werden, aber ich hoffe, dass sich die Abläufe relativ schnell einspielen werden. Es wird auch für uns eine fordernde und spannende Zeit werden.

(Quelle: SALZBURG24)

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