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Kluft zwischen Ost und West

Ruf nach Damen-Akademie in Salzburg ist groß

Frauenfußball zwischen Hype und Ernüchterung

Lange kämpfte der Frauenfußball in Österreich um Anerkennung. Erst vor 50 Jahren wurde ein Beschluss gefasst, der die Aussperrung der Damen aufhob. Heute herrscht in der Bundesliga eine Zwei-Klassen-Gesellschaft und die Kluft zwischen Ost und West ist deutlich spürbar. Wir haben uns die Szene in Salzburg angesehen und bei den Bullen nachgefragt, ob ein Einstieg denkbar ist. Es ist ein schmaler Grat zwischen Hype und Ernüchterung.

Salzburg, Saalfelden am Steinernen Meer

"Der Frauen- und Mädchen-Fußball steht auf unserer Agenda ganz oben." Mit dieser Aussage hob ÖFB-Chef Leo Windtner Mitte Juni den Stellenwert von Österreichs Frauen-Elite hervor. Die Damen feierten in den vergangenen drei Jahren einige Erfolge und trugen sich bei der Europameisterschaft 2017 mit dem Einzug ins Halbfinale in die Geschichtsbücher ein.

Feiersinger wünscht sich weitere Frauen-Akademie

Nach dem Sommermärchen in den Niederlanden entfachten die Frauen einen richtigen Hype im österreichischen Fußball. Doch wo befindet sich der Frauenfußball drei Jahre danach? "Nach der entfachten Euphorie hat sich in Österreich schon einiges getan", verriet Laura Feiersinger bereits Ende letzten Jahres im Gespräch mit SALZBURG24. Die 27-jährige Erfolgsgarantin aus Saalfelden (Pinzgau) spricht die Live-Übertragungen des ORF sowie die Marketingmaßnahmen des ÖFB (siehe Video unten) an, welche sich das Ziel gesetzt haben, den Stellenwert der Sportart zu erhöhen.

Folgt die Wiedergeburt des Hypes?

Feiersinger nennt als weiteren Meilenstein die Akademie in St. Pölten als das Elite-Ausbildungszentrum des heimischen Frauenfußballs. "Österreich braucht noch einen weiteren Standort, damit die Qualität erhöht wird und noch mehr Mädels zum Fußballspielen animiert werden. Am besten im Westen, dann wäre die Kluft zum Osten nicht mehr so groß", sagt die Pinzgauerin. Zum Vergleich: Für die Burschen gibt es zwölf Akademien in Österreich. Mit der Eröffnung der Akademie von Sturm Graz (2019) gibt es nach St. Pölten nun einen zweiten Standort in Österreich.

 

Schmaler Grat zwischen Hype und Ernüchterung

Die Pinzgauerin, die in Deutschland bei Eintracht Frankfurt spielt, spricht von einer Ernüchterung nach dem extremen Hype nach der EM: "Die Aufmerksamkeit ist ein wenig abgeflacht, aber wir wollen mit Erfolgen den Hype wieder aufleben lassen." Auch eine andere Salzburgerin ist aus der Szene nicht mehr wegzudenken: Sarah Zadrazil.

Österreichs erste Fußballerin des Jahres (2018) wechselte erst im Juni zum FC Bayern München und ist damit zum Aushängeschild im Frauenfußball geworden. Auch derzeit befinden sich Österreichs Elite-Frauen bei der Qualifikation zur EM 2021 im Aufschwung. Mit mit vier Siegen und 16:0-Toren sind die Damen, die mit Irene Fuhrmann erstmals eine Frau als Teamchefin haben, weiterhin makellos.

Bergheim-Boss: "Wünsche mir eine Frauen-Akademie in Salzburg“

Mit dem FC Bergheim (Flachgau) spielt eine Damen-Mannschaft aus Salzburg in der ersten Fußball-Bundesliga, kann aber dem Serienmeister St. Pölten, Sturm Graz sowie Landhaus/Austria Wien bei weitem nicht das Wasser reichen. Obmann Gerhard Hofer spricht von einer "Zwei-Klassen-Gesellschaft" in der Zehner-Liga. Auch für ihn sei der Leistungsunterschied zwischen Osten und Westen deutlich spürbar. Sein Wunsch? "Eine Frauen-Akademie in Salzburg, bei der Bergheim als Kooperationsverein fungieren könnte", sagte Hofer auf S24-Anfrage.

Hofer mit Wunsch Richtung Fußballverband

Der Bergheim-Boss, der für alle Sektionen (Nachwuchs, Damen und Herren) 150.000 Euro Gesamtbudget zur Verfügung hat, richtet eine Bitte an den Salzburger Fußballverband (SFV): "Der Verband könnte sich etwas mehr dafür einsetzen, um Frauen für den Fußball zu gewinnen." Hofer wünscht sich mehr Weitblick und die Abschaffung der Entschädigungen für Mädchen, die in den Leistungszentren ausgebildet werden. "Weil Transferskosten nur unseren Klub belasten und das nicht fair ist."

Die Hoffnung, dass Red Bull Salzburg in den Frauenfußball einsteigt und der Szene einen Schub verleiht, hat Hofer noch nicht aufgegeben. "Sag niemals nie. Es würde speziell dem Westen enorm gut tun. Aber wir wissen auch, wenn die Bullen was machen, wird Bergheim von der Landkarte beim Damen-Fußball verschwinden."

Frauenfußball für Red Bull Salzburg "wenig produktiv"

Auf S24-Anfrage erklärt der FC Red Bull Salzburg, dass das Hauptaugenmerk schon seit vielen Jahren auf der umfassenden und professionellen Ausbildung junger Spieler liegt. Um weitere Top-Kicker wie Stefan Ilsanker, Konrad Laimer, Stefan Lainer und Co. zu formen, sei ein enorm hoher infrastruktureller und auch personeller Aufwand nötig, heißt es.

Der Serienmeister fügt hinzu: "Das Thema Frauenfußball ist aber dennoch auch bei uns im Klub und in den Gremien der Bundesliga immer wieder thematisiert worden. Wir als Klub befassen uns im Zuge einer mittel- bzw. langfristigen Planung damit, wie eine erfolgreiche Umsetzung für uns Sinn machen könnte. Aus mehreren Gesichtspunkten sollte aber auch in diesem Bereich die Nachfrage das Angebot bestimmen, weshalb wir die verpflichtende Einführung als wenig produktiv erachten."

(Quelle: SALZBURG24)

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