Jetzt Live
Startseite Fußball
Pure Euphorie

Furiose Salzburger machen Lust auf mehr

Bullen zu 74 Prozent im Champions-League-Achtelfinale

Auch einen Tag nach der Champions-League-Gala von Red Bull Salzburg reiben sich wohl so manche Fußball-Beobachter die Augen. Denn die Bullen sind nach drei Spieltagen Tabellenführer in der Königsklasse. Euphorie macht sich breit, der Trainer tritt jedoch auf die Bremse.

Sieben Punkte aus drei Spielen. Red Bull Salzburg ist dem erstmaligen Einzug ins Achtelfinale der Champions League schon ganz nah. Mit reifem Offensiv-Fußball bezwang Österreichs Serienmeister den VfL Wolfsburg am Mittwoch klar mit 3:1 und steht nun auch in der Eliteliga dort, wo man national seit Jahren ist: Auf dem ersten Rang.

 

Bullen-Tollhaus feiert Helden

Nach dem zweiten Treffer von Doppelpacker Noah Okafor ging die Welle der Begeisterung durch das ausverkaufte Salzburger Stadion, minutenlang feierten die 29.520 Zuschauer nach Abpfiff ihre Helden. "Es ist einfach eine geile Geschichte aktuell", sagte Matthias Jaissle nach dem zweiten CL-Sieg hintereinander und ritt die Euphorie-Welle dann doch nicht mit. HIER findet ihr die SALZBURG24-Noten der Bullen-Kicker.

 

Vielmehr trat der stets zurückhaltende Deutsche recht heftig auf die Bremse. Er erwarte weitere drei Spiele "auf Messers Schneide", da könne "in den nächsten drei Spieltagen noch alles passieren", sagte der 33-Jährige, und erzählte aus seiner Schulzeit: "Mathe war echt ein schlechtes Fach bei mir in der Schule."

Jaissle hält Ball flach

Denn an Wahrscheinlichkeitsrechnungen wollte sich Jaissle angesichts der exzellenten Momentaufnahme in der Gruppe G nicht versuchen. "Wir gehen das tatsächlich nach wie vor in aller Bescheidenheit an und wollen auch im nächsten Spiel in Wolfsburg wieder mutig und frech sein. An Rechenspielchen beteilige ich mich nicht." Dass die Gruppengegner Lille und Sevilla (0:0) später auch noch die Punkte teilen würden, wusste er da noch nicht. Schön langsam aber muss sich der Deutsche von der Underdog-Rolle verabschieden.

Karim Adeyemi, Lille Getty/Red Bull
Karim Adeyemi stellte in zwei Champions-League-Spielen seine internationale Klasse unter Beweis.

Salzburgs vermeintlicher Sargnagel wird zum Trumpf

Unbekümmertheit, die Gier nach Erfolgen und eine Spielphilosophie, mit der die Bullen aufblühen: Red Bull Salzburg hat sich einen Plan zurechtgelegt, mit dem auch vermeintlich größere Klubs in der …

Salzburg zu 74 Prozent im CL-Achtelfinale

Nur sechs Clubs hatten in der Vorsaison zur Halbzeit in der Gruppe sieben Punkte oder mehr - und alle sechs schafften danach auch den Sprung in die K.o.-Runde. Die UEFA rechnet vor, dass man mit sieben Punkten nach drei Spieltagen mit einer Wahrscheinlichkeit von 74 Prozent ins Achtelfinale der Champions League aufsteigt.

Gelingt dies auch Salzburg, würde Sturm Graz seine nationale Sonderstellung verlieren. Bisher gelang nur den Steirern das Kunststück, die Gruppenphase in der Eliteliga zu überstehen und auch noch im Frühjahr vertreten zu sein. Ivica Vastic und Co. wurden im Herbst 2000 Gruppensieger.

Geldregen in der Champions League

Die Bullen haben für Ähnliches nun drei Matchbälle. Dies würde mit zusätzlichen 9,6 Millionen Euro vergütet, bereits jetzt haben die Salzburger in der Gruppe 6,53 Millionen an Punkteprämien eingespielt. Das nächste Spiel steigt schon am Dienstag in zwei Wochen erneut gegen Wolfsburg - auswärts in der Autostadt. Und passiert bis dahin kein Wunder, wird der VW-Werkclub auch in der Fremde in Reichweite sein.

Salzburg, Wolfsburg, Champions League Getty/Red Bull
Diese Salzburg-Elf (weiß) traf in der dritten Champions-League-Runde auf Wolfsburg.

Die Noten der Salzburg-Kicker

Salzburg feierte am Mittwoch im dritten Champions-League-Duell gegen Wolfsburg einen 3:1 (1:1)-Sieg. SALZBURG24-Sportredakteur Aleksandar Andonov präsentiert die Bullen-Noten zum Spiel in der …

"Spiel verloren", ließ ein geknickter Wolfsburg-Trainer Mark van Bommel lapidar wissen. Sein Team kassierte zwar früh das 0:1 durch Karim Adeyemi (3.), hatte durch Lukas Nmecha (15.) aber gut in die Partie zurückgefunden. Dass die Niederlage dann ausgerechnet aus zwei Eckbällen resultierte, ärgerte den früheren Weltklasse-Mittelfeldspieler maßlos. Sieben Spiele ohne Sieg sind eine Bewährungsprobe. "Wir sind eine Mannschaft, die über den Zusammenhalt kommt. Wenn wir das nicht machen, sind wir eine normale Mannschaft", sagte Van Bommel und sprach den zwar ironisch gemeinten, aber vielsagenden Satz: "Ich kann nicht Playstation spielen mit den Jungs."

Dank Stabilität "nahe an 100 Prozent"

Das Gegenteil durfte Jaissle konstatieren. Nämlich, dass seine junge Mannschaft offenbar tadellos umsetzt, was er vorgibt. Drei Gegentore in drei Spielen sprechen Bände im Vergleich mit Vorjahren. Ausschlaggebend für die defensive Stabilität ist für den Bullen-Dompteur die Balance zwischen Offensive und Verteidigung. "Wir waren nah bei 100 Prozent. Das war auch notwendig, dass wir gegen eine starke Mannschaft aus der deutschen Bundesliga nahe an unserem Leistungsmaximum kommen", sagte Jaissle.

Okafor bringt Kritiker zum Schweigen

Der teilweise als Transferflop titulierte Okafor spielte einen Teil seiner elf Millionen Euro schweren Ablöse mit seinen ersten beiden Champions-League-Treffern und einer insgesamt starken Leistung wieder ein. "Ich bin mit sehr viel Selbstdruck hierhergekommen, hatte dann mit Verletzungen auch Pech. Aber ich habe immer an mich geglaubt und hart gearbeitet. Ich will mich täglich pushen", sagte der Schweizer.

Die Wissbegierde sei die größte Tugend seines Teams, betonte Jaissle. "Wir haben uns vorgenommen, dass wir aus jeder Halbzeit in der Champions League lernen. Das machen wir extrem schnell und extrem effektiv." So effektiv, dass nach zwei Lehrjahren der erstmalige Einzug in die K.o.-Runde zum Greifen nahe ist. "Wenn wir so weiterspielen in den restlichen drei Spielen, dann haben wir gute Chancen", sagte Okafor.

Champions League: FC Salzburg – VfL Wolfsburg

Aufstellungen

Salzburg: Köhn - Kristensen, Onguene, Wöber (72. Bernardo), Ulmer (86. Guindo) - Seiwald, Camara (66. Capaldo), Aaronson, Sucic - Okafor (87. Simic), Adeyemi (87. Adamu)

Wolfsburg: Casteels - Mbabu, Lacroix, Brooks, Roussillon (70. Otavio) - Vranckx, Arnold - Baku (70. F. Nmecha), Lukebakio, Steffen - L. Nmecha

Tore: Adeyemi (3.) Okafor (65., 77.); Nmecha (15.)

(Quelle: SALZBURG24/APA)

Aufgerufen am 20.05.2022 um 08:26 auf https://www.salzburg24.at/sport/fussball/red-bull-salzburgs-champions-league-gala-machen-lust-auf-mehr-111200836

Kommentare

Mehr zum Thema