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"Oben" angekommen

Salzburg beweist Reife und geigt in Europa auf

Abgebrüht, furios, stabil: Bullen belohnen sich

Salzburg schwebt auf (Fußball-) Wolke sieben. Die Bullen beweisen nun endgültig europäische Top-Reife und belohnen sich für den eingeschlagenen Weg. Gefeiert wurde dennoch nicht: Vielmehr tritt man bei den Champions-League-Helden auf die Euphorie-Bremse.

Österreichs Abo-Meister hat in der Champions League realistische Chancen auf den erstmaligen Aufstieg in die K.o.-Phase. Am Mittwoch holte Salzburg einen 2:1-(1:0)-Heimsieg über Frankreichs Meister Lille und setzte sich vor Sevilla und Wolfsburg (je zwei Punkte) an die Spitze von Gruppe G.

 

Juwel ist jetzt Star

Ein Elfmeter-Doppelpack vom ehemaligen Juwel Karim Adeyemi (35., 53.) machte den verdienten Erfolg perfekt und bedeutete auch die gelungene Bewältigung des Elfer-Traumas von Sevilla. Als Belohnung für den nächsten Schritt im Reifeprozess gibt es beim Blick auf die Tabelle der Gruppe G den Platz an der Sonne. Und Adeyemi, der sein "Sevilla-Trauma" eindrucksvoll überwand, avanciert nun endgültig vom Juwel zum Star.

Salzburg_Lille_Champions_League_ APA/AFP/JOE KLAMAR
Karim Adeyemi beweist Nerven aus Stahl und trifft in der Champions League gegen Lille zwei Mal per Elfmeter.

Salzburg bei den Großen angekommen

Die Bullen sind derzeit einfach nicht zu biegen. Der 14. Sieg im 15. Pflichtspiel dieser Saison, in der man noch ohne Niederlage ist, spricht Bände. Für Salzburg hing der Fußball-Himmel am Mittwoch voller Geigen. Die ungeschlagene Truppe von Trainer Mathias Jaissle setzte sich gegen Frankreichs Meister Lille furios mit 2:1 durch, der erstmalige Aufstieg in die K.o.-Phase wäre eigentlich nur folgerichtig. Der Tabellenführer ist nach den Achtungserfolgen in der Europa League, den Duellen mit Liverpool (3:4), in Neapel (1:1) und bei Atletico Madrid (2:3) nun endgültig in Europas Spitzenfußball angekommen.

Salzburg_Lille_Champions_League Getty/Red Bull
Der FC Salzburg (weiß) traf am Mittwoch in der zweiten Champions-League-Runde auf den OSC Lille.

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Jaissle gibt Spaßbremse

Der Bullen-Dompteur stieg nach dem vierten Königsklasse-Sieg der Vereinsgeschichte dennoch auf die Bremse. "Wir haben noch keinen Titel gewonnen, aktuell können wir uns nichts kaufen. Grundsätzlich hat sich für uns nichts geändert, wir fahren ganz gut damit, dass wir auf dem Boden bleiben", betonte der Erfolgscoach. Daher wurde auch auf eine wilde Kabinenparty – wie sie unter Jesse Marsch üblich waren – verzichtet. Diese soll erst folgen, wenn in der Elite-Liga der erste Teil-Erfolg eingefahren wurde.

Salzburg_Lille_Champions_League_Jaissle Getty/Red Bull
Bullen-Trainer Matthias Jaissle bleibt auch in seinem 15. Bewerbsspiel ungeschlagen.

"Es ist zwar unglaublich, etwas Schönes, aber im Prinzip haben wir noch nichts gewonnen. Feiern können wir erst, wenn wir es ins Achtelfinale schaffen", meinte Doppeltorschütze Adeyemi. Mit seinen erst 19 Jahren war er gegen Frankreichs Sensations-Meister, der aktuell aber auch national nur mühsam in Schwung kommt, der zweitjüngste Kicker in einer ohnehin blutjungen Startelf (Schnitt 20,7 Jahre). Aktuell sei die Unerfahrenheit in Verbindung mit Unbekümmertheit sicher eine klare Stärke, wie Adeyemi bemerkte. "Auf jeden Fall ist das so. Wir sind alle extrem positiv", gab er zu Protokoll.

Adeyemi heimst nächsten Rekord ein

In Sevilla hatte dem Neo-DFB-Kicker beim ersten Versuch vom Punkt noch das Quäntchen Glück gefehlt, diesmal präsentierte sich der 19-Jährige eiskalt. Auch, dass Lille-Goalie Ivo Grbic beim ersten Strafstoß (35.) mit der Hand dran war ("Da ist mit das Herz kurz stehengeblieben") konnte nichts daran ändern, dass er beim zweiten (53.) Treffer den Goalie mit einem Schuss genau in die Mitte düpierte. "Wir wussten von Anfang an, dass hier etwas geht – und wir haben es gezeigt", freute sich Adeyemi, der wie schon in Sevilla zum "Spieler des Spiels" gekürt wurde. Die Sprint-Rakete gab zu: "Ich habe im Training Elfmeter geübt."

Jaissle bestätigte, dass Adeyemi auch als erster Elferschütze bestimmt war. "Er hat sich heute belohnt", freute sich der Coach über seine CL-Treffer zwei und drei. Mit dem vierten herausgeholten Elfer (dreimal in Sevilla) in einer Eliteliga-Saison stellte der Deutsche noch dazu einen Rekord von Arjen Robben ein. Den Assist für den zweiten Elfer durfte sich Verteidiger Maximilian Wöber gutschreiben, dessen Freistoß Yilmaz Burak mit der Hand berührte. "Es war ein Bombenspiel von uns. Wir waren in der ersten Hälfte die dominantere, bessere Mannschaft, vorne waren wir diesmal eiskalt", sagte der Innenverteidiger auf "Sky".

Stabile Defensive als Prunkstück

Wöber, der zuletzt mit einer Muskelblessur gefehlt hatte, war rechtzeitig fit geworden und sorgte mit einer starken Leistung an der Seite von Jerome Onguene bzw. im Verbund mit der gesamten Mannschaft dafür, dass die Offensive von Lille keinen Stich machte. Selbst der einzige LOSC-Treffer durch einen Yilmaz-Freistoß ging eigentlich auf das Konto von Salzburg-Goalie Philipp Köhn ("Den kreide ich mir selbst an"). Jaissle konnte nicht umhin, sein Team für eine ebenso engagierte wie taktisch disziplinierte Vorstellung zu loben. "Die Defensivarbeit war richtig gut", befand der 33-Jährige.

 

Lille-Trainer: "Sind in Pressing-Falle getappt"

"Gerade in der Anfangsphase hat Lille gezeigt, welche Qualität in der Mannschaft steckt", gab Jaissle zu bedenken. Umso schöner sei es gewesen, zu sehen, wie seine Truppe sich "in das Spiel hineingefightet" habe. Sein Pendant bei Lille, Jocelyn Gourvennec zollte den Bullen Respekt: "Das Pressing von Salzburg war enorm stark, wir sind ihnen in die Falle gegangen. Und im letzten Drittel haben wir unsere Aktionen zu wenig ausgespielt. Es ist frustrierend, nicht mehr Punkte zu haben, aber es sind noch vier Spiele zu spielen."

Erster Mega-Coup für Bullen

Jaissles Jubel nach Abpfiff fiel nicht nur deswegen so intensiv aus, weil er eine traumhafte Premieren-Saison im Profibereich samt einem Punkteschnitt von 2,87 erlebt. Nach den Siegen über Genk (2019/20) und Lok Moskau (2020/21) konnte sich Salzburg erstmals in der Königsklasse gegen ein Team aus einer der Top-Fünf-Ligen (Deutschland, England, Spanien, Italien, Frankreich) durchsetzen. "Es wird dieser jungen Truppe sicher Rückenwind geben", zeigte sich Jaissle überzeugt.

Wolfsburg-Doppel steht an

Schon in drei Wochen könnte man auch in dieser Hinsicht nachlegen. Am 20. Oktober gastiert der VfL Wolfsburg in Wals-Siezenheim, die Deutschen mussten sich am Mittwoch gegen Sevilla mit einem 1:1 begnügen und liegen punktegleich mit den Spaniern (je zwei) hinter Salzburg (vier), Lille (ein Punkt) ist Letzter. Jaissle versprühte Zuversicht: "Wir wollen alle weitermarschieren."

Triumphe der Salzburger in der Elite-Liga

Saison 2021/22

  • 29.09.2021: Salzburg – Lille 2:1

Saison 2020/21

  • 01.12.2020: Lokomotiv Moskau – Salzburg 1:3

Saison 2019/20

  • 27.09.2019: Genk – Salzburg 1:4
  • 17.09.2019: Salzburg – Genk 6:2
(Quelle: SALZBURG24/APA)

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