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Nur bei vier Situationen

Was der VAR kann – und was er nicht darf

Video Assistant Referee startet in der Bundesliga

VAR_Video_Assistent_Referee APA/AFP/POOL/Paul ELLIS
Der Videobeweis kommt ab dieser Saison auch in der österreichischen Fußball-Bundesliga zum Einsatz. (SYMBOLBILD)

Der Videobeweis, der ab dieser Saison auch in der österreichischen Fußball-Bundesliga zum Einsatz kommt, soll Schiedsrichtern die Möglichkeit geben, klare und offensichtliche Fehlentscheidungen zu korrigieren und Vorfälle zu überprüfen, die im Match übersehen wurden. Wir geben euch einen Überblick, was er kann und was er nicht darf.

"Der VAR funktioniert wie ein Airbag", sagte der frühere deutsche FIFA-Referee Hellmut Krug, der die Ausbildung der österreichischen Video-Schiedsrichter als Experte begleitete.

VAR bei Salzburgs Liga-Eröffnung im Einsatz

Ab dem 23. Juli, wenn Sturm Graz Meister Salzburg empfängt, gehören der Video Assistant Referee (VAR) und sein Assistent (AVAR) also auch zur Stammbesetzung einer Partie in der höchsten österreichischen Spielklasse. Dazu kommt noch ein Replay Operator, der im VAR-Raum in Wien die Hebel bedient und den Regel-Fachleuten schnell die benötigten Bilder zuspielen muss.

Nicht nur bei allen Bundesliga-Spielen, auch im Finale des ÖFB-Cup schaut der VAR künftig mit Argusaugen zu. Die Implementierungskosten in der Höhe von rund einer Million Euro trägt der ÖFB, der laufende Betrieb wird von der Bundesliga mit rund 1,5 Mio. Euro pro Saison gestemmt. Von einem großen und wichtigen Schritt für den österreichischen Fußball sprach Verbandschef Leo Windtner. Die ÖFB-Schiedsrichter sollen dadurch auch sukzessive wieder international den Anschluss schaffen.

Was der VAR kann und was er nicht darf

Der Videobeweis, der ab dieser Saison auch in der österreichischen Fußball-Bundesliga zum Einsatz kommt, soll Schiedsrichtern die Möglichkeit geben, klare und offensichtliche Fehlentscheidungen zu korrigieren und Vorfälle zu überprüfen, die im Match übersehen wurden. "Minimaler Eingriff ins Spiel, maximaler Nutzen", lautet der Grundsatz. Ein Abriss über die wichtigsten Regeln hinter der Technologie:

Tore, Elfmeter, Rote Karten, Identitätskontrolle

Der Einsatzbereich des VAR ist auf vier Situationen beschränkt: Tore, Elfmeter, Rote Karten und Identitätsfeststellungen bei Gelben/Roten Karten. Der VAR kontrolliert jedes Tor ("Check") und hilft dem Schiedsrichter, mögliche Vergehen wie Abseits oder Fouls zu erkennen, aufgrund derer ein Tor nicht zu geben ist. Gegebene Elfmeter werden überprüft, über fälschlicherweise nicht gegebene wird der Schiedsrichter informiert.

Jede Szene, die nach Sicht des Unparteiischen einen Rot-Ausschluss zur Folge hat, wird ebenfalls überprüft. Rotwürdige Spielszenen, die der Schiedsrichter nicht wahrgenommen hat, werden ihm mitgeteilt. Beim Verteilen von Gelben und Roten Karten wird ständig überprüft, ob der richtige Spieler sanktioniert wird. Dadurch wird vermieden, dass der falsche Spieler für ein Vergehen bestraft wird. Da der VAR automatisch alle diese Situationen und Entscheidungen überprüft, ist es nicht notwendig, dass Spieler oder Trainer lauthals eine Überprüfung fordern.

Nur bei Verdacht einer Fehlentscheidung

Ganz allgemein gilt, dass der VAR nur dann einen aktiven Eingriff ins Spiel einleitet, wenn der Verdacht auf eine klare Fehlentscheidung besteht. Damit der Schiedsrichter daraufhin tätig werden kann, braucht es eine Spielunterbrechung. Gibt es die nicht sowieso, müsste der Schiedsrichter das Spiel zeitnah stoppen. Anschließend entscheidet er, ob er eine offizielle Überprüfung ("Review") zulässt oder sich bei seiner Entscheidung sicher ist. Wenn er sie zulässt, zeigt er das an, indem er mit den Händen ein Rechteck signalisiert.

"Meinungen" und "Tatsachen"

Der Video-Assistent überprüft jetzt alle ihm zur Verfügung stehenden Aufnahmen und teilt dem Hauptschiedsrichter seine Empfehlung mit. Der kann das befolgen oder nicht, sich die betreffende Szene aber auch selbst anschauen ("On-field Review"). Dazu gibt es klare Richtlinien: Wenn eine Entscheidung subjektiv ist - etwa ob es ein Foul war oder nicht - sollen die Schiedsrichter zum Monitor gehen. Bei faktischen Entscheidungen - wenn es um die Position des Fouls in Bezug zum Strafraum oder Abseits geht - sollen die Schiedsrichter dem VAR vertrauen ("VAR-only Review").

Schiedsrichter hat letztes Wort

Seine endgültige Entscheidung teilt der Schiedsrichter per Handzeichen mit. Er kann dabei dem Rat des Video-Assistenten folgen oder nicht, ihm bleibt immer das letzte Wort. Der Schiedsrichter kann den Review-Prozess auch selbst starten, wenn er sich bei einer Entscheidung unsicher ist, und den VAR informieren, dass er eine Überprüfung möchte. Dafür darf er das Spiel unterbrechen - allerdings nicht, wenn sich eine Mannschaft in einer guten Angriffsposition befindet.

Häufig zählt Vorgeschichte, aber nicht immer

Bei Toren, Elfmeter-Verdacht und Roten Karten wegen Verhinderns einer klaren Torchance ist nicht nur das Ereignis selbst, sondern die Entstehungsgeschichte relevant. Laut Regelwerk muss die ganze Angriffsphase ("Attacking Phase of Play") überprüft werden. Bei heiklen Szenen kann ein übersehener Regelverstoß in der Entstehung entscheidend sein: ein anderes Foul, eine Abseitsstellung, ein Hands, ein sich kurz außerhalb des Spielfelds bewegender Ball.

Wenn das Tor einer Standardsituation entsprang, wird deren Vorgeschichte hingegen nicht mehr aufgerollt. Die Angriffsphase beginnt dann erst mit dem Kicken des ruhenden Balls. Ob der jeweilige Freistoß oder Eckball zu Recht gegeben wurde, oder nicht, spielt keine Rolle. Anders behandelt wird der Elfmeter, der - wie erwähnt - immer gecheckt wird.

Video-Monitore im Stadion zeigen strittige Szenen

In den meisten Fällen liefern sechs Kameras von Liga-Partner Sky das Rohmaterial an Hawk-Eye, bei Schlagerpartien wird auf bis zu elf Kameras erweitert. Mittels Glasfaserkabel werden die Signale dann nach Wien geleitet, dort aufbereitet und für mögliche Überprüfungen auf dem Rasen aus der Video-Zentrale retour ins Stadion geschickt. Sky speist über eine App auch Grafiken in das Live-Bild ein, um die Fernsehzuschauer schnell und transparent über die VAR-Intervention zu informieren. Außerdem wird der Ablauf auf den Video-Monitoren im Stadion angezeigt.

Diskussionen bleiben Teil des Fußballs

 Einen österreichischen Weg kann es nur sehr eingeschränkt geben. "Im Wesentlichen ist alles vom IFAB (International Football Association Board; Anm.) vorgegeben. Man kann beispielsweise nicht sagen, ich check jetzt auch den Corner", erklärt Holzer. Womit man geringfügig spielen kann, ist die Interventionsschwelle, ab welcher der Schiedsrichter entscheidet, ob der entsprechende Vorfall überprüft werden soll. In der Bundesliga soll diese Schwelle tendenziell etwas niedriger liegen.

Einer der Hauptkritikpunkte ist längst ins Leere gelaufen, wie zuletzt die EM wieder gezeigt hat. Gegner suggerierten, dass es mit VAR-Hilfe in Zukunft nur noch unumstrittene Entscheidungen geben würde. Dadurch würde der Fußball eines wesentlichen Elements beraubt, nämlich der sich nach dem Spiel ergebenden, teils hitzigen Debatten. Der bisherige Erfahrungsschatz widerlegt das jedoch klar: nicht eindeutige Szenen und damit ihre subjektive Bewertung sind weiterhin ein integraler Bestandteil des Spiels. Ergo wird nicht weniger diskutiert, wobei gerade das Tun des Video Assistant Referee Gesprächsstoff liefert. Auch hierzulande werden die Emotionen dem Fußball daher erhalten bleiben.

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 31.07.2021 um 10:09 auf https://www.salzburg24.at/sport/fussball/bundesliga/video-assistant-referee-was-der-var-kann-was-er-nicht-darf-106529059

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