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"Das hätte ich sein können"

Lukas Schubert über Eriksen-Kollaps

Salzburger Kicker setzt sich für Herzsicherheit ein

Als der Ex-Grödig-Profi Lukas Schubert den Kollaps von Dänemarks Christian Eriksen im Fernsehen sah, kamen ihm Erinnerungen an seine Leidenszeit hoch. Denn beim 31-jährigen Salzburger wurde 2013 eine Herzmuskelentzündung diagnostiziert, die ihm sehr zusetzte.

Es war ein riesiger Schock! Millionen Menschen hielten Samstagnachmittag den Atem an, als der Däne Christian Eriksen im EM-Gruppenspiel gegen Finnland plötzlich kollabierte. Der 29-jährige Mittelfeldspieler hatte kurz vor der Halbzeitpause einen Herzstillstand erlitten und musste auf dem Rasen wiederbelebt werden. Nicht nur die Fußballwelt war paralysiert.

Eriksen "war schon weg"

Eriksen ist nach Angaben des dänischen Teamarztes nur knapp dem Tod entronnen. "Er war schon weg. Es war ein Herzstillstand", sagte Morten Boesen am Sonntag und verwies dabei auf Herzspezialisten. "Wir haben ihn mit Hilfe eines Defibrillator-Einsatzes zurückbekommen. Und das relativ schnell", berichtete Boesen bei einer Pressekonferenz in Kopenhagen weiter.

Entwarnung am Sonntag

Einen Tag nach seinem Zusammenbruch ging es dem Star der Dänen "den Umständen entsprechend okay. Sein Zustand ist weiter stabil", sagte Boesen. Mittlerweile hat auch sein Berater in einem Interview verraten, dass es ihm schon besser gehe und er sogar schon zu Scherzen aufgelegt sei.

Salzburger Kicker bangt mit dänischem Star

An Scherze hat der Salzburger Fußballer Lukas Schubert nicht gedacht, als er die Szenen von Eriksens Kollaps im Fernsehen gesehen hat. „Mir ist ganz anders geworden und habe gehofft, dass er es überlebt. Es sind sofort Erinnerungen an meine Schmerzen und Krankenhausaufenthalte hochgekommen“, schildert Schubert gegenüber SALZBURG24. „Das hätte auch ich sein können.“

Der Hintergrund: Bei Schubert, der damals im Profi-Kader des SV Grödig stand, wurde 2013 eine Herzmuskelentzündung diagnostiziert, die ihn 23 Monate außer Gefecht gesetzt hat.

Fußball wird zur Nebensache

Nach seiner Diagnose rückte der Fußball für den mittlerweile 31-Jährigen in den Hintergrund. Nach und nach kämpfte er sich aber zurück und gab sogar sein Profi-Comeback mit Stationen in Irland und den USA. Dabei wollte er seine Herzschmerzen damals gar nicht untersuchen lassen. „Erst meine Mama hat mich ins Krankenhaus geschickt. Ich wäre sonst nicht hingegangen. Als junger Mann fühlt man sich halt unzerstörbar. Aber wie man gesehen hat, ist man das nicht“, erinnert sich der Kicker an seine Leidenszeit.

Schubert wirbt für Herzsicherheit

Der sozial engagierte Salzburger warb daraufhin in seiner Grödiger Zeit aktiv für das Thema Herzgesundheit im Sport. „Schubi“ war Botschafter für die „Heartbeat Foundation“. Eine Organisation, die das Bewusstsein für Herzerkrankungen im Sport stärken will. „Jetzt bin ich noch Botschafter auf Abruf“, erklärt der Ex-Profi, der mittlerweile bei Siezenheim in der Salzburger Liga kickt.

„Glück im Unglück“

Erste Hilfe bei plötzlichem Herzstillstand und der Einsatz bzw. auch das Vorhandensein von Defibrillatoren auf Sportplätzen ist der „Heartbeat Foundation“ ein großes Anliegen. Wie wichtig das sofortige und richtige Einschreiten sein kann, hat man am Fall von Christian Eriksen gesehen. Die sofort herbeigerufenen Helfer leiteten bei ihm lebensrettende Maßnahmen ein, ehe der Spieler ins Krankenhaus Rigshospitalet der dänischen Hauptstadt gebracht wurde. „So blöd es klingt, aber er hatte Glück im Unglück. Es gibt wahrscheinlich keinen besseren Ort, wo dir das passieren kann“, spricht Schubert die top ausgebildeten Helfer an.

Belastung für Sportler ist extrem hoch

Über die Ursache des Herzstillstandes von Christian Eriksen ist aktuell noch nichts bekannt. Dennoch muss man auch über die enorme Belastung in Betracht ziehen, die auf die Profikicker wirkt. Besonders seit der Corona-Pandemie müssen sie die Spiele aller Bewerbe in deutlich komprimierterer Zeit absolvieren. Die Regeneration bleibt da oft auf der Strecke. „Es ist auch auffällig, dass die Karrieren immer kürzer werden. Das ist schon heftig und ein Phänomen der größeren Belastung“, meint Schubert.

Dabei auf seinen Körper zu hören oder bewusst zu pausieren ist oft nicht möglich, oder wird gar als Schwäche eingestuft. Erst vor der Europameisterschaft wurde Dortmund-Star Marco Reus heftig kritisiert, weil er sich nach einer anstrengenden Saison voller Verletzungen gegen eine Teilnahme mit der Nationalmannschaft Deutschlands entschieden hat.

Schubert traut Eriksen Comeback zu

Er selbst hat es nach seiner Diagnose zurück ins Profigeschäft geschafft. Das traut er auch Christian Eriksen zu. „Der Weg zurück ist sehr schwer, aber sicherlich möglich. Es kommt halt darauf an, ob er es auch will. Ich selbst konnte mir ein Leben ohne Fußball nicht vorstellen. Außerdem wollte ich mir beweisen, dass ich es wieder kann – aber nur mit dem medizinischen OK natürlich.“

Defibrillator sollte auf jedem Sportplatz sein

Laut der „Heartbeat Foundation“ sterben in Österreich jährlich über 15.000 Menschen an plötzlichem Herztod. Als Konsequenz empfiehlt auch die medizinische Abteilung der FIFA Schulungsmaßnahmen für Ersthelfer und will einen Defibrillator zur Pflicht in jedem Fußballstadion machen.

 

NEOS fordern Defibrillatoren im Amateursport

In dieselbe Kerbe schlägt auch der Salzburger NEOS-Gesundheitssprecher Sebastian Huber. „Bei einem Herzstillstand entscheiden wenige Sekunden über Leben und Tod. Die Überlebenschancen hängen davon ab, ob unverzüglich und fachgerecht, auch durch Laien, Erste Hilfe geleistet wird. Wird in den ersten drei Minuten mit der Herzdruckmassage und einer notfalls notwendigen Defibrillation geholfen, so liegt die Überlebenschance bei fast 75 Prozent.“ Daher fordern die NEOS auch im Amateursport Defibrillatoren und ausgebildete Helfer. „Im öffentlichen Raum bieten Gemeinde oder Betriebe öffentlich zugängliche Defis an. Wo sich der nächstgelegene Defi befindet, kann man auf der Homepage des Defi-Netzwerkes Österreich sehen.“

(Quelle: SALZBURG24/APA)

Aufgerufen am 22.09.2021 um 11:33 auf https://www.salzburg24.at/sport/fussball/eriksen-lukas-schubert-spricht-ueber-herzstillstand-105190141

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