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CL-Aufstieg winkt

Salzburgs vermeintlicher Sargnagel wird zum Trumpf

Blutjunge Bullen blühen in Champions League auf

Unbekümmertheit, die Gier nach Erfolgen und eine Spielphilosophie, mit der die Bullen aufblühen: Red Bull Salzburg hat sich einen Plan zurechtgelegt, mit dem auch vermeintlich größere Klubs in der europäischen Fußball-Elite besiegt werden können. In der Champions League (CL) soll am Mittwoch nun Wolfsburg auf die "Abschussliste" kommen. Der Trumpf dabei ist das blutjunge Team.

Salzburg

Champions League und Red Bull Salzburg: Aus einer elfjährigen Hass-Liebe mit den verpassten Qualifikationen zur Königsklasse entwickelte sich in den letzten drei Saisonen fast schon etwas wie eine Routine.

Wout Weghorst, Niederlande, Wolfsburg APA/AFP/POOL/Kenzo Tribouillard
Oranje-Stürmer Weghorst kickt beim VfL Wolfsburg.

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Bullen-Siege gegen deutsche Teams häufen sich

National sowie auf dem europäischen Parkett hat bislang kein Team ein Rezept gegen das Team von Trainer Matthias Jaissle gefunden, um die Salzburger zu schlagen. "Es passt derzeit einfach, die Stimmung ist super. Wir wollen ungeschlagen bleiben und dafür werden wir alles geben", betonte Nicolas Seiwald, der beim ersten Bullen-Triumph gegen ein deutsches Team (2:0-Sieg gegen Schalke 04) erst 15 Jahre alt war. Der jetzige Dauerläufer und Aufsteiger der Saison kann sich an den 8. Dezember 2016 kaum mehr erinnern – so jung ist der Mittelfeldmotor.

 

Triumphe gegen Teams aus dem Nachbarland werden schon langsam zur Normalität. Salzburg weist vor dem ersten Spiel einer österreichischen Mannschaft gegen Wolfsburg eine ausgeglichene Bilanz gegen deutsche Klubs auf: Vier Siege (gegen Borussia Dortmund, Schalke 04 und RB Leipzig/zweimal) und zwei Remis stehen in der Red-Bull-Ära vier Niederlagen gegenüber.

Salzburger Unbekümmertheit als Trumpf

Mit dem jüngsten Coach in der heurigen Eliteliga-Saison, Matthias Jaissle (33), soll nach Sevilla (2:2 in Spanien) und dem Heim-Triumph gegen Lille (2:1) das nächste Top-Team Europas stolpern – gar der Aufstieg als Gruppenerster winkt. "Irgendwelche Rechenspielchen machen wir nicht. Wir wollen frech und mutig auftreten und Wolfsburg ärgern."

Vor dem Saisonstart haben Kritiker der Salzburger fehlende Erfahrung als Sargnagel prophezeit. Nun scheint genau das Gegenteil, nämlich das blutjunge Team mit einer gesunden Portion Unbekümmertheit, zum Trumpf zu werden. "Ja, wir sind jünger geworden, aber auch reifer", betonte der 33-Jährige. Die Startelf am Mittwoch dürfte ein Durchschnittsalter von knapp 23 Jahren haben.

Wolfsburg komplett außer Tritt

Der deutsche Bundesligist kommt indes angeschlagen nach Salzburg. Das Team von Mark van Bommel steht nach sechs Pflichtspielen ohne Sieg am Mittwoch (ab 18.35 Uhr im SALZBURG24-LIVETICKER) mächtig unter Druck. Es scheint, als ob die "Wölfe" das Siegen verlernt haben. Ausgerechnet gegen das jüngste CL-Team (22,07 Jahre im Durchschnitt) aller 32 Teilnehmer könnte sich die Krise verschärfen.

"Sie sind physisch sehr stark, spielen viel über Verlagerungen und versuchen im letzten Drittel frühzeitig zu flanken. Wir müssen frühzeitig Druck drauf kriegen und das gut weg verteidigen", erläuterte Jaissle.

Wolfsburg, Lukas Nmecha APA/AFP/Christof STACHE
Wolfsburg-Stürmer Lukas Nmecha fehlte gegen Union Berlin die Durchschlagskraft.

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Während Wolfsburg die Ergebniskrise ablegen will, kann Salzburg erneut Geschichte schreiben und mit einem "Dreier" dem nächsten Eintrag in die Vereinsbücher sehr nahekommen.

VfL-Boss fordert das Bremspedal

Wolfsburg-Trainer Mark van Bommel haderte mit dem Schicksal. "Es ist nicht so, dass wir schlecht spielen. Im Gegenteil: Wir bestimmen die Spiele, aber wir gewinnen sie nicht", erklärte der Nachfolger von Oliver Glasner, dessen Truppe in der CL zweimal remisierte. Für VfL-Sport-Geschäftsführer Schmadtke ist angesichts des Salzburger Spielstils das Bremspedal gefragt. "Du musst versuchen, die Mannschaft zum Stehen zu bringen, weil sie eben extrem hohes Tempo in ihren Reihen haben. Da musst du kompakt auftreten und solltest vernünftig verteidigen - möglichst im Verbund."

Simic erstmals im CL-Kader

Und während gerade die deutschen Medien ihren Fokus auf "ihren" Stürmerstar Karim Adeyemi richten, sitzt die Überraschung auf der Bank: Roko Simic könnte sein Profidebüt geben.

Weil mit Benjamin Sesko ein anderer Offensiv-Jungstar am Samstag beim 1:1 in Altach einen Muskelfaserriss im Oberschenkel erlitt, zog Jaissle den 18-jährigen Simic von Liefering kurzerhand nach oben. Dabei war der Sohn des kroatischen Ex-Teamspielers Dario Simic erst im Sommer von Lok Zagreb nach Salzburg gekommen.

"Eine richtig schöne Geschichte. Er hat im Training schon gezeigt, was er in der Box kann", meinte Jaissle über den 1,90-Meter-Mann, der in elf Tore in sieben Pflichtspiele erzielte und an dem gerüchteweise Großclubs vom Kaliber Real Madrids großes Interesse zeigen.

Eliteliga mit Salzburg blieb vielen Stars verwehrt

Dass Salzburg eine wahre Talenteschmiede ist, zeigt auch ein Blick auf etliche Ex-Bullen, die zu Mega-Starts avancierten.

Während der heimische Abo-Meister mit Kapazunder wie Sadio Mané, Naby Keita, Dayot Upamecano und Peter Gulasci in einigen Anläufen scheiterten, sorgen jetzt Teenager für Furore. Allen voran zieht Karim Adeyemi das Rampenlicht auf sich. Logisch, dass sich nun Top-Klubs aus Europa für den erst 19-Jährigen interessieren. Elf Tore in 16 Pflichtspielen machen den Stürmer zum Shooting-Star und zum Objekt der Begierde.

Für seine Schnelligkeit und Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor könnte der zuletzt in der Liga geschonte Knipser zum Rekord-Transfer avancieren. Der deutsche Neo-Nationalspieler soll keine Ausstiegsklausel besitzen und nicht unter 30 Millionen Euro zu haben sein.

Karim Adeyemi, Matthias Jaissle Getty/Red Bull
Karim Adeyemi (re.) ist auf dem Transfermarkt eine heiße Aktie. Sein Trainer Matthias Jaissle weiß, was der ganze Trubel mit dem Youngster macht.

Auf Adeyemi "prasselt sehr viel ein"

Salzburg-Trainer Matthias Jaissle spricht sich für einen längeren Verbleib seinen Jungstars Karim Adeyemi aus. Der Bullen-Dompteur weiß, dass derzeit "sehr viel auf ihn einprasselt".

Blutjunges Team geigt auf

Diesen Sprung in neue Transfer-Sphären hat zum einen das Top-Scouting des österreichischen Abo-Meisters möglich gemacht. Vor allem aber ist das der eingeschlagenen Philosophie des Klubs geschuldet. Auch wenn sich viele Beobachter jeden Sommer Sorgen um den Kader machen, haben die Vereinsbosse stets ein weiteres Ass im Ärmel und vertrauen immer noch jüngeren Protagonisten.

Matthias_Jaissle Getty/ Red Bull
Salzburg-Trainer Matthias Jaissle muss gegen Bröndby wohl auf zwei Leistungsträger verzichten.

Bullen mit jüngstem Kader aller CL-Teams

Bereits elf Tage vor dem ersten Champions-League-Spiel der Saison 2021/22 sorgt der FC Red Bull Salzburg für Aufsehen: Mit 22,07 Jahren stellen die Bullen den jüngsten Kader aller Teilnehmer. Zudem …

Ein weiterer Vergleich: Beim letztmaligem Quali-Aus waren Leistungsträger wie Munas Dabbur (26), Stefan Lainer (25), Cican Stankovic, Takumi Minamino (23) und Xaver Schlager (20) ein stückweit älter, schafften das Kunststück sich in die Eliteliga zu qualifizieren aber dennoch nicht. Derzeit sind Adeyemi (19), Rasmus Kristensen (24), Philipp Köhn (23) Luka Sucic (19) und Seiwald (20) auf den gleichen Positionen nicht nur unerfahrener, sondern um einiges jünger. "Alter spielt keine Rolle – es zählt die Qualität", hört man stets von Sportdirektor Christoph Freund.

Der Bullen-Boss versicherte vor jedem Saisonstart, dass sie eine konkurrenzfähige Mannschaft haben würden. Dass die aktuelle Salzburger Crew allerdings so einschlägt, war nicht abzusehen.

(Quelle: SALZBURG24)

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