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Der Salzburger Fußball-Fan ist vom Aussterben bedroht

Die Bürgerei in Saalfelden bietet nicht nur Platz für 1.000 Fans, sondern auch ein tolles Panorama. www.fc-pinzgau.at
Die Bürgerei in Saalfelden bietet nicht nur Platz für 1.000 Fans, sondern auch ein tolles Panorama.

Leere Ränge in den Stadien der Regionalliga West sind keine Seltenheit mehr. Der Salzburger Fußball-Fan verkommt mehr und mehr zu einer bedrohten Spezies. Einzig die Austria-Salzburg-Anhänger beleben die Liga.

„Die Entwicklung des Zuschauerschnittes ging in den letzten Jahren nach unten, wenn man das jährliche Heimspiel gegen die Austria ausklammert“, bestätigt SV Seekirchen-Schriftführer Helmut Nobis. Seine Aussage beschreibt sehr gut den Stand des Salzburger Fußballs, zumindest in der Regionalliga. Denn im Grunde geht es fast allen acht Salzburger Regionalliga-Clubs genau gleich. Gut ausgebaute Stadien und attraktiver Fußball hätten sich auf jeden Fall mehr Publikum verdient. Sogar Liga-Favorit FC Liefering hat kaum Publikum bei den Heimspielen. Knapp 300 Menschen auf den Rängen sind für einen Verein mit Aufstiegs-Ambitionen in die Erste Liga deutlich zu wenig. Zum Vergleich: Der Meister der Steirer-Liga und Aufsteiger und momentaner Tabellenführer in der Regionalliga Mitte, SC Kalsdorf erfreut sich im Durchschnitt an knapp 500 Zuschauern. Die Kalsdorfer bewegen sich dabei allerdings im Mittelfeld des RLM-Zuschauerrankings. Die Liste wird angeführt vom LASK (2.100), Austria Klagenfurt (1.000) und GAK (800).

Austria-Fans beleben die Liga

Wie ein kleines gallisches Dorf mischen die Austria Salzburg-Anhänger die Liga auf. Der Traditionsverein darf sich bei Heimspielen im Schnitt über knapp 1.400 Zuschauer freuen. Auch bei Auswärtsspielen füllen die Violetten, zur Freude der Gastvereine, die Ränge der Stadien. SV Wals-Grünau-Trainer Rene Pessler freute sich zum Beispiel schon vor der Saison über die Gelegenheit, vor dieser Top-Kulisse gegen die Austria zu spielen. In Seekirchen stieg die Zuschauerzahl bei Heimspielen gegen den derzeitigen Tabellenführer um mehr als das doppelte (zirka 1.000), wie Helmut Nobis erzählt. Aber wo sind die Fans der anderen Teams? Im Schnitt kommen nach den ersten sieben Runden (drei bis vier Heimspiele)ungefähr 450 Zuschauer in die Stadien. Auf den ersten Blick sind das gar nicht so schlechte Zahlen, allerdings werden sie von den Werten der Austria-Heim- und Gastspiele stark verfälscht. Besucher-Schlusslicht der Liga Neumarkt hat im Schnitt nur knapp 140 zahlende Zuschauer. Sogar beim sonst sehr gut besuchten Wallersee-Derby gegen den SV Seekirchen kamen aufgrund des schlechten Wetters nur 150 Fans.

Wirtschaftlicher Aspekt

Besonders die kleineren Vereine in der Regionalliga müssen viel investieren um in der Liga mithalten zu können. Wenn dann auch noch dem Sponsor das Geld fehlt, oder wer nicht den großen Bruder (Red Bull – Liefering) im Rücken hat, sind die Stadioneinnahmen doppelt wichtig. „Die Einnahmen aus den Heimspielen machen bei uns rund ein Drittel der Gesamteinnahmen aus und sind für uns natürlich sehr wichtig“, erzählt Austria Salzburg Obmann Walter Windischbauer im Gespräch mit SALZBURG24. Zusätzlich finden auch die violetten Fan-Artikel reißenden Absatz. Und mit dem Geld der rund 400 Dauerkarten die schon vor Saisonbeginn verkauft werden, kann der Verein schon wieder in den Kader investieren. All diese Annehmlichkeiten bleiben bei anderen Mannschaften beinah völlig aus.

Fußballplatz als soziales Ereignis

Beim Top-Spiel der Steirer-Liga in der fünften Runde zwischen Leader Wildon und Verfolger Heiligen Kreuz zählte man 650 zahlende Zuschauer. Eine Liga höher in Salzburg träumen viele Vereine von diesen Zahlen.

„Ich sehe das Problem im Vergleich zum angrenzenden Oberösterreich, der Steiermark und vielleicht auch Vorarlberg in der Sportplatzkultur. Während die Spieltermine dort eine Art gesellschaftlichen Treffpunkt darstellen und der regionale Fußball im Alltag (Medien, Stammtische, andere soziale Treffpunkte) eine gewisse Gewichtung erfährt, ist der Kreis der Fußballinteressierten in Salzburg ein eher Kleiner, in sich geschlossener“, wagt Nobis eine Prognose. Als Exil-Steirer und S24-Sportredakteur kann ich diese These nur bestärken. In meinem Heimatland sind das Thema Fußball und jedes Heimspiel der Kampfmannschaft heilig und dabei seine Pflicht. Nach dem Spiel wird mit Spielern, Arbeitskollegen und anderen „Experten“ bis zum nächsten Spiel alles diskutiert und fachgesimpelt. Wer nicht da war, kann nicht mitreden. Nobis meint zudem noch, die Fußball-Übertragungen im TV als große Konkurrenz auszumachen. „Das Fernsehen liefert mittlerweile sieben Tage pro Woche Profifußball bequem ins Wohnzimmer. Während der Zuschauer, um Amateurfußball zu sehen, anreisen muss, Eintritt bezahlt und nicht eben mal wegzappen kann, wenn der Unterhaltungswert nicht entspricht“, so Nobis. Dabei wären die Preise in den Regionalliga-Stadien mehr als durchaus leistbar und fair (siehe Tabelle).

Der Salzburger Fußball-Fan ist…

SV Seekirchen-Schriftführer Helmut Nobis und die S24-Sportredaktion kommen so auf folgende Thesen. Der Salzburger Fußball-Fan ist …

  • Eine bedrohte Spezies, deren Bestand unbedingt angehoben werden muss.
  • Leider zu bequem und erkennt nicht die gebotene Qualität
  • Fan von Austria Salzburg

In der Regionalliga spielen Spieltermine und Gegner natürlich eine große Rolle. Salzburg-Derbys an Freitagen werden deutlich besser besucht als Spiele am Samstag, wenn die Gäste aus Vorarlberg oder Tirol kommen. Leider sind viele Salzburger auch reise-faul wenn es hieße von Neumarkt nach Anif zu pilgern. Allerdings kann auch Bundesligist und Double-Gewinner Red Bull Salzburg nicht mit großen Zuschauerzahlen aufwarten. Im Schnitt kommen (nach sieben Runden) 8.933 Menschen in die 31.800-Menschen-fassende Red Bull Arena. Der Fisch beginnt ja bekanntlich am Kopf zu stinken.

Alle Stadiendaten der RLW-Clubs

Austria Salzburg

MyPhone Stadion
Adresse: Eichetstraße 31, 5020 Salzburg,
Kapazität: 1.566, Zuschauerschnitt: 1.313
Saisonkarte: 46 - 130€ bzw. , Tageskarte:  7 - 12€ verschiedene Kategorien
Specials: Famlienkarte, Club33 (VIP)

SV Seekirchen

Sportzentrum Aug
Adresse: Sportzentrum Aug, 5201 Seekirchen
Kapazität: 2.000, Zuschauerschnitt: 709
Saisonkarte: 59€ bzw. 39€ für Mitglieder, Tageskarte: 8€ bzw. 5€

TSV St. Johann

Sportstadion St. Johann

Adresse: Sportplatzweg, 5600 St. Johann
Kapazität: 2.000, Zuschauerschnitt: 517
Saisonkarte 95€, Tageskarte: 9€ bzw. Frauen 7€, freier Eintritt unter 16

TSV St. Johann

Sportstadion St. Johann
Adresse:  Sportplatzweg, 5600 St. Johann
Kapazität: 1.000, Zuschauerschnitt: 383
Saisonkarte: 80€, Tageskarte: 7€, freier Eintritt unter 15

FC Liefering

Nachwuchsakademie Liefering
Adresse: Rechte Saalachzeile 1, 5020 Salzburg
Kapazität: 500, Zuschauerschnitt: 277
Saisonkarte: k.A., Tageskarte: k.A.

FC Anif

Sportzentrum Anif
Schulweg 43, 5081 Anif
Kapazität: 1.500, Zuschauerschnitt: 255
Saisonkarte: €, Tageskarte:

SV Wals-Grünau

Sportanlage Grünau
Adresse: Sportplatzweg 8, 5071 Wals
Kapazität: k.A., Zuschauerschnitt: 250
Saisonkarte: €, Tageskarte: €

TSV Neumarkt

Sportplatz Neumarkt
Sportplatzstraße 25, 5202 Neumarkt
Kapazität: k.A., Zuschauerschnitt: 138
Saisonkarte: 70€ (inklusive 1b), Tageskarte: 8€ bzw. 6€ ermäßigt

Links zu diesem Artikel:

(Quelle: S24)

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