Jetzt Live
Startseite Fußball
Fußball

Europa League: Salzburgs Rendezvous mit der Vergangenheit in Leipzig

Leipzigs Ralf Rangnick ist in Salzburg noch bestens bekannt. APA/AFP/Archiv
Leipzigs Ralf Rangnick ist in Salzburg noch bestens bekannt.

Die Europa-League-Reise nach Leipzig bringt Salzburg ein pikantes Stelldichein mit der Vergangenheit. Denn am Donnerstag (21 Uhr/live Puls 4) treffen zwei Fußball-Teams aufeinander, die einst unter dem gleichen Flügelpaar kickten. Jenem von Red Bull, das seit der Entflechtung in Leipzig als Eigentümer, in Salzburg "nur" noch als Sponsor auftritt. Wettbewerbsverzerrung? Die UEFA sagt 'nein'.

Es war die dominante Frage vor dem Sommer 2017: Dürfen Österreichs Meister Salzburg und Leipzig, das sich eben als Aufsteiger zur deutschen Vizemeisterschaft gespielt hatte, gleichzeitig im Europacup antreten? Die von den UEFA-Regularien im Sinne der Wettbewerbsintegrität geforderte formale Trennung der beiden Clubs hatte man im Hinblick auf den Höhenflug der Leipziger schon davor angegangen und bereits 2016 als abgeschlossen bezeichnet. Tatsächlich gab die Finanzkontrollkammer für Clubs (CFCB) im Juni 2017 Grünes Licht - allerdings erst nach einer Entscheidung des CFCB-Schiedsgerichts. Dieses kam zum Schluss, dass Red Bull keinen entscheidenden Einfluss auf die Entscheidungen beider Clubs ausüben könne bzw. einer der beiden Vereine relevante Entscheidungen im jeweils anderen entscheidend beeinflussen könne. Kritiker führten die Entscheidung prompt auf "schwammige" Formulierungen in den Regularien zurück.

Transferkarussell dreht sich

Klar ist, dass sich die personellen Verflechtungen lange Zeit recht eng gestalteten - auf allen Ebenen. So wechselten alleine zwischen 2012 und 2017 insgesamt 16 Spieler von Salzburg nach Leipzig. Derzeit stehen mit Peter Gulacsi, Dayot Upamecano, Stefan Ilsanker, Kevin Kampl, Marcel Sabitzer und Konrad Laimer sechs ehemalige Salzburger im EL-Kader Leipzigs. Dessen aktueller Trainer Ralf Rangnick agierte zwischen 2012 und 2015 an beiden Standorten als Sportdirektor - noch heute trägt Salzburgs Ausrichtung die Handschrift des 60-Jährigen.

Oliver Mintzlaff, nunmehr Leipzigs Geschäftsführer, kümmerte sich einst als "Head of Global Soccer" da wie dort um die Umsetzung von Red Bulls Vorstellungen. Dass Salzburgs Urgestein Andreas Ulmer in der Champions-League-Quali 2016/17 in Lettland irrtümlich mit einem Leipziger Trikot spielte, setzte dem ganzen die anekdotische Krone auf.

Salzburg und Leipzig konkurrieren

Das Verhältnis der beiden Clubs beschäftigte freilich nicht nur im Sommer 2017 die UEFA, sondern schon seit der Gründung von RasenBallsport Leipzig 2009 auch Fans und Beobachter. Damals erwarb der Getränkehersteller die Lizenz des SSV Markranstädt und startete von der fünften Spielklasse seinen Angriff auf die deutsche Bundesliga. Angesichts der Größenverhältnisse kam in Österreich schnell der Verdacht auf, Salzburg würde zu Leipzigs Farmteam herabgestuft werden. Das "Verschieben" von Spielern zwischen Leipzig und Salzburg heizte den Verdacht an. Tatsächlich begründete Trainer Adi Hütter seinen Abgang 2015 etwa damit, kein "Ausbildungstrainer" sein zu wollen. "Die Art und Weise, wie Salzburg von Leipzig kaputtgemacht wird, finde ich schade", sagte ein Jahr später der einstige Salzburg-Verteidiger Martin Hinteregger nach seinem Wechsel zu Augsburg.

Bullen so stark wie nie zuvor

Man kann die Sache freilich auch von der anderen Seite betrachten. Selbst wenn der Sponsor das Budget aufgrund des von der UEFA geforderten "Financial Fairplay" nicht mehr auf eine glatte Null bügeln kann, ist Salzburg in Österreich finanziell und sportlich stärker als je zuvor - nicht zuletzt dank einer konsistenten Ausbildungs- und Transferpolitik. Die Herzen der Fans wird man weiterhin nicht im Sturm erobern. Dennoch wären manche Vereine vermutlich froh, so "kaputt" zu sein.

(APA)

Aufgerufen am 17.12.2018 um 06:26 auf https://www.salzburg24.at/sport/fussball/europa-league-salzburgs-rendezvous-mit-der-vergangenheit-in-leipzig-60231091

Kommentare

Mehr zum Thema